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An dieser Stelle sei den Autoren gedankt für Ihre kritischen Anmerkungen und Kommentare. Wir haben gezeigt, dass es auch an einer universitären Ausbildungsklinik möglich ist, die Rate an offenen Hysterektomien deutlich zu reduzieren (1). Prof. Dietel kritisiert die generelle Zunahme der Hysterektomierate. Die Steigerung der Hysterektomiezahlen an unserer Klinik beruht auf einer generellen Steigerung der Fallzahlen und nicht auf einer Änderung der Indikationsstellung. Wir haben im Wesentlichen eine Verschiebung von der abdominalen hin zur laparoskopischen Operation gezeigt (1). Zahlungen der Industrie haben wir dabei nicht erhalten.

Die Diskussion um Operationsmethoden wird oft emotional geführt unter den Anhängern verschiedener „operativer Schulen“. Dr. Steigerwald, Prof. Dietel und Prof. Nieder als Anhänger der „vaginalen operativen Schule“ fordern mehr vaginale Hysterektomien. Diese Forderung ist durchaus berechtigt, aber die vorgenommene Wertung halten wir aktuell für nicht nachvollziehbar und nicht evidenzbasiert.

Die Cochrane-Metaanalysen aus den Jahren 2006 und 2009 zeigen die kürzeste postoperative Erholungsphase für die laparoskopischen Methoden („return to normal activities“) ([12] im Beitrag) (2). Postoperative Schmerzen sind geringer nach laparoskopischer Hysterektomie verglichen mit der VH, so das Resultat zweier prospektiver randomisierter Studien (3, 4). Zu wichtigen Langzeitparametern, wie Deszensus und Inkontinenz fehlen aber bisher suffiziente Daten ([12] im Beitrag) (2). Die derzeit größte Kohortenstudie zum Thema Inkontinenz und Deszensus nach Hysterektomie zeigt, dass insbesondere die VH mit der höchsten Rate an Stressinkontinenzoperationen und Deszensusoperationen nach vorangegangener Hysterektomie assoziiert ist ([5] und [6] im Beitrag). Liegt es an der Operationsmethode oder an Risikofaktoren der Patientinnen, die vaginal hysterektomiert wurden? Die Antwort, beruhend auf Daten eines vernünftigen Evidenzlevels, steht bisher aus.

Herr Dr. Steigerwald spricht die vermeintlich „lange“ Operationszeit bei der VH an. Dabei scheint er von der oft „gefühlten“ Operationszeit des durchaus vorkommenden 30-Minuten-Eingriffes auszugehen. Das entspricht einerseits nicht der Realität nach statistischer Aufarbeitung größerer Kohorten. Andererseits ist eine Universitätsklinik zur Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses verpflichtet, ansonsten würde sie den Namenszusatz der Universität nicht verdienen. Natürlich sind unter unseren Operationen auch solche Ausbildungseingriffe. Unsere publizierten Operationszeiten für die VH entsprechen durchaus den publizierten Operationszeiten anderer universitärer Ausbildungskliniken in Deutschland ([e1] im Beitrag) (5).

Weitere Vorteile der laparoskopischen Verfahren sind die bessere Beurteilbarkeit des gesamten Abdomens (nicht nur der Adnexe) und die Möglichkeit der Kombination mit Zusatzeingriffen bei Patientinnen mit multiplen Voroperationen. In der Befragung zur Patientenzufriedenheit hatte sich dabei keine unserer Patientinnen über die kleinen Bauchschnitte, die Ope-
rationsdauer oder die intraoperative Kopftieflage beschwert.

Die Diskussion um die Hysterektomiemethoden bleibt spannend, sie sollte aber sachlich geführt werden mit Argumenten, die durch Studien mit entsprechendem Evidenzlevel untermauert werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0797b

Dr. med. Falk C. Thiel

Dr. med. Stefan P. Renner

Dr. med. Mathias Winkler

Dr. rer. nat. Lothar Häberle

Prof. Dr. med. Matthias W. Beckmann

PD Dr. med. Andreas Müller

Frauenklinik, Universitätsklinikum Erlangen

Universitätsstraße 21–23

91054 Erlangen

E-Mail: andreas.mueller@uk-erlangen.de

Interessenkonflikt

Die Autoren aller Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt
im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Müller A, Thiel FC, Renner SP, Winkler M, Häberle L, Beckmann MW: Hysterectomy—A comparison of approaches. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(20): 353–9. VOLLTEXT
2.
Nieboer TE, Johnson N, Lethaby A, et al.: Surgical approach to hysterectomy for benign gynaecological disease. Cochrane Database Syst Rev 2009; 8(3): CD003677. MEDLINE
3.
Ghezzi F, Uccella S, Cromi A, et al.: Postoperative pain after laparoscopic and vaginal hysterectomy for benign gynecologic disease: a randomized trial. Am J Obstet Gynecol. 2010 Jun 2. [Epub ahead of print]. MEDLINE
4.
Candiani M, Izzo S, Bulfoni A, Riparini J, Ronzoni S, Marconi A: Laparoscopic vs vaginal hysterectomy for benign pathology. Am J Obstet Gynecol 2009; 200(4): 368 e1–7. MEDLINE
5.
Altgassen C, Michels W, Schneider A, Diedrich K: Wie sicher ist die laparoskopisch assistierte vaginale Hysterektomie? How safe is laparoscopically assisted vaginal hysterectomy? Geburtsh Frauenheilk 2005; 65: 1051–7.
1.Müller A, Thiel FC, Renner SP, Winkler M, Häberle L, Beckmann MW: Hysterectomy—A comparison of approaches. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(20): 353–9. VOLLTEXT
2.Nieboer TE, Johnson N, Lethaby A, et al.: Surgical approach to hysterectomy for benign gynaecological disease. Cochrane Database Syst Rev 2009; 8(3): CD003677. MEDLINE
3.Ghezzi F, Uccella S, Cromi A, et al.: Postoperative pain after laparoscopic and vaginal hysterectomy for benign gynecologic disease: a randomized trial. Am J Obstet Gynecol. 2010 Jun 2. [Epub ahead of print]. MEDLINE
4.Candiani M, Izzo S, Bulfoni A, Riparini J, Ronzoni S, Marconi A: Laparoscopic vs vaginal hysterectomy for benign pathology. Am J Obstet Gynecol 2009; 200(4): 368 e1–7. MEDLINE
5.Altgassen C, Michels W, Schneider A, Diedrich K: Wie sicher ist die laparoskopisch assistierte vaginale Hysterektomie? How safe is laparoscopically assisted vaginal hysterectomy? Geburtsh Frauenheilk 2005; 65: 1051–7.

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