ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2010Schach: Eine alte Kuh lernt immer noch dazu

SCHLUSSPUNKT

Schach: Eine alte Kuh lernt immer noch dazu

Dtsch Arztebl 2010; 107(42): [100]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Momentan hab’ ich’s mit dem Alter. Vermutlich wird sich der Moment bis ans Ende meiner Tage ausdehnen, das Alter dafür habe ich jedenfalls. Es gibt Schlechteres. Vor einiger Zeit las ich in der „International Herald Tribune“ – schließlich kann ich nicht all mein Wissen aus dem „Deutschen Ärzteblatt“ beziehen –, dass die Menschen mit dem Alter glücklicher werden. Wie so oft in der Medizin und im Leben überhaupt, weiß man nicht, warum, vermutet aber weniger irgendwelche Lebensumstände als vielmehr etwas tief in der menschlichen Natur Verankertes.

Einer großen Studie von Prof. Arthur Stone von der State University of New York zufolge ist die Jugendzeit noch ganz okay, aber dann geht es bis 50 bergab. Doch wer dieses kritische Alter erreicht hat, darf sich freuen. Ab diesem Wendepunkt werden die Menschen immer zufriedener, mit 85 schließlich sind sie sogar mehr mit sich im Reinen als mit 18. Trost also für all jene, die mit der Last des (frühen) Erwachsenenseins zu kämpfen haben: Nicht verzagen, ihr werdet alt!

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Wie es das gütige Schicksal so will, stieß ich auch noch auf eine Äußerung von Florian Schmiedek vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin (im Ende dieses Jahres im Springer-Verlag erscheinenden Buch „Schach und Alter“): „Die kognitive Reservekapazität ist im Alter größer als bisher gedacht. Es herrscht immer noch die Vorstellung: ,Das Gehirn ist im Alter eingerostet.‘ Oder: ,Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.‘ Doch auch ältere Menschen können noch neue Dinge lernen und ihre Leistung in allen möglichen Bereichen durch Training verbessern.“

In Übereinstimmung mit der Psychologieprofessorin Shelley Carson von der Harvard-Universität, nach der die Oberstübchen älterer Menschen oft sogar besser als die von jüngeren arbeiten: „Sie sieben aus der Vielfalt der Informationen die relevanten heraus und sind so kreativer.“ Im Bamberger Schachklub von 1868, einem Ort jenseits aller Wissenschaftlichkeit, wusste man dies schon immer: „Eine alte Kuh lernt immer noch dazu!“

Nun ist Dr. med Christian Cimbollek, ein Gynäkologe aus Köln, noch ein relativer „Jungspund“, obwohl er das üble Alter von 50 schon erfolgreich hinter sich gebracht hat, doch kreativ ist er schon allemal: Bei der letzten Deutschen Ärztemeisterschaft zauberte er als Weißer am Zug gegen den „alten Haudegen“ Dr. med. Hubertus Draeger eine siegbringende Mattkombination aufs Brett. Wie kam’s?




Lösung:

Der herrliche, „stille“ Auftaktzug war 1. Lf6! (das ist viel stärker als 1. Dh2 mit der einzügigen Mattdrohung 2. Dh8, wonach Schwarz nach 1. . . . Dxc2+ 3. Le2 f6 noch kräftig strampelt). Schwarz wehrte sich noch mit 1. . . . Dxc2+ (1. . . . gxf6 2. Dxf6 ((aber nicht 2. Dh6 Dxd4+ 3. Kg2 f5!)) Dxd4+ 3. Dxd4 Te5 hätte das Leiden nur unnötig verlängert) 2. Kg3 Te6, musste sich aber nach dem Turmopfer 3. Th8+! wegen des unweigerlichen Matts nach 3. . . . Kxh8 4. Dh6+ Kg8 5. Dxg7 geschlagen geben.

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