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Die Hysterektomie(HE)-Raten bei benignen Erkrankungen des Uterus sind in den Industrieländern in den letzten zwei Jahrzehnten durch die Anwendung uteruserhaltender Methoden (Hormonspirale, Endometriumablation, Myomektomie etc.) eher rückläufig. In der Studie von Müller et al. wird dagegen von einer geradezu explosionsartigen Zunahme der HE-Rate in einer Institution nach Einführung der laparoskopischen Verfahren (laparoskopische Hysterektomie [LH], laparoskopische suprazervikale Hysterektomie [LSH]) in den Jahren von 2004 bis 2008 berichtet. Dieser exorbitante Anstieg ist nur durch einen Marketing-Effekt („neue Operation – neue Patienten“) und eine großzügigere Indikationsstellung zu erklären. Als Vorteile der LH und LSH werden der geringe Blutverlust und die kurze Operationsdauer angeführt, die jedoch nicht von klinischer Relevanz sind.

Der klinische Alltag lehrt, dies haben zahlreiche Studien bestätigt, dass die vaginale Hysterektomie in der Hand des erfahrenen Operateurs die Methode mit der kürzesten Operationszeit, dem geringsten Ressourcenverbrauch und der höchsten Patientinnen-Zufriedenheit ist. Die laparoskopischen Verfahren haben jedoch einen mächtigen Verbündeten: die Industrie, die die Ressourcen verbrauchende laparoskopische Chirurgie im eigenen Interesse fördert. Das intensive industriegestützte Marketing rückt die laparoskopischen HE-Methoden durch entsprechende Operationskurse bei den verschiedensten Anlässen permanent ins Bewusstsein. Im Gegensatz zur LH und LSH bietet die vaginale Hysterektomie ohne spezifische Instrumente oder neu anwendbare Techniken wenig „Markt-Chancen“. Dies ist sehr zum Nachteil der Frauen, die eine Entfernung der Gebärmutter wegen gutartiger Erkrankungen benötigen. Denn die vaginale Hysterektomie hinterlässt keine Narben und keine Restzervix mit eventuell konsekutiver Zervixpathologie und Re-Operation. Die vaginale Hysterektomie sollte im Mittelpunkt der akademischen Ausbildung des gynäkologischen Operateurs bleiben, da die Patientin von ihr am meisten profitiert.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0796b

Prof. Dr. med. Johannes Dietl

Universitäts-Frauenklinik

Josef-Schneider-Straße 4, 97080 Würzburg

E-Mail: Markert_F@klinik.uni-wuerzburg.de

oder: frauenklinik@mail.uni-wuerzburg.de

1.
Müller A, Thiel FC, Renner SP, Winkler M, Häberle L, Beckmann MW: Hysterectomy—A comparison of approaches. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(20): 353–9. VOLLTEXT
1.Müller A, Thiel FC, Renner SP, Winkler M, Häberle L, Beckmann MW: Hysterectomy—A comparison of approaches. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(20): 353–9. VOLLTEXT

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