ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2010Rainer Hess: Geradlinig und engagiert im Einsatz für die Selbstverwaltung

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Rainer Hess: Geradlinig und engagiert im Einsatz für die Selbstverwaltung

Dtsch Arztebl 2010; 107(44): A-2181 / B-1891 / C-1863

Köhler, Andreas

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Rainer Hess. Foto: G-BA
Rainer Hess. Foto: G-BA

Die vielleicht größte Anerkennung für seine jahrzehntelange engagierte Arbeit – seit 1971 als 2. Justiziar, nach einem Jahr bereits als Justiziar und schließlich seit 1988 als Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) – erhielt Dr. jur. Rainer Hess im Jahr 2003, als er von allen Trägern des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) zu dessen Unparteiischen Vorsitzenden bestimmt wurde. Das war schon etwas Besonderes: Einer, der fast 35 Jahre lang mit großem Erfolg die Ärzteschaft vertreten hatte, wurde einstimmig, auch von den Krankenkassen, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, in eines der einflussreichsten Ämter im deutschen Gesundheitswesen berufen. Jeder hat ihm – wie sich in der Folge zeigte – zu Recht zugetraut, dass er unparteiisch agieren würde, dass er die Interessen der Versicherten, der Patienten und der Trägerorganisationen sachlich begründet wahren würde, ohne eine Gruppe zu bevorzugen oder zu benachteiligen. Heute, fast sieben Jahre später, erfüllt Rainer Hess die damit verbundenen Aufgaben immer noch mit demselben Engagement und derselben Geradlinigkeit, die ihn damals in dieses Amt gebracht haben. Er ist im wahren Wortsinn die „graue Eminenz“ der gemeinsamen Selbstverwaltung. So handelt er auch: Unermüdlich kämpft er für die Kompetenzen der Selbstverwaltung und für einen starken G-BA. Und das nicht immer nur zur Freude der KBV!

Abgesehen von der hohen Qualität seiner Arbeit, von der Souveränität, mit der er die vielfältigen Schwierigkeiten eines Gremiums bewältigt, das alleine schon aufgrund seiner Zusammensetzung mit oft gegenläufigen Interessen schwer zu handhaben ist: Wer ist der Mensch Rainer Hess? Ich lernte ihn kennen, als ich damals als Referent in das Honorardezernat der KBV kam. Da war er bereits Hauptgeschäftsführer und damit – unter dem damals noch ehrenamtlichen Vorstand – der maßgebliche Verantwortliche für die Dienststelle. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KBV nannten ihn liebevoll „Papa Hess“ und beschrieben damit seine umgängliche, fürsorgliche Art. Die Rolle des „Pater familias“ ist ihm auf den Leib geschrieben, und zwar sowohl in seiner eigenen Familie als auch als Vorgesetzter.

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Für Rainer Hess scheinen Stress, ein hohes Arbeitspensum und ständiger Zeitdruck unverzichtbare Motivatoren zu sein. Geradezu legendär ist seine Angewohnheit, immer auf den letzten Drücker zum Flugzeug zu eilen. Das war oft nervenaufreibend für seine Mitstreiter, vor allem in den Zeiten, als die Partner der gemeinsamen Selbstverwaltung und der G-BA noch an unterschiedlichen Dienstorten (Köln, Siegburg, Bonn und Berlin) ihren Sitz hatten. Bis zur letzten Minute intensiv an einer Sitzung teilzunehmen, war ihm immer wichtiger als eine entspannte Fahrt zum Flughafen. Einmal wurde es so knapp, dass er, der Vorstand der KBV und ich nur noch mit der Hilfe eines Bereitschaftsdienstwagens der KV Berlin und unter Nutzung aller Tricks und Raffinessen des erfahrenen Fahrers Minuten vor dem Abflug ankamen. Danach hatte er seine Ruhe: Keiner wollte mehr mit ihm zum Flughafen fahren!

Das deutsche Gesundheitswesen, vor allem die ambulante vertragsärztliche Versorgung und die gemeinsame Selbstverwaltung, stünde ohne Rainer Hess nicht da, wo es heute steht. Es hat ihm viel zu verdanken. Wir gratulieren ihm sehr herzlich zu seinem 70. Geburtstag! Dr. med. Andreas Köhler

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