ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2010Medica 2010 – Gefragt: Effiziente IT-Lösungen

TECHNIK

Medica 2010 – Gefragt: Effiziente IT-Lösungen

Dtsch Arztebl 2010; 107(44): A-2186 / B-1894

Krüger-Brand, Heike E.

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Online-Abrechnung, neue Codierrichtlinien, sektorenübergreifende Kommunikation, Telemedizin – nichts geht mehr ohne intelligente IT-Unterstützung. Die Medizinmesse ermöglicht einen Überblick über telematische Innovationen und Lösungen.

Die Medizintechnikbranche hat die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise vergleichsweise gut überstanden. Davon profitiert auch die Fachmesse Medica 2010 in Düsseldorf mit ihren thematischen Schwerpunkten unter anderem aus den Bereichen Elektromedizin/Medizintechnik, Labor, Diagnostika, Orthopädietechnik und Medizinprodukte. Die optimistische Stimmung spiegele sich in einer deutlich gestiegenen Ausstellerbeteiligung gegenüber dem Vorjahr wider, berichtete der Medica-Pressesprecher, Martin-Ulf Koch, bei einer Vorveranstaltung in Hamburg. Mehr als 4 000 Aussteller werden in Düsseldorf auf circa 115 000 Quadratmetern gebuchter Fläche vertreten sein (Kasten Basisinfo). Experten führen diese Entwicklung unter anderem auf Anreize durch staatliche Investitionsprogramme zurück. So haben die Krankenhäuser in Deutschland nicht zuletzt aufgrund des Konjunkturpakets II sowie durch Finanzmittel der Bundesregierung zur Krankenhausförderung mehr als drei Milliarden Euro zusätzlich in Modernisierungen gesteckt.

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„Mit circa 400 Ausstellern haben sich auch die Bereiche IT und Telemedizin gut entwickelt“, erklärte Koch. Ein wichtiges Thema sei beispielsweise die digitale Speicherung von medizinischen Daten, etwa aus der Bildgebung, die eine reibungslose Integration von Hard- und Software mit vorhandenen IT-Infrastrukturen erfordere. Gefragt seien dabei in Deutschland weniger komplette Krankenhausinformationssysteme als vielmehr die Erweiterung bestehender Systeme um Anwendungen für bestimmte Fachabteilungen.

Bedarf an effizienten IT-Lösungen haben zudem die mehr als 1 000 Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), und auch für die Vernetzung von ambulanten Einrichtungen mit dem stationären Sektor, die vor allem MVZ in Trägerschaft von Kliniken vorantreiben, sind Lösungen ohne Kommunikations- und Informationsbrüche gefragt.

Codierrichtlinien in der Praxissoftware

Im ambulanten Sektor sollen darüber hinaus ab 2011 neue Codierrichtlinien eingeführt werden. Ein reibungsloser Ablauf in den Praxen wird nicht zuletzt davon abhängen, wie anwenderfreundlich die Codierrichtlinien in der Praxissoftware abgebildet sind. Ein weiteres Thema ist das Management der Selektivverträge, das ohne geeignete IT-Unterstützung kaum möglich ist. Bei den auf der Messe vertretenen Praxissoftwareanbietern, darunter Albis, Medistar und Turbomed als zum Compugroup-Konzern gehörende Unternehmen, sowie Duria, Epikur und Frey-ADV, kann man sich über entsprechende Lösungen informieren.

Fotos: Messe Düsseldorf
Fotos: Messe Düsseldorf

2011 – das Jahr der Online-Anbindung

Nach dem kürzlich vorgestellten E-Health-Report der Bundes­ärzte­kammer, einer repräsentativen Umfrage unter 600 niedergelassenen und Krankenhausärzten, geht die große Mehrheit der Ärzte davon aus, dass sowohl die Telematik als auch die Telemedizin im Gesundheitswesen generell an Bedeutung gewinnen werden. Jeweils rund die Hälfte der Ärzte rechnet sogar mit einem starken Bedeutungszuwachs.

Damit dürften sie richtigliegen, denn ab dem ersten Quartal 2011 wird beispielsweise für die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten die Online-Abrechnung verbindlich. Voraussetzung dafür ist die sichere Online-Anbindung der Praxis an das Rechenzentrum der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung (KV).

Darüber hinaus stehen im Zusammenhang mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) weitere Änderungen bevor: Nach dem in Kraft getretenen GKV-Änderungsgesetz müssen die Krankenkassen Online-Dienste anbieten, mit denen die Leistungserbringer die Gültigkeit der Versichertenstammdaten überprüfen und auf der eGK aktualisieren können. Für die Einführung dieses onlinegestützten Versichertenstammdatenmanagements hat der GKV-Spitzenverband die Projektleitung übernommen. Hier sind 2011 erste Schritte zur praktischen Umsetzung im Rahmen einer Fortführung des eGK-Basisrollouts zu erwarten. Informationen aus erster Hand zum Stand der geplanten Tele­ma­tik­infra­struk­tur liefert die Betriebsgesellschaft Gematik (Halle 15/B17). Nach dem Neustart des Projekts sollen neben dem Versichertenstammdatendienst zusätzlich drei weitere Telematikanwendungen auf den Weg gebracht werden: die adressierte Kommunikation der Leistungserbringer unter Leitung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Not­fall­daten­satz, den die Bundsärztekammer verantwortet, und die elektronische Fallakte (eFA) unter Federführung der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

Lösungen für die Fallakte und den Arztbrief

Erste Ansätze sind auf der Messe bereits zu besichtigen. Ein Modell der eFA präsentiert mit „jesaja.net eFA“ beispielsweise die Ispro GmbH (Halle 15/B25). Wer sich für den elektronischen Arztbrief interessiert, kann sich am Stand von Duria (Halle 15/G4) über ein Projekt im Raum Düren informieren, an dem 200 Ärzte und drei Krankenhäuser teilnehmen. Dort soll der Arztbrief als ein Baustein für die einrichtungsübergreifende elektronische Patientenakte erprobt werden. Dabei verwenden die Ärzte erstmals den elektronischen Heilberufsausweis zum Signieren der Briefe, bevor diese übermittelt und in die Patientenakte eingestellt werden. Die Teilnehmer werden über das Hochsicherheitsnetz der KVen „KV-SafeNet“ und auf Basis der D2D(Doctor-to-doctor)-Kommunikationsplattform miteinander vernetzt. Weitere Projektpartner sind unter anderem die KV Nordrhein, Tieto (Halle 15/G20) und DGN-Service.

Telemedizin – vor dem Schritt in die Regelversorgung

Telemedizinische Anwendungen als Werkzeuge der medizinischen Versorgung vor allem in ländlichen Regionen geraten zunehmend auch in den Fokus der Politik: So will das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium die Telemedizin zu einem Thema des nationalen IT-Gipfels im Dezember 2010 machen. Bei der Medica ist die Telemedizin schon seit Jahren ein Ausstellungsthema – über Trends informiert beispielsweise die Sonderschau Medica Media mit einem breiten Vortrags- und Diskussionsprogramm in Halle 15. Dabei geht es unter anderem um ausgewählte Telemedizinprojekte im Rahmen von Selektivverträgen. Berichte über den Einsatz von Telemedizin in China und Indien greifen auch internationale Entwicklungen auf.

Hierzulande gibt es vor allem in Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, und Nordrhein-Westfalen Bemühungen, telemedizinische Anwendungen weiter voranzutreiben. So wurde mit Fördergeldern der Europäischen Union um die Universität Greifswald herum eines der größten Telemedizinnetze aufgebaut, an das 15 kleinere Krankenhäuser angebunden sind. Über das Netzwerk „Pomerania“ werden Patientendaten und Bilder, darunter Röntgenbilder, digitalisierte Gewebeschnitte und CT-Aufnahmen, verschickt und befundet. Dabei macht das Mammographiescreening mit mehr als 100 000 Untersuchungen jährlich den größten Anteil aus, da es in Mecklenburg-Vorpommern vollständig digital durchgeführt wird.

In der T-City Friedrichshafen, einem Projekt der Deutschen Telekom, erproben Ärzte das Diabetes-Managementsystem „GlucoTel“. Die Lösung überträgt Zuckerwerte vom Messgerät der Patienten per Bluetooth an dessen Handy und von dort automatisch in ein Online-Tagebuch. Das Portal verfügt über die im Online-Banking üblichen Sicherheitsstandards, so dass nur der Patient selbst und von ihm autorisierte Personen die Werte einsehen können. Ebenfalls im Einsatz ist dort ein mobiles Notrufgerät, mit dem der Nutzer per Knopfdruck einen Notruf absetzen kann. Bei einem Sturz stellt das System automatisch eine Sprachverbindung zur Notrufzentrale her. Zusätzlich lassen sich Funktionen wie eine Medikamenten-Erinnerung aktivieren. Das Gerät umfasst ein dreistufiges Ortungsverfahren, mit dem sich Personen auch dann auffinden lassen, wenn Ortungsmethoden wie GPS versagen (Halle 15/A49).

