ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2010Geldanlage: Wie man sich vor Inflation schützt

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Geldanlage: Wie man sich vor Inflation schützt

Dtsch Arztebl 2010; 107(42): A-2060 / B-1792 / C-1764

Bandering, Michael

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Der Euro unter Druck: Wer davon ausgeht, dass der Euro mittelfristig an Wert verliert, sollte in Sachwerte investieren. Foto: Fotolia
Der Euro unter Druck: Wer davon ausgeht, dass der Euro mittelfristig an Wert verliert, sollte in Sachwerte investieren. Foto: Fotolia

Die Gefahr einer mittelfristig wachsenden Geldentwertung ist gegeben. Der Autor stellt eine mögliche Gegenstrategie vor.

Die Beschlüsse der europäischen Regierungschefs vom 9. Mai schließen auch die – zunächst – teilweise Aufgabe der Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) ein. Sie führen fast zwangsläufig zu einer schon mittelfristig wachsenden Geldentwertung, vor der man sein Vermögen rechtzeitig schützen sollte. Unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus den Währungsreformen von 1923 und 1948 wird nachstehend eine mögliche Gegenstrategie vorgestellt.

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Vorweg ist zu prüfen, in welchen Anlagearten mit welchen derzeitigen Werten das Privatvermögen angelegt ist. Weiter ist abzuschätzen, welche liquiden Mittel kurz- oder mittelfristig zur Verfügung stehen müssen – etwa für die Anschaffung eines neuen Wagens oder für umfangreichere Reparaturen eigenen Immobilienbesitzes. Zu berücksichtigen ist auch das eigene Alter, denn der Erwartungshorizont eines Anlegers in der Blütezeit seiner Jahre unterscheidet sich von dem eines Anlegers in der Nähe der Ruhestandsgrenze nicht unerheblich (wozu auch ein Blick auf eigene Erben eine Rolle spielen könnte).

Geeignete Sachwerte

Konto- oder Bausparguthaben sowie festverzinsliche Wertpapiere scheiden als langfristige Anlageart aus. Allein Sachwerte schützen vor Inflationsgefahr; freilich nicht Sammlerstücke wie Antiquitäten, Bilder, Juwelen, Briefmarken oder gar Anteile an geschlossenen Fonds aller Art. Da Lebensversicherungen regelmäßig auf Rentenanlagen basieren, scheiden auch sie aus. Ausgenommen sind reine Risikolebensversicherungen, die ja nur ein etwa gewünschtes Ablebensrisiko für den Begünstigten absichern. Gewarnt sei schließlich von Anlagen aller Art „aus steuerlichen Gründen“.

Genannt werden nachstehend ausschließlich „Daueranlagen“ mit einem Anlagehorizont von mindestens fünf bis zehn Jahren:

  • Gold. Die Goldpreise sind seit 2007 unter Schwankungen geradezu explodiert (seinerzeit rund 650 US-Dollar je Feinunze, derzeit mehr als 1 200 US-Dollar), doch lässt sich diese Extrementwicklung nicht für alle Zukunft erwarten. Gold eignet sich nur in Barrenform (zehn bis 1 000 Gramm) oder in neuen Münz- (nicht Medaillen-)Prägungen wie dem Krügerrand. Bei Barrengold ist zu beachten, dass kleine Barren relativ ungleich teurer sind als ein 1 000-Gramm-Barren. Zudem ist zu bedenken, dass sich Gold nicht verzinst und sich daher nur als Vermögensbeimischung eignet.
  • Aktien. Hier sei nicht an spekulative, sondern an gediegene Daueranlagen gedacht. Dennoch lässt sich eine für langfristigen Besitz gedachte Aktie jederzeit in Geld wandeln – zu welchem Kurs auch immer. Auf Aktien stark konjunkturanfälliger Unternehmen, wie etwa Autowerte (hier sind die weltweiten Überkapazitäten zu beachten), sollte man verzichten, ebenso auf Finanzwerte. Nur für den Kleinanleger eignen sich (deutsche) Aktien-Investmentfonds, da die Fondsgesellschaften relativ hohe Ertraganteile selbst kassieren, dem Anleger folglich verloren gehen. Empfehlenswert sind Aktien (wegen des Informationsflusses möglichst deutscher Gesellschaften) wie der Branchen Gesundheit/Pharmazie (wegen des wachsenden Bevölkerungsalters mit allen Konsequenzen) oder Stromversorger (Strombedarf besteht selbst in konjunkturschwachen Phasen). Wichtig dabei bleibt zur Risikobegrenzung eine möglichst breite Branchen- und Unternehmensstreuung.

