ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2010Erster deutscher Männergesundheitsbericht: Männer sind kränker als Frauen

BERUF

Erster deutscher Männergesundheitsbericht: Männer sind kränker als Frauen

Dtsch Arztebl 2010; 107(43): [95]

Seidel, Jennifer

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Ein Pilotprojekt der DKV Deutsche Kran­ken­ver­siche­rung AG zur Verbesserung der gesundheitlichen Vorsorge für Männer

Männer leiden in unserer Gesellschaft unter vielen Krankheiten deutlich häufiger und in deutlich jüngerem Lebensalter als Frauen. Dies ist das Ergebnis einer anonymisierten Untersuchung der DKV-Deutsche Kran­ken­ver­siche­rung AG, Köln.

Um einen statistischen Vergleich des geschlechterspezifischen Gesundheitszustands zu gewinnen, hat der größte private Krankenversicherer die Abrechnungsdaten seiner weiblichen und männlichen Vollversicherten interpretiert. Für ein repräsentatives Ergebnis wurden unterschiedliche Diagnosegruppen ausgewählt, mit deren Kran­ken­ver­siche­rungsdaten die tatsächliche Inanspruchnahme festgestellt werden konnte, da diese auf validierte Diagnosen zurückgreifen. Bestandteil dieser Diagnosegruppen waren ernährungsbedingte Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychische Erkrankungen, bösartige Neubildungen und muskuloskeletale Erkrankungen.

Anzeige

Im Vergleich der gesundheitlichen Lage männlicher und weiblicher Versicherter unterscheiden sich Männer und Frauen in nahezu allen Parametern. Männer haben im Vergleich zu den Frauen eine geringere Lebenserwartung, höhere Gesundheitsrisiken und im Lebenslauf früher auftretende schwere und tödlich verlaufende Erkrankungen.

Den DKV-Daten zufolge liegt das Risiko für Männer, an Fettleibigkeit (Adipositas) zu erkranken um 33 Prozent höher als für Frauen. „Besonders ab dem 45. Lebensjahr steigt die Fettleibigkeit unter Männern deutlich an“, erklärt Dr. Andreas Kottmeier, bei der DKV verantwortlich für das Strategische Gesundheits- und Versorgungsmanagement. Bei psychischen und Verhaltensstörungen durch Alkohol zeigen die Prävalenzraten einen starken Anstieg bei Männern ab dem 40. Lebensjahr (siehe Grafik). Bedenklich sind hier auch die hohen Erkrankungszahlen im Alter von 15 bis 24 Jahren. Das relative Risiko einer Erkrankung ist für Männer um 55 Prozent größer als für Frauen, der Jahresvergleich zeigt hierbei einen stetigen Anstieg der Erkrankungszahlen. Von Herzinfarkten sind die Männer ebenfalls deutlich häufiger betroffen. In den Altersgruppen unter 70 Jahren erleiden mehr als dreimal so viele Männer einen Herzinfarkt wie Frauen, erst im höheren Lebensalter nähern sich die Erkrankungsraten wieder an.

„Es spricht viel dafür, dass das höhere Erkrankungsrisiko der Männer nicht nur mit genetischen Unterschieden zu tun hat, sondern auch mit ihrem Gesundheitsverhalten“, sagte der DKV-Vorstandsvorsitzende, Günter Dibbern. Um diesem Risiko vorzubeugen, rät die DKV zu regelmäßigen und zeitnahen Arztbesuchen in Krankheitsfällen und der Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen. Die gewonnenen Daten des „Ersten Deutschen Männergesundheitsberichts“ repräsentierten Gesundheitstrends der privat Krankenversicherten, seien jedoch nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung, betont die DKV.

Der DKV-Report „Wie gesund lebt Deutschland?“, für den die DKV 2 500 Menschen bundesweit zu ihrem Gesundheitsverhalten befragte, hatte bereits im Sommer dieses Jahres gezeigt, dass Frauen deutlich gesünder leben als Männer. Männer essen mehr Fleisch und weniger Obst und Gemüse, sie empfinden mehr Stress in ihrem Leben, sind häufiger Raucher und trinken in relativ größerer Zahl Alkohol in schädlichen Mengen.

Jennifer Seidel

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema