ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2010Kindstod: Risiko-Stratifizierung per Ultraschall

AKTUELL: Akut

Kindstod: Risiko-Stratifizierung per Ultraschall

Dtsch Arztebl 2010; 107(43): A-2080 / B-1812 / C-1784

EB

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Mangelnder Blutfluss zum Gehirn kann bei Babys zum plötzlichen Kindstod führen. Dies ergaben Untersuchungen am Klinikum Bamberg an mehr als 18 000 Neugeborenen. Auslöser der Minderdurchblutung ist häufig ein stark zur Seite gedrehter Kopf, wenn das Baby auf dem Bauch liegt. Das sogenannte sudden infant death syndrome (SIDS) ist die häufigste Todesursache im ersten Lebensjahr jenseits der Neugeborenenphase. Jährlich sterben in Deutschland circa 400 Säuglinge an SIDS. Die genauen Ursachen sind bislang unbekannt. Prof. Dr. med. Karl-Heinz Deeg (Klinikum Bamberg) vermutet eine verminderte Blutversorgung im Hirnstamm als mögliche Ursache.

Der Hirnstamm ist Sitz des Atemzentrums, die Blutversorgung erfolgt über Äste der Arteria basilaris. Laut Deeg kann es bei einzelnen gefährdeten Kindern in dieser Arterie während der Kopfrotation zu Durchblutungsstörungen kommen. Seit 1998 untersuchte er in Bamberg mehr als 18 000 Neugeborene mittels Doppler-Sonographie.

Dabei werden mit einer über der Fontanelle des Babys aufgesetzten Ultraschallsonde Richtung und Geschwindigkeit der Blutbewegung in der Arteria basilaris gemessen. „Durch ein dopplersonographisches Screeningprogramm der Hirnbasisarterien können Risikokinder erkannt und die Inzidenz von SIDS gesenkt werden“, sagt Deeg während der Tagung „Ultraschall 2010“ in Mainz.

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Bei den meisten Neugeborenen fließt das Blut in der Arteria basilaris ungehindert – unabhängig von der Lage. Bei 1,5 Prozent der Babys jedoch fließt es – verursacht etwa durch seitliches Drehen des Kopfes in Bauchlage – sehr langsam. Mitunter stockt bei ihnen sogar der Blutstrom oder fließt rückwärts. „Dies würde erklären, warum über 80 Prozent aller verstorbenen Kinder auf dem Bauch liegend gefunden werden“, so Deeg. Die Bauchlage ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod. Prof. Deeg stellte bei insgesamt 213 Säuglingen eine Gefährdung fest.

„Risikokinder mit krankhaftem Blutfluss überwachen wir mit einem Herzatemmonitor“, erläuterte Deeg in Mainz. Keines dieser 213 gefährdeten Kinder starb am plötzlichen Kindstod. Der einzige Todesfall trat bei einem Kind auf, das laut Ultraschalluntersuchung nicht gefährdet war. In der Gesamtgruppe aller untersuchten Kinder war der plötzliche Kindstod trotz dieses Todesfalls deutlich seltener als in einer Kontrollgruppe von 3 519 Kindern, die nicht untersucht wurden. Dort kam es zu vier plötzlichen Todesfällen. EB

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