ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2010Arztzahlstudie: Hausgemachter Mangel
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Bei dem immer häufiger zu hörenden Jammern über einen „Ärztemangel“ in Deutschland wird im DÄ auf alle möglichen Ursachen eingegangen, nicht aber auf eine der wichtigsten: Dass nämlich die Standesorganisationen selbst Ende der 90er Jahre in dem Bestreben, eine vermeintliche „Ärzteschwemme“ bekämpfen zu müssen, es dem Nachwuchs systematisch erschwert haben, die Facharztausbildung abzuschließen und in die Niederlassung zu gehen.

Ich selbst war auf dem Weg zum Neurologen und Psychiater, hatte sogar schon zwei Angebote in Gemeinschaftspraxen einzusteigen, als einem meiner Chefs im Nachhinein(!) ein Teil der Weiterbildungsermächtigung entzogen wurde und ich deshalb nicht zur geplanten Facharztprüfung zugelassen wurde. Die fehlende Zeit nachzuholen, erwies sich als schwierig, weil die Chefärzte der Kliniken in ganz NRW keinen Assistenzarzt einstellen mochten, der bereits in einer Praxis tätig gewesen und somit gewöhnt war, selbstständig zu arbeiten. Da Praxisassistenten in gesperrten Bezirken aber nur zeitlich befristet arbeiten durften, musste mich mein damaliger Chef – ob er wollte oder nicht – in die Arbeitslosigkeit entlassen. Als ich mich in dieser absurden und als Familienvater mit drei kleinen Kindern auch wirtschaftlich schwierigen Lage an die BÄK wandte, erhielt ich statt einer persönlichen Antwort ein Buch „Alternativen zum Arztberuf“ samt Rechnung.

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Obwohl ich speziell in der Praxis gerne als Nervenarzt gearbeitet habe, hatte ich dieses Tollhaus mit der absurden Medizinervariante des Hauptmanns von Köpenick so satt, dass ich der Empfehlung der BÄK gerne folgte und heute in der Unternehmenskommunikation arbeite. Wenn ich dann lese, dass jetzt Neurologen per Werbung gesucht werden, kann ich über die widersprüchliche und groteske Politik unserer Standesorganisationen nur noch den Kopf schütteln: Euer Mangel ist hausgemacht . . .

Dr. med. Franz Jürgen Schell, 55131 Mainz

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