Die Abrechnung telemedizinischer Leistungen ist derzeit immer noch problematisch, weil eigene Gebührenziffern hierfür fehlen. Die größte Chance auf eine baldige Aufnahme in die Regelversorgung, beispielsweise in Form eines Disease-Management-Programms, geben Experten der telemedizinischen Betreuung von Herzinsuffizienzpatienten. Mitte November sollen die Ergebnisse der größten deutschen Telemedizinstudie „Partnership for the Heart“ (www.partnership-for-the-heart.de) veröffentlicht werden. Von dieser Studie erhofft man sich unter anderem Aufschluss darüber, welche Herzinsuffizienzpatienten von einer telemedizinischen Betreuung besonders profitieren und wie das Kosten-Nutzen-Verhältnis aussieht. Bei der Medica sind Aipermon (Halle 15/C39), Robert Bosch Healthcare (Halle 10/B19) und ICW (Halle 15/G34) als Industriepartner des Projekts mit Telemedizinprodukten und -lösungen vertreten. Darüber hinaus gibt es eine Veranstaltung zum Thema Telemedizin bei Herzinsuffizienz, die der Studienleiter Dr. med. Friedrich Köhler von der Klinik für Kardiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin leiten wird (Donnerstag, 18. November 2010).

Heike E. Krüger-Brand

@Medica im DÄ-Online:

Bildgebende Verfahren:
Hybridverfahren wie die Endosonographie oder PET-MRT-Scanner liegen im Trend.

Mobile Gesundheitsdienste:
Apps machen auch vor Medizin
und Gesundheit nicht halt.

Prothesen: Multitalente mit Fingerspitzengefühl

www.aerzteblatt.de/medica2010

Medica-Basisinfo

Zeit: 17. bis 20. November 2010

Ort: Düsseldorf, Messe

Eintritt: Eintrittskarten sind online preiswerter als an der Tageskasse. Sie gelten auch für die meisten Veranstaltungen des Kongresses.

Öffnungszeiten: 10 bis 18.30 Uhr,
Samstag 10 bis 17 Uhr

Internetportal: www.medica.de

Sonderschauen

  • Medica Media (www.medicamedia.de): Forum für neue Entwicklungen aus
    E-Health, Telemedizin und medizinischer IT (Halle 15/A13). Zentrale Themen: Finanzierung von Telematikanwendungen, elektronische Patientenakten, Telemonitoring bei chronischer Herzinsuffizienz
  • Medica Vision: Medizinische und medizintechnische Forschung (Halle 3/H92). Themen: bildgebende Verfahren, Mikrosysteme in der Medizin, schonendes Operieren
  • Medica Tech Forum: Expertenforum im Rahmen des Kongressprogramms mit täglich wechselnden inhaltlichen Schwerpunkten (Halle 11/E70). Vormittags Vorträge in englischer Sprache zu einem bestimmten medizinischen Thema, nachmittags geht es um die praktische Umsetzung dieses Themas.

Veranstaltungen im Medica-Umfeld

CURAC-Jahrestagung

Am 18. und 19. November 2010 findet die 9. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Computer- und Roboterassistierte Chirurgie e.V. (CURAC) erstmals im Rahmen des Medica-Kongresses statt. Themen sind unter anderem die Chirurgiesimulation, computerunterstützte interventionelle Radiologie, ergonomische Optimierung im Operationssaal, multimodale Operationsplanung und intraoperative Messverfahren. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Verwertungspotenzial durch Industriekooperationen. Messe Düsseldorf, CCD Süd, 1. OG, Räume 6 und 7a/b

Internet: www.curac.org

AiF-Anwenderforum

Am 18. November 2010 veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) das „AiF-Anwenderforum Medizintechnik Implantate – Wundauflagen“, mit Vorträgen aus Industrie, Wissenschaft und Medizin zu medizintechnischen Produkten. Vorgestellt werden zum Beispiel dreidimensionale Implantate aus biologisch abbaubaren Polymeren für die regenerative Medizin sowie Wundauflagen mit integriertem Sensor oder mit einer Drug-Delivery-Funktion zur kontrollierten Freisetzung von Medikamenten. Außerdem präsentieren Experten biofunktionale Nanofasern für die Wundversorgung und Nervenregeneration sowie neue Biomaterialien zum Verschluss chronisch nichtheilender Wunden. Messe Düsseldorf, CCD. Süd, 1. OG, Raum 19

Internet: www.aif.de

Compamed

Parallel zur Medica präsentieren in den Hallen 8a und 8b mehr als 500 Aussteller der Compamed (17. bis 19. November 2010) neuartige Lösungen und Services des Zuliefermarkts für die medizinische Fertigung, wie Mikrosystemtechnik, Nanotechnologien, neue Materialien oder auch Verpackungen.

Internet: (www.compamed.de)

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