Supplement: PRAXiS

Aktienmarkt: Positive Signale

Dtsch Arztebl 2010; 107(45): [22]

Jobst, Peter

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Foto: SyB
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Entgegen manchen Erwartungen konnte der Deutsche Aktienindex DAX zuletzt wieder zulegen und die psychologisch wichtige Marke von 6 000 Punkten überwinden.

Es kommt auf den Zeitraum an: Wer im März 2010 in deutsche Standardwerte investiert hat, konnte seitdem durchschnittlich acht Prozent Plus machen – nicht viel, aber immer noch wesentlich mehr als etwa mit deutschen Anleihen. Wer jedoch bereits im März 2009 eingestiegen ist, kann sich freuen – rund 80 Prozent Plus in 19 Monaten sind ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann.

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Zwei Gründe waren für diese Hausse maßgeblich:

  • Die Konjunktur in Deutschland und in den meisten anderen westlichen Ländern hat sich viel schneller erholt als erwartet. Vor allem der Export boomt, und in vielen Bereichen herrscht bereits wieder Arbeitskräftemangel. Lügen gestraft wurden alle diejenigen, die nach Ausbruch der Bankenkrise vor der größten Depression der Nachkriegszeit gewarnt und dem DAX einen Verfall auf unter 2 000 Punkte prognostiziert hatten. Da die Börse der realen Kursentwicklung meist sechs bis zwölf Monate vorauseilt, ruht der Anstieg von 80 Prozent auf solidem Fundament.
  • Eine besondere Rolle spielte die Zinsentwicklung. Lag die durchschnittliche Umlaufrendite im Jahr 2008 noch bei mehr als 4,5 Prozent, ist sie mittlerweile in den Bereich um die zwei Prozent gefallen. Ursächlich waren die milliardenschweren Liquiditätshilfen der Regierungen und der zunehmende Sparwille in der Bevölkerung. Eine Rendite von gerade einmal zwei Prozent ist jedoch für Anleger kaum interessant, so dass beträchtliche Teile des Kapitals in den Aktienmarkt gewandert sind. Hier bestehen neben der Dividendenrendite Chancen auf Kursgewinne.

Nach wie vor mangelt es aber nicht an Pessimisten, die den jüngsten Aufschwung allein als Folge der Liquiditätsschwemme sehen und mit einer baldigen Trendwende rechnen. Mehr noch: Sie fürchten einen massiven Rückschlag bei der Konjunktur und starken Einbrüchen bei den Aktienkursen. Auch das „Damoklesschwert Staatsbankrott“ wird immer wieder als Argument dafür genannt, dass es sich aktuell lediglich um eine „Schein-Hausse“ handeln könnte. In der Tat müssen die Hinweise auf die Finanzkrisen etwa in Griechenland, Irland oder Portugal ebenso ernst genommen werden wie die enorm steigende deutsche Staatsverschuldung. Hier könnte sich ein Risikopotenzial aufbauen, sofern es den Regierungen nicht gelingt, die Finanzen wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Andererseits hat sich die Lage dank der schnellen Konjunkturerholung und den höheren Steuereinnahmen bereits wieder etwas entspannt.

Auf letzteres setzen auch die Optimisten unter den Börsianern. Die Schuldenkrise – so ihre Hoffnung – wird zunehmend beherrschbar, gleichzeitig steigen die Unternehmensgewinne dank guter Konjunktur. An der Börse sollte daher auch in den kommenden Monaten gutes Geld verdient werden können. Selbst ein Kursanstieg des DAX auf das Niveau der Jahre 2000 oder 2007 wird keineswegs mehr ausgeschlossen: Setzt sich der Gewinnanstieg der Unternehmen weiter fort, erscheint ein DAX-Stand von 8 000 Punkten und mehr durchaus gerechtfertigt.

Ähnlich sehen dies die Chartfans, die die Kursgrafiken der Vergangenheit in die Zukunft fortschreiben. Der Anfang 2008 begonnene Abwärtstrend an den Börsen wurde im Frühjahr 2009 abgeschlossen, und mittlerweile hat sich ein neuer Aufschwung herausgebildet. Bestätigt wird dies durch den gleitenden 200-Tage-Durchschnitt, der immer noch nach oben tendiert. Aber auch die Tatsache, dass der DAX die psychologisch wichtige Marke von 6 000 Punkten überwunden hat, stimmt aus technischer Sicht optimistisch.

Schließlich sind auch die Statistiker zu nennen, die mit einer Jahresend-Rallye rechnen. Denn sie war fast immer garantiert: Seit 1988 konnte der DAX den Dezember in 17 von 22 Jahren mit einem mehr oder minder ausgeprägtem Plus abschließen. Mit einem durchschnittlichen Kursanstieg von 2,45 Prozent – so hat das Deutsche Aktieninstitut errechnet – liegt der Dezember weit vor den üblicherweise guten Börsenmonaten Juli (1,62 Prozent) und November (1,58 Prozent). Spitzenreiter waren in der jüngeren Vergangenheit insbesondere die Jahre 1999 mit einem Zuwachs von 17,3 Prozent und 2008 mit einem Anstieg um 9,5 Prozent. Abwärts ging es hingegen 2002, als der DAX 12,9 Prozent einbrach. Interessanterweise spielte es dabei nicht einmal eine große Rolle, wie der DAX in den vorangegangenen Monaten tendiert hatte. Im Dezember wurde noch manches aufgeholt, was man bisher versäumt hatte. Die Begründung dafür ist bei institutionellen Investoren zu suchen. Ist das Jahr zunächst eher schlecht gelaufen, will man sich im Dezember für den erhofften Anstieg im kommenden Jahr neu positionieren. Es werden also verstärkt Aktien gekauft, selbst wenn man sich im vor- angegangenen Jahr eher in anderen Anlagesegmenten engagiert hatte. Aber auch bei einem zunächst günstigen Börsenverlauf finden sich im Dezember aus den Reihen der Fondsgesellschaften mehr Käufer als üblich. Zum 31. Dezember werden zumindest Zwischenberichte erstellt – und die sollten tunlichst auch bekannte Standardaktien enthalten, mit denen der Anleger etwas anfangen kann. Die Chancen für eine weitere freundliche Börsenentwicklung stehen daher momentan nicht schlecht. Zu bedenken ist allerdings, dass sich die Lage schnell ändern kann. Sollte sich etwa die Finanzkrise nochmals zuspitzen oder die Konjunktur einen unerwarteten Rückschlag erleiden, droht auch den Aktien ein Rückgang. Falls es gar zu terroristischen Akten kommen sollte, muss sogar mit massiven Rückschlägen gerechnet werden. Zumindest unter langfristigen Gesichtspunkten sollte es sich jedoch lohnen, den Aktienmarkt in die Anlageüberlegungen einzubeziehen. Hier sind besonders Papiere zu nennen, die einen ganzen Markt abdecken wie Indexzertifikate auf den DAX. Gleichzeitig sollte an eine globale Streuung gedacht werden, vorrangig durch Investments in den USA und Asien. Risikoreichere Märkte wie etwa China eignen sich ebenfalls zur Depotbeimischung, wobei hier Produkte wie etwa Investmentfonds der Direktanlage vorgezogen werden sollten. Peter Jobst

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