ArchivDeutsches Ärzteblatt40/1997OECD: Kritik am Gesundheitswesen

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OECD: Kritik am Gesundheitswesen

Rieser, Sabine

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LNSLNS "Auch wenn das deutsche Gesundheitssystem derzeit einen Reformprozeß durchläuft, so haben die bisher ergriffenen Maßnahmen die Situation doch im Kern nicht wesentlich verändert." Dieses Urteil hat nach den Worten von Dr. Dieter Menke vor kurzem die Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) gefällt. Menge ist Leiter des OECD Bonn Centre. Im jüngsten Deutschlandbericht nimmt das Kapitel "Gesundheitswesen" fast ein Drittel ein. Einzelne Aussagen:
c Die Qualität der Gesundheitsleistungen ist hoch, der Zugang zu diesen universell. Da die "Gesundheitsergebnisse" dem OECD-Durchschnitt entsprechen, die Ausgaben aber relativ hoch sind, sind noch Effizienzverbesserungen möglich. Bemängelt werden eine fehlende Verzahnung, schwache, zuweilen verzerrte Anreizstrukturen sowie der begrenzte Informationsaustausch. Im Bericht wird aber gewürdigt, daß die Integration der neuen Länder erheblich zum Kostenanstieg beigetragen hat.
c Deutsche Ärzte verschreiben dem Bericht zufolge verhältnismäßig viele Medikamente; es gebe Anzeichen für signifikante Verschwendung. Nach Auffassung der OECD könnte auch die Legalisierung von Apothekenketten sowie die Lockerung der Einheitspreisregelung ein Mittel zur Kostensenkung sein. An der Schlüsselrolle des qualifizierten Apothekers solle aber festgehalten werden.
c Die Dauer der Kranken­haus­auf­enthalte in Deutschland ist außergewöhnlich lang, die Zahl der Einweisungen im europäischen Vergleich hoch. Sie liegt um rund 15 Prozent über dem Durchschnitt. Die OECD sieht jedoch Anzeichen für Effizienzsteigerungen.
Der Bericht enthält auch Empfehlungen für weitere Reformen. Sie zielen auf eine Beeinflussung des Verbraucherverhaltens, auf eine Verbesserung der anbieterseitigen Kosteneffizienz, auf ein System aktiver Einkäufer von Gesundheitsleistungen - und auf ein verläßliches, faires Finanzierungssystem. Rie
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