ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2010Tierversuche: Ethisch verwerflich
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Tierversuche sind peinliche mittelalterliche Relikte nicht validierter, also unwissenschaftlicher Testverfahren. Wenn Tiere zu Messinstrumenten degradiert werden, ist das ethisch verwerflich. Wie unglaublich für unsere Gesellschaft, dass wir immer noch an den LD50-Toxizitätsprüfungen festhalten. Da schauen wir einfach mal, wie viel Substanz es braucht, um 50 Prozent einer Tierpopulation zu Tode zu spritzen. Ist das wissenschaftlich? Wer hat das festgelegt, wer hat das je hinterfragt, warum 50 Prozent der Tiere dann gestorben sind und die anderen nicht. Was ist das für ein Beurteilungskriterium?

Zum Beispiel das überwiegend als Kosmetikum verwendete Botulinustoxin wird Charge für Charge einer LD50-Prüfung unterzogen. Die Testtiere erleiden Muskellähmungen, Sehstörungen, schreckliche Atemnot über drei bis vier Tage, dann ersticken sie bei vollem Bewusstsein. Tier für Tier für Tier. Wenn irgendein Wesen leidet, kann es keine moralische Rechtfertigung dafür geben, dass man ihm das vorsätzlich antut.

Anzeige

100 Millionen Tiere werden jährlich weltweit zu Tierversuchen missbraucht. Ein riesiger Kadaverberg Jahr für Jahr. Unendliches Leid! Aber der Versuchstierhandel ist eine riesige, lukrative Industrie: Manipulierte und voroperierte Tiere, zum Beispiel nach Entfernen der Augäpfel, Käfige, Primatenstühle.

Auch die sogenannte (zweckfreie) Grundlagenforschung ist eine endlose Kette von Gräueltaten an Tieren, oft genug durchgeführt durch profilierungssüchtige grausame und erbarmungslose „Wissenschaftler“. Nach dem Tierversuch kommt nebenbei immer der Versuch am Menschen. Aber es gibt Hoffnung: An der Uni Hamburg kämpften Tierschützer erfolgreich gegen das Ertränken von 20 Ratten zu Testzwecken. Ein winziger Hoffnungsschimmer dafür, dass es machbar ist, in einer Gesellschaft mit ethischen Grundsätzen den Tierversuch sofort abzuschaffen und zu verhindern. Wir haben längst Alternativmöglichkeiten geschaffen . . .

Dr. med. Christina Gerlach-Schweitzer,
53127 Bonn

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige