ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2010Kardiologie: Lesen ohne Langeweile

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Kardiologie: Lesen ohne Langeweile

Dtsch Arztebl 2010; 107(43): A-2116 / B-1838 / C-1810

Werdan, Karl

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698 Seiten für eine Krankheit? Lohnt sich das heute noch? Anscheinend doch, denn sonst läge diese fünfte Auflage innerhalb von 15 Jahren jetzt nicht zur Rezension vor. Und der Herausgeber – einer der international führenden Herzinsuffizienzspezialisten und engagierter Hochschullehrer noch dazu – hat mit seinen 17 Autoren gute Arbeit geleistet.

Nach dem ersten Kapitel über die Ursachen der akuten und chronischen Herzinsuffizienz folgt der ausführliche und spannende Komplex über die Pathophysiologie: In 13 Unterkapiteln wird das gesamte Spektrum dargestellt, vom kardiogenen Schock und der diastolischen Dysfunktion zum Anrep-Effekt, zur septischen Kardiomyopathie und zur neuerlich als Risikofaktor erkannten inadäquat hohen Herzfrequenz. Hier ist pathophysiologisches Verständnis tatsächlich Zugangserleichterung zu einer rationalen und evidenzbasierten Diagnostik und Therapie, wie der Herausgeber im Vorwort zu Recht hervorhebt. Die folgenden 375 Seiten widmen sich der Therapie der akuten und chronischen Herzinsuffizienz. Erstaunlich, in welchem Ausmaß Vielfalt und Differenziertheit der Behandlung in den letzten Jahren zugenommen haben: Nichtmedikamentöse Ansätze wie kardiale Assist-Systeme, Resynchronisationstherapie, Herztransplantation, Katheterablation und ICD sowie Gentransfer und Zellersatz werden ebenso anschaulich dargestellt wie die medikamentöse Standardtherapie und neue medikamentöse Ansätze wie Levosimendan, natriuretische Peptide und Modulatoren der löslichen Guanylatzyklase. Aber auch zu den phytopharmakologischen Therapieansätzen wie Weißdorn (Crataegus), Coenzym Q10 und Omega-3-Fettsäuren wird „emotionsarm“ Stellung genommen.

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Besonders lesenswert sind auch die Kapitel, in denen auf spezielle Situationen des Herzinsuffizienten hingewiesen wird, wie Herzinsuffizienz im Kindes- und Jugendalter, bei Diabetes, in der Schwangerschaft, bei Chemotherapie sowie bei sehr alten Patienten, und nicht zu vergessen die psychosomatischen Aspekte bei herzinsuffizienten Patienten. Die vollständige Darstellung der Europäischen Herzinsuffizienz-Leitlinien von 2008 rundet das Bild ab und ergänzt den Inhalt mit Angaben zur aktuellen US-amerikanischen Herzinsuffizienz-Klassifizierung sowie zu Managementprogrammen und palliativmedizinischen Maßnahmen. Ein übersichtlicher Zweispaltendruck, instruktive Tabellen und Schemazeichnungen und wenige Schwarz-Weiß-Abbildungen und vor allem der einheitliche Aufbau – die meisten Autoren stammen aus der Klinik oder der Schule des Herausgebers – ermöglichen ein informatives Lesen ohne Langeweile.

Das Besondere dieses Herzinsuffizienzbuches ist die enge Verknüpfung von Grundlagen und Praxisrelevanz. Jeder Arzt – ob Allgemeinmediziner, Internist oder Kardiologe oder in Ausbildung –, der bei der Behandlung seiner Herzinsuffizienzpatienten in jeder Lebenslage verstehen möchte, was er tut, wird von diesem Buch profitieren. Karl Werdan

Erland Erdmann (Hrsg.): Herzinsuffizienz. Ursachen, Pathophysiologie und Therapie. 5. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2010, 698 Seiten, gebunden, 86 Euro

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