ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2010Kinder mit ADHS: Bessere Versorgung in Nordrhein

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Kinder mit ADHS: Bessere Versorgung in Nordrhein

Flintrop, Jens

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Ein neuer Versorgungsvertrag soll eine strukturierte, interdisziplinäre Behandlung der Kinder ermöglichen.

Mehr Zeit fürs Gespräch und weniger Medikamente, lautet das Ziel eines neuen Versorgungsvertrags für Kinder und Jugendliche in Nordrhein, die unter dem Aufmerksamkeitsdefizit-und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) leiden. Vertragspartner sind die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein, der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Nordrhein sowie die AOK Rheinland/Hamburg. Eingebunden ist zudem das Bündnis der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten Nordrhein-Westfalen (für Vertragsmodule).

Extrabudgetäre Vergütung

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Der Vertrag für Patienten von sechs bis 17 Jahren beinhaltet eine verbesserte Diagnostik, Elternschulungen, eine koordinierte Zusammenarbeit von Ärzten und Psychotherapeuten, einen leichteren Zugang zu psychotherapeutischer Behandlung und einen streng kontrollierten Medikamenteneinsatz. Beteiligen können sich Kinder- und Jugendärzte, die in den letzten beiden Jahren pro Quartal mindestens 30 ADHS-Patienten behandelt haben. Sie müssen an mindestens zwei Qualitätszirkeln zum Thema teilnehmen. Die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sind verpflichtet, einmal monatlich eine Samstagssprechstunde anzubieten. Die Ärzte werden für ihr Engagement extrabudgetär vergütet: Für die spezifische Diagnostik sind einmalig 100 Euro je Patient abrechenbar, die Steuerung und Koordinierung der Behandlung wird mit 50 Euro je Quartal honoriert, viermal je Patient werden 105 Euro für ein viermal vierstündiges Schulungsmodul bezahlt und achtmal je Patient 52,50 Euro für ein achtmal zweistündiges Schulungsmodul.

Cornelia Prüfer-Storcks, Mitglied des Vorstandes der AOK Rheinland/Hamburg, erklärte vor der Presse in Düsseldorf: „Wir suchen die Zusammenarbeit mit erfahrenen Kinder- und Jugendärzten und Psychotherapeuten, um die Versorgung der Kinder deutlich zu verbessern. Im Vordergrund steht mehr Zeit für die Patienten und ihre Familie statt vorschneller Medikamentengabe.“ Allein bei der AOK Rheinland/Hamburg gebe es rund 12 000 Kinder mit ADHS, in Nordrhein-Westfalen seien es 40 000. „Die betroffenen Kinder brauchen ein umfassendes Betreuungskonzept“, ergänzte KV-Vorstand Bernd Brautmeier. „Der Vertrag sieht daher eine enge Zusammenarbeit zwischen Pädiatern und Psychotherapeuten vor. Auch die Eltern werden einbezogen.“

Der Versorgungsvertrag der AOK Rheinland/Hamburg unterstreicht eine aktuelle Bewertung des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) zu ADHS. Der G-BA hatte im September eine Richtlinie zum Gebrauch von methylphenidathaltigen Arzneimitteln geändert. Dieser Wirkstoff ist häufig in Medikamenten zur Behandlung von ADHS zu finden; das bekannteste davon ist Ritalin. Der G-BA hat jetzt einerseits festgelegt, dass sich die Diagnose von ADHS nicht nur auf ein oder mehrere Symptome stützen darf, sondern unter anderem eine vollständige Anamnese umfassen muss. Andererseits dürfen Medikamente mit Methylphenidat nur von Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern, zum Beispiel den Fachärzten für Kinder- und Jugendmedizin, verordnet werden. Zudem müssen regelmäßig medikamentenfreie Zeitabschnitte eingelegt werden.

Jens Flintrop

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