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Wir möchten uns bei allen Kollegen für die wertvollen Anregungen und die lebhafte Diskussion bedanken. In den Leserbriefen der anästhesiologischen Kollegen äußert sich die Sorge über die notwendige Kompetenz von Nicht-Anästhesisten für die Durchführung von Analgosedierungen im Kindes- und Jugendalter. Im Gegensatz zu Anästhesisten ist eine ausreichende Qualifikation von Nicht-Anästhesisten nicht per se vorauszusetzen. Selbst bei Anästhesisten muss zwischen solchen mit Erfahrung in der Behandlung von Kindern und Unerfahrenen differenziert werden.

Wir danken Frau Soppart an dieser Stelle für die Gelegenheit auf diesen Punkt einzugehen. Der Begriff „Nicht-Anästhesisten“, eingeführt von der American Society of Anesthesiology (1), beschreibt alle Ärzte ohne Facharztqualifikation in der Anästhesie und ist naturgemäß unpräzise. Als solche sind aber auch zum Beispiel in der Intensivmedizin beziehungsweise in der Neonatologie erfahrene Pädiater zu bezeichnen, das heißt in den lebensrettenden und lebenserhaltenden Maßnahmen von Kindern kompetente Mediziner. Wir sagen in unserem Artikel: verfügt ein Arzt (unabhängig davon, ob er Anästhesist oder Nicht-Anästhesist ist) nicht über eine ausreichende Kompetenz und Erfahrung in der Durchführung von Analgosedierungen sowie im Notfallmanagement von Kindern, ist er nicht geeignete Analgosedierungen in dieser Altersgruppe durchzuführen. Die von uns und anderen angeführten Sicherheitsaspekte (14) gelten natürlich für alle Sedierenden ohne Ausnahme. Die ausreichende Qualifikation zu erlangen, bereitzustellen und nachzuweisen, stellt sicherlich vielfach ein Problem dar, das innerhalb der Kliniken gelöst werden muss (zum Beispiel durch Zusammenarbeit der Anästhesie mit den Kinderklinken). Die Weiter­bildungs­ordnung zum Facharzt für Kinder- u. Jugendmedizin enthält bereits die Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen sowie die intensivmedizinische Basisversorgung im Kindesalter. Im Anforderungskatalog zur Zusatzweiterbildung Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin sind zudem Kenntnisse in der erweiterten Reanimation, im Atemwegsmanagement sowie von Sedierungstechniken obligat verankert. Bei Einhaltung der international beziehungsweise national anerkannten Leitlinien sowie der beschriebenen Sicherheitsstandards, ausreichender fachlicher Qualifikation des Sedierenden und nach regelrechter Aufklärung und schriftlicher Einwilligung des Patienten beziehungsweise seines Vormundes, sind aus unserer Sicht die entsprechenden notwendigen Voraussetzungen gegeben. Juristische Fragen können von uns nicht beantwortet werden.

Dankbar sind wir auch den Kolleginnen und Kollegen Spiess, Schmidt, Nachtigall, Bührer, Krude, Henning und Ringe für die Frage nach der Notwendigkeit eines „Sedierungsteams“. Personalknappheit ist natürlich ein reales Problem, darf jedoch kein Argument sein, um an der Qualität zu sparen. Eine optimale Versorgung ist entweder durch die Nutzung bereits vorhandener Ressourcen (wie von Ihnen angesprochen) oder durch die Schaffung entsprechender Strukturen zu gewährleisten. Das Sedierungsteam kann zum Beispiel aus Anästhesisten und/oder intensivmedizinisch erfahrenen Pädiatern bestehen, die die Aufsicht und das Training unerfahrener beziehungsweise in Ausbildung befindlicher Kollegen übernehmen. Ebenso essenziell ist das Vorhandensein einer qualifizierten Pflegekraft. Der Vorteil eines Sedierungsteams wird auch in der Entschließung der DGAI/BDA erwähnt (4). Eines neuen Abschlusses bedarf es unserer Meinung nach nicht, wohl aber praktischer Ausbildung am Patienten als Nachweis für die vorhandene Qualifikation. Insofern ist unser Beitrag als Aufforderung zu verstehen, die vorhandenen Struktur- und Prozessqualitäten dahin gehend zu gestalten beziehungsweise zu verbessern, dass eine maximale Sicherheit für die Patienten gewährleistet ist (2).

Wir danken Herrn Strauss, Frau Becke, Herrn van Aken und Frau Philippi-Höhne für den Hinweis auf die kürzlich erschienen Empfehlungen der DGAI/BDA. Wir freuen uns über die große Übereinstimmung mit der Entschließung der DGAI/BDA, in der es unter anderem bezüglich der Anforderungen an den Sedierenden heißt: „Tiefe Sedierungen bei Kindern sollten nur von Anästhesisten oder in der Intensivmedizin erfahrenen Pädiatern durchgeführt werden“ (4). Wie in unserem Beitrag ausgeführt, muss während Analgosedierungen jederzeit mit Zwischenfällen gerechnet werden, unabhängig von der ASA-Klasse (2).

Abschließend möchten wir auch Frau und Herrn Sha für ihren konstruktiven Beitrag danken und schließen uns den Ausführungen an. Die Tabelle 2 und die eTabelle unseres Artikels erheben nicht den Anspruch der Vollständigkeit. Für eine ergänzende Betrachtung des Themas möchten wir gerne auf die von uns zitierten Publikationen sowie die aktuelle Entschließung der DGAI/BDA verweisen (14).

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0786

Dr. med. Christoph Neuhäuser, DEAA, EDIC

Soins intensifs pédiatriques,

Clinique pédiatrique

Centre Hospitalier de Luxembourg

4 rue Barblé

1210 Luxembourg

E-Mail: neuhaeuser.christoph@chl.lu

Interessenkonflikt

Die Autoren aller Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
American Society of Anesthesiologists: Practice guidelines for sedation and analgesia by non anesthesiologists. Anesthesiology 2002; 96: 1001–17. MEDLINE
2.
Neuhäuser C, Wagner B, Heckmann M, Wiegand MA, Zimmer KP: Analgesia and sedation for painful interventions in children and adolescents. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(14): 241–7. VOLLTEXT
3.
Coté CJ, Wilson S, the Work Group on Sedation: Guidelines for monitoring and management of pediatric patients during and after sedation for diagnostic and therapeutic procedures: An Update. Pediatrics 2006; 118; 2587–602. MEDLINE
4.
Philippi-Höhne C, Becke K, Wulff B, Schmitz B, Strauß J, Reinhald P: Entschließung zur Analgosedierung für diagnostische und therapeutische Verfahren im Kindesalter. Anästh Intensivmed 2010; 51: 603–14.
1.American Society of Anesthesiologists: Practice guidelines for sedation and analgesia by non anesthesiologists. Anesthesiology 2002; 96: 1001–17. MEDLINE
2.Neuhäuser C, Wagner B, Heckmann M, Wiegand MA, Zimmer KP: Analgesia and sedation for painful interventions in children and adolescents. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(14): 241–7. VOLLTEXT
3.Coté CJ, Wilson S, the Work Group on Sedation: Guidelines for monitoring and management of pediatric patients during and after sedation for diagnostic and therapeutic procedures: An Update. Pediatrics 2006; 118; 2587–602. MEDLINE
4.Philippi-Höhne C, Becke K, Wulff B, Schmitz B, Strauß J, Reinhald P: Entschließung zur Analgosedierung für diagnostische und therapeutische Verfahren im Kindesalter. Anästh Intensivmed 2010; 51: 603–14.

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