ArchivDeutsches Ärzