ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2010Ovarialkarzinom: Tumormarker für Rezidivtherapie nicht entscheidend

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Ovarialkarzinom: Tumormarker für Rezidivtherapie nicht entscheidend

Dtsch Arztebl 2010; 107(44): A-2171 / B-1884 / C-1856

Gulden, Josef

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Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob man bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom in erster kompletter Remission die Therapie beginnen sollte, wenn die CA125-Werte steigen oder wenn klinische oder radiologische Befunde auf ein Rezidiv hinweisen. Dies war Fragestellung einer europäischen Phase-III-Studie.

Bei 1 442 Patientinnen mit kompletter Remission nach platinbasierter Erstlinientherapie erfolgten alle 3 Monate klinische und radiologische Untersuchungen und die Bestimmung der CA125-Werte. Sobald die Werte das Doppelte der oberen Normgrenze überstiegen, wurde randomisiert: Eine Gruppe wurde innerhalb von 28 Tagen erneut behandelt, die übrigen Patientinnen erst bei einem Rezidiv, das durch Symptome und/oder Bildgebung nachgewiesen worden war. Beim primären Endpunkt Gesamtüberleben zeigte sich bei den 529 Patientinnen, die so randomisiert worden waren, kein Unterschied zwischen den Gruppen: Die mediane Überlebenszeit lag nach früher, CA125-getriggerter Behandlung bei 25,7 Monaten (95%-KI: 23,0–27,9 Monate), nach verzögerter, also symptomgetriggerter Behandlung bei 27,1 Monaten (95%-KI: 22,8–30,9 Monate), die Hazard Ratio bei 0,98 (95%-KI: 0,80–1,20, p = 0,85). Die Frauen der frühen Therapiegruppe begannen mit der Behandlung um durchschnittlich 4,8 Monate früher als die anderen, und bei ihnen war signifikant früher ein erstmaliger Abfall der Lebensqualität zu beobachten (nach median 3,2 vs. 5,8 Monaten; HR 0,71, p = 0,002).

Fazit: Erstmals ist evidenzbasiert belegt, dass Frauen mit Ovarialkarzinom nichts versäumen, wenn sie nicht regelmäßig CA125 bestimmen lassen und bei einem Anstieg sofort mit einer Chemotherapie beginnen. „Die Studie beantwortet nicht alle Fragen zur Nachsorge“, kommentiert Prof. Dr. med. Andreas du Bois (Wiesbaden), „aber ein flächendeckender unkritischer Einsatz von Tumormarkern ohne individuelle Aufklärung und gemeinsame Entscheidung mit der Patientin, wie er leider immer noch häufig zu beobachten ist, sollte der Vergangenheit angehören.“ Ob eine frühere Rezidivdiagnose mit Tumormarkern und anderen Untersuchungstechniken helfe, Patientinnen herauszufiltern, für die eine Rezidivoperation eventuell hilfreich sei, sei noch unklar. Eine entsprechende Studie (das Protokoll AGO DESKTOP III) wurde in diesem Jahr gestartet (siehe www.AGO-OVAR.de). Josef Gulden

Rustin GJS et al.: Early versus delayed treatment of relapsed ovarian cancer (MRC OV05/
EORTC 55955): a randomized trial. Lancet 2010; 376: 1155–63.

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