Größtes Problem bleibt allerdings die erfolgreiche Suche nach einem seriösen wie kompetenten Bankberater, verstehen sich diese doch mittlerweile überwiegend nur noch als Verkäufer von für die Bank lukrativen Fonds. Ein kompetenter Wertpapierberater setzt eine (teure) Ausbildungszeit und Erfahrung voraus, die sich namentlich kleinere Banken und Sparkassen nicht leisten können (oder wollen). Bleiben nur noch die je an einer Hand abzählbaren Großbanken oder Großsparkassen. Allerdings sollte man hier mehr auf deren Großfilialen setzen und bedenken: je kleiner der Anlagebetrag, desto geringer das Beraterinteresse. Das heißt aber auch: Die Anlagen sind auf ein Geldhaus zu konzentrieren und nicht auf mehrere.

  • Immobilien. Nicht jede Immobilie empfiehlt sich. Land- und forstwirtschaftliche Objekte und Immobilien in wirtschaftlichen Problemregionen eignen sich genau so wenig wie denkmalgeschützte Objekte. Vorsicht ist auch bei sogenanntem Bauerwartungsland geboten. Bleiben folglich nur noch Bauland (ob erschlossen oder noch unerschlossen), das Einfamilienhaus (das Mehrfamilienhaus sei hier vernachlässigt) und die Eigentumswohnung. Bei allen drei Kategorien ist auf die wirtschaftliche, nicht auf einer einzigen Branche beruhende Prosperität der Anlageregion zu achten, wobei Objekte in Ballungsräumen zu bevorzugen sind. Als wertvolles Orientierungsmittel eignen sich die Arbeitslosenquoten der betreffenden Region. Auch ist es oft hilfreich, wenn das Objekt in der Gegend des eigenen Wohnsitzes liegt. Bedeutsam bleibt die Lage des Objekts, die Infrastruktur (Verkehrsanbindung, öffentliche Einrichtungen), Geruchs-/ Lärmbelästigungen und das soziale Umfeld. Dabei sind „Liebhaberobjekte“ zu ignorieren.

Wichtig vor einem Immobilienerwerb ist die Sichtung eines aktuellen Grundbuchauszugs. Vor allem bedürfen die Eintragungen in Abteilung II besonderer Aufmerksamkeit. Es könnte sich nämlich oftmals als notwendig erweisen, die der Eintragung zugrunde liegende Grundakte zu studieren, weil der Kurzeintrag im Grundbuch selbst dessen Bedeutung häufig unzureichend wiedergibt.

– Das Baugrundstück. Es sollte auf eine Größe beschränkt sein, die der zulässigen Bebauungsmöglichkeit entspricht. Überdimensionierte Grundstücke erweisen sich meist als schwer verkäuflich (relativ höhere Grundsteuern, Anlieger-, Bewirtschaftungskosten).

– Das Einfamilienhaus. Wird es selbst bewohnt (Idealfall), sollte man auf eine überzogene individuelle Ausstattung verzichten, sie könnte einen Verkauf erschweren. Vor Luxusobjekten sei dringend abzuraten. Vor einem Hauskauf sollte ein Sachverständiger den technischen Hauszustand einschließlich Wärmeisolierung überprüfen. Die (dauernde) Vermietung eines Einfamilienhauses erweist sich meist als nicht lukrativ.

Bei Vermietungen ist das Vermieterrisiko unter Berücksichtigung einer mieterfreundlichen Rechtsprechung zu beachten. Vom künftigen Mieter ist zwingend eine unterschriebene Selbstauskunft namentlich über Einkünfte und Arbeitgeber (seit wann?) zu verlangen, der (wahre) Umzugswunsch zu ermitteln und – da das Haus ja pfleglich behandelt werden soll – man kann darüber hinaus den künftigen Mieter in dessen derzeitiger Wohnung unangemeldet besuchen, um dessen „Wohnkultur“ kennenzulernen. Auch sollte man sich über die Laufzeit des bisherigen Mietverhältnisses informieren. Die zu vereinbarende Miete am oberen Preispegel zu orientieren, rechnet sich in der Regel nicht, sucht sich der Mieter doch dann ein preiswerteres Objekt, und Kurzzeitmieter achten bekanntlich weniger auf das Mietobjekt, so dass spätere Instandsetzungsarbeiten den einstigen Vorteil mehr als aufheben. Übrigens gilt: Kauf bricht nicht Miete.

– Die Eigentumswohnung. Hier ist zwischen Neubauten und „Altbauten“ zu unterscheiden. In beiden Fällen gelten die bereits oben angesprochen Kriterien sinngemäß. Eigentumswohnungen in Hochhäusern verlieren zusehends an Beliebtheit, so dass in diesen Fällen Vorsicht am Platz ist. Ideal ist ein Objekt mit bis zu 20 Wohneinheiten.

Eine gebrauchte Eigentumswohnung sollte möglichst nicht älter als fünf, bei sehr gutem Zustand maximal zehn Jahre alt ein. Ein Einblick in die Eigentümerversammlungsprotokolle der letzten fünf bis zehn Jahre lässt erkennen, „wo der Schuh drückt“, und ob man diese Druckstelle(n) gegebenenfalls in Kauf nehmen will (Einsicht bei Hausverwaltung).

Vor einem Erwerb einer bereits mehr als 20 Jahre alten Eigentumswohnung sei gewarnt. Das gilt insbesondere für Objekte, die erst neu in Teileigentum umgewandelt wurden. In diesen Fällen sind zwar vor dem Verkauf noch die Maler angerückt, um das Objekt aufzupolieren, verborgene Mängel und vor allem teurer Reparaturstau (meist der Verkaufsgrund) aber bleiben dem Käufer überlassen. Zudem existiert in der Regel noch keine Instandhaltungsrücklage, die solche Kosten stemmen könnte.

– Fremdfinanzierung. Für einen Immobilienkauf sollten mindestens 20 Prozent echtes Eigenkapital aufgebracht werden; je höher der Eigenkapitaleinsatz, desto günstiger die Finanzierungskonditionen. Mit wachsender Geldentwertung dürften auch die Zinsen trotz aller gegenteiligen Bemühungen der EZB steigen, so dass sich in der derzeitigen Niedrigzinsphase eine möglichst lange Zinsbindungszeit (trotz der dann etwas höheren Zinsen) für das aufzunehmende Darlehen lohnen dürfte. Darlehen mit variabler Verzinsung sollten tabu sein. Einige Institute bieten sogar 20 Jahre Zinsfestschreibung. Dringend zu empfehlen ist ein Verbot im Darlehensvertrag, die Darlehensforderung an Dritte zu verkaufen, um sich vor womöglich sogar massiven Schäden zu schützen. Eine Verschuldung „aus steuerlichen Gründen“ aber wäre unsinnig. Sinkt der Geldwert, bleibt zwar der jeweils offene Darlehensbetrag nominell unverändert, doch nimmt er real analog ab.

Der Vermögensmix

Keine Anlage ohne Risiko – teilt man sein Vermögen behutsam auf, kann man zwar nicht das „große Los“ gewinnen, aber etwaige Verluste bleiben überschaubar. Daher bietet eine breite Streuung die beste Lösung. Das gilt nicht nur innerhalb einer Anlagegruppe, sondern auch für die Aufteilung der verschiedenen Anlagearten. Eine sinnvolle Mischung lautet wohl: maximal drei bis fünf Prozent in Gold, etwa 60 bis 65 Prozent in Immobilien und der Rest in Aktien.

Nun aber heißt es, sich behutsam und ohne jede Hektik eine Bestandsaufnahme zu machen und anschließend die je individuelle Anlagestrategie umzusetzen. Schließlich empfiehlt sich, alljährlich einmal das realisierte Konzept zu überprüfen, ohne sich jedoch von Tagesschwankungen – etwa bei Aktienkursen – irritieren zu lassen.

Michael Bandering

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