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Der Hinweis durch die Kollegen Fischer und Konitzer über die epidemiologische Kontextualisierung von Qualitätsindikatoren unter Berücksichtigung des Nieder- beziehungsweise Hochprävalenzbereichs potenzieller Erkrankungen stellt einen weiteren Teilaspekt zur Beurteilung der diagnostischen Güte einer Notaufnahme dar und reflektiert das Kernproblem der Treffsicherheit medizinischer Diagnosestellung beziehungsweise -ausschluss und die Abhängigkeit zur Prävalenz einer Erkrankung.

Die zunehmende Inanspruchnahme der medizinischen Leistungen der Notaufnahmen wird aus verschiedenen Bundesländern bestätigt, ist unterschiedlich motiviert und nicht zuletzt auch auf die Professionalisierung der Zentralen Notaufnahmen zurückzuführen.

Die in der Studie vorgestellten Qualitätsindikatoren beschreiben die diagnostische Übereinstimmung (dÜ) von Aufnahme und Krankenhaushauptdiagnose und deren Verhältnis zum zeitlichen Aufwand (dEff) in einer Notaufnahme. Beurteilt werden hierbei lediglich die Diagnosen, die zum einen den stationären Aufenthalt rechtfertigen und zum anderen durch die weitere stationäre Behandlung bestätigt oder negiert wurden. Eine epidemiologische Kontextualisierung ist bei dieser Betrachtung stationärer Diagnosen nicht erforderlich. Vielmehr ist durch Qualitätsindikatoren die Möglichkeit gegeben, Diagnosegruppen auch aus dem Niederprävalenzbereich (zum Beispiel Aortendissektion, Porphyrie) zu identifizieren, die im Verhältnis zu anderen Diagnosegruppen – zum Beispiel aus dem Hochprävalenzbereich (Vorhhofflimmern, akutes Koronarsyndrom) – unterdurchschnittlich abschneiden und dementsprechend zu spät oder überhaupt nicht erkannt werden. Hier könnten dann gezielt Einzelmaßnahmen bei der Prozessoptimierung des diagnostischen Vorgehens in einer Notaufnahme anhand der dann veränderten Indikatorwerte (dEFF, dÜ) evaluiert werden.

Interessant in diesem Zusammenhang wäre die Fragestellung, ob sich für ambulante Behandlungsfälle in einer Notaufnahme die Notwendigkeit zur abgestuften Diagnostik analog des Vorgehens in der Allgemeinmedizin (zum Beispiel abwartendes Verhalten) als Konsequenz des Bayesschen Theorems bestätigt. Qualitätsindikatoren für ambulante Behandlungsfälle einer Notaufnahme sind meines Wissens ebenfalls noch nicht existent.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0794b

PD Dr. med. Harald Dormann

Klinikum Fürth, Zentrale Notaufnahme

Jakob-Henle-Straße 1, 90766 Fürth

E-Mail: harald.dormann@klinikum-fuerth.de

Interessenkonflikt

Die Autoren beider Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Dormann H, Diesch K, Ganslandt T, Hahn EG: Numerical
parameters and quality indicators in a medical emergency
department. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(15): 261–7. VOLLTEXT
1.Dormann H, Diesch K, Ganslandt T, Hahn EG: Numerical
parameters and quality indicators in a medical emergency
department. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(15): 261–7. VOLLTEXT

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