ArchivDeutsches Ärzteblatt40/1997Forschende Pharmaunternehmen: VFA will aktive Rolle bei Strukturverträgen

POLITIK: Aktuell

Forschende Pharmaunternehmen: VFA will aktive Rolle bei Strukturverträgen

Korzilius, Heike

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LNSLNS "Die aktuelle Gesetzgebung hat die Gestaltungsspielräume bei den Versorgungsformen erweitert", kommentierte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), Cornelia Yzer, die Situation nach Inkrafttreten der beiden Neuordnungsgesetze zur Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung am 1. Juli. Chancen, aber auch Risiken böten vor allem die sogenannten Strukturverträge (§ 73a SGB V).
Kopfzerbrechen bereiten dem Verband die jüngsten Verträge zwischen einzelnen Ortskrankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen. So hätten die Vertragspartner in Hessen vereinbart, die Mehrarbeit von Ärzten, die an Qualitätszirkeln zur Pharmakotherapie teilnehmen, zu honorieren, wenn dadurch Einsparungen bei Arzneimitteln erzielt würden. In Berlin sei eine ähnliche Vereinbarung geschlossen worden, ohne die Ärzte jedoch zur Teilnahme an Qualitätssicherungsmaßnahmen zu verpflichten. Solche Verträge gingen klar zu Lasten der Pharmaindustrie, ohne daß dieser in der Selbstverwaltung ein Mitspracherecht eingeräumt werde. Langfristig machen aber auch Ärzte und Kassen nach Ansicht von Yzer mit solchen Verträgen kein gutes Geschäft. Es bestehe die Gefahr, daß die Arzneimittel-Richtgrößen den Einsparungen entsprechend gesenkt und teure Patienten ins Krankenhaus abgeschoben würden. Insgesamt drohe ein Qualitätsverlust bei der Arzneimittelverordnung.
Statt dessen forderte die VFA-Hauptgeschäftsführerin, die Möglichkeiten sektorübergreifender Strukturverträge zu nutzen. So dürften beispielsweise Verlagerungen vom stationären in den ambulanten Sektor, die teilweise nur mit Hilfe innovativer Arzneimittel ermöglicht würden, nicht länger einseitig das Arzneimittelbudget belasten. Im Rahmen von Disease-Management-Konzepten sollte nach Ansicht des VFA auch die Pharmaindustrie in Strukturverträge oder Modellvorhaben eingebunden werden. Die Unternehmen verfügten über das Know-how, das für diagnosebezogene Auswertungen und - darauf aufbauend - für die Entwicklung optimierter Behandlungsabläufe benötigt werde. Gemeinsam mit den medizinischen Fachgesellschaften könnten Therapiestandards entwickelt werden, die die Qualität der Behandlung verbesserten und dadurch Kosten senkten. Denkbar und rechtlich möglich seien in diesem Zusammenhang Kooperationsverträge zwischen Krankenkassen und Pharmaunternehmen.
Licht und Schatten bei der Umsetzung der gesetzlichen Neuregelungen liegen auch für den Vorstandsvorsitzenden des VFA, Dr. rer. nat. Horst Freisler, nahe beieinander. Der Verband begrüße, daß die Spitzenverbände der Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung in ihrer Empfehlung zu Arzneimittel-Richtgrößen vorgesehen haben, "unverzichtbare" Arzneimittel von den Richtgrößen auszunehmen und Praxisbesonderheiten zu berücksichtigen. Kritik müsse sich jedoch der Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen gefallen lassen, der die Arzneimittelrichtlinien überarbeitet. Freisler bemängelt vor allem den geplanten Ausschluß der sogenannten 2004-Präparate aus der Erstattungsfähigkeit durch die GKV. Dabei handele es sich um Arzneimittel, auf deren Nachzulassung die Firmen verzichtet hätten, weil ihnen das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium die Verkehrsfähigkeit der Mittel bis zum Jahr 2004 garantiert habe. Heike Korzilius
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