ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2010Privatkliniken: Ambulant vor stationär
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Vielen Dank für den sicher wichtigen Artikel und die ganz besonders wichtige und richtige Überschrift. Die Argumente und Diskussionen der Vertreter der GKV, hier insbesondere von Frau Doris Pfeiffer vom GKV-Spitzenverband, sind pharisäerhaft und scheinheilig. Wir brauchen keine neuen Gesetze, um das von Herrn Minister Rösler gewünschte Einsparpotenzial von vier Milliarden Euro zu erreichen. Die bestehenden Vorgaben im SGB V, wie das Prinzip „ambulant vor stationär“, würden ausreichen, Milliardenbeträge einzusparen. Hier drei Beispiele, mit denen die Kassen die Ausgaben um zwei Milliarden senken könnten:

1. Der Bundesverband niedergelassener Chirurgen (BNC) hat vor wenigen Jahren in einem Gutachten ein müheloses Einsparpotenzial von 1,4 Milliarden Euro pro Jahr in Deutschland dargelegt. Dafür müssten die fünfzehn häufigsten vollstationären Operationen (OPs), wie Leistenbruch und Meniskus-OP, (nur) zu einem Drittel in den OP-Zentren niedergelassener Chirurgen durchgeführt werden. Eigentlich könnte ein noch größerer Teil ambulant durchgeführt werden. Die Qualität ist sogar besser als in den Krankenhäusern (Studie der Techniker-Krankenkasse in Baden-Württemberg 2007).

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2. Anhand der Zahlen einer sehr großen Krankenkasse in Baden-Württemberg zur stationären Behandlung von Hörstürzen – die nach den Vorgaben des Gesetzgebers und des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) nicht mehr stationär durchgeführt werden dürfen – ergibt sich für Baden-Württemberg ein Einsparvolumen von 26,5 Millionen Euro im Jahr (nur für diese eine Erkrankung Hörsturz!); für ganz Deutschland liegt dieser Betrag hochgerechnet bei 210 Millionen Euro.

3. Hinzu kommt, dass vielerorts, wo sich die niedergelassenen HNO-Ärzte an die Vorgaben halten, die Mitarbeiter von Krankenkassen solche Patienten oftmals zur tagesklinischen Infusionsbehandlung in das regionale Krankenhaus schicken – zum Tagespreis von 500 Euro (ein niedergelassener HNO-Arzt würde für die Infusion als Selbstzahlerleistung, gemäß der Empfehlung des Deutschen Berufsverbands der HNO-Ärzte, inklusive der Medikamente ca. 75 Euro berechnen). Diese kleine Auswahl zeigt, dass Einsparungen sehr wohl möglich wären. Warum die (kranken) Kassen diese Chancen und Möglichkeiten nicht ergreifen, ist mir seit langem ein Rätsel . . .

Noch immer kaufen die Kassen überteuerte Produkte (Operationen zum Beispiel) im Krankenhaus ein. Dank der Fortschritte bei Narkosen und in der Medizintechnik können wir niedergelassenen Fachärzte heutzutage viele Operationen ambulant erbringen. Vielleicht müsste der Herr Minister Rösler hier den Kassen mehr Druck machen, die bestehenden Möglichkeiten zu nutzen.

Dr. med. Michael P. Jaumann, Landesvorsitzender Württemberg des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V., 73033 Göppingen

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