ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2010Anästhesiologie: Klare und übersichtliche Darstellung

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Anästhesiologie: Klare und übersichtliche Darstellung

Dtsch Arztebl 2010; 107(44): A-2178 / B-1888 / C-1862

Zenz, Michael

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Beim Blick auf das Inhaltsverzeichnis wird klar, dass nahezu ausschließlich die Pharmakologie der perioperativen Phase in der Anästhesiologie besprochen wird. Einzige Ausnahme stellen hier die Antiinfektiosa dar, die einerseits perioperativ verabreicht werden, aber natürlich auch in der Intensivmedizin eine große Rolle spielen. Sehr übersichtlich und straff gegliedert erscheint das Kapitel über die Grundlagen der Pharmakologie. Vielleicht ist es etwas überraschend, dass das Kapitel Pharmakokinetik einen bedeutend größeren Rahmen einnimmt als das Kapitel Pharmakodynamik. Der allgemeine Teil schließt mit „Leitsätzen zur intravenösen Injektion und Infusion“. Hier wird der Leser etwas enttäuscht, denn er findet an dieser Stelle eigentlich nur ein paar Grundsätze zum Zuspritzen und zum Mischen verschiedener Lösungen. Welche Konzentrationen nicht periphervenös injiziert werden sollten, welche Pharmaka intravenös, subkutan, zentralvenös oder gegebenenfalls intraossär verabreicht werden können, findet man hier nicht.

Das zweite und größere Kapitel des Buches beschäftigt sich mit drei Medikamentengruppen, den Anästhetika, Hypnotika und Sedativa, den Analgetika und den Muskelrelaxantien. Damit sind zunächst die drei Hauptbestandteile einer generellen Anästhesie abgedeckt – Schlafinduktion, Analgesie, Muskelentspannung. Etwas fremd kommt einem daher der Bestandteil der Regionalanästhesie, die Lokalanästhetika, im Kapitel Anästhetika, Hypnotika und Sedativa vor. Man hätte sich für die Lokalanästhetika ein eigenes Kapitel gewünscht, um einer logischen Systematik zu folgen.

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Die einzelnen Kapitel sind sehr umfassend aufgebaut. So findet man im vierten Kapitel über die Analgetika einen umfangreichen Grundlagenteil. Hier wünscht man sich, dass die Autoren in einer dritten Auflage berücksichtigen würden, dass Schmerz überhaupt erst im Gehirn als Folge eines Schmerzreizes, einer elektrischen Leitung oder chemischen Übertragung entsteht. Bei den Opioiden für Tumorschmerzen vermisst man eine ganze Reihe von Substanzen, wie Oxycodon, Hydromorphon, Tilidin oder Tramadol.

Das sechste Kapitel widmet sich der perioperativen Pharmakotherapie. Es gibt einen Hinweis auf die Fülle von Medikamenten, die während einer Operation und einer Narkose eine entscheidende Rolle spielen können. Auch diese Kapitel sind klar und übersichtlich aufgebaut, enthalten instruktive Tabellen und Grafiken, die sich in blauer Farbe vom Text absetzen. Das Sachverzeichnis erscheint überarbeitungsbedürftig, findet man doch hier wichtige Stichworte der Anästhesiologie wie Myasthenie, Schwangerschaft, Abhängigkeit nicht. Ebenso hätte man sich in dem gesamten Buch ein Kapitel über Pharmakotherapie bei Kindern gewünscht.

Bei aller Kritik bleibt aber bestehen: Die Autoren haben sich einer ungeheuer fleißigen und sehr verdienstvollen Aufgabe unterzogen, indem sie in diesem Buch die gesamten Grundlagen der anästhesiologischen Pharmakotherapie übersichtlich zusammengestellt haben. Es ist das einzige Buch dieser Art und sollte sich daher in jeder Bibliothek eines Anästhesisten befinden. Die Autoren haben ein riesiges Wissen zusammengestellt, das in der praktischen klinischen Tätigkeit eine große Rolle spielt. Auch die Aufmachung des Buches ist hervorragend gelungen. Michael Zenz

Holger Thiel, Norbert Roewer: Anästhesiologische Pharmakotherapie. Von den Grundlagen der Pharmakologie zur Medikamentenpraxis. 2. Auflage, Thieme, Stuttgart, New York 2009, 452 Seiten, gebunden, 89,95 Euro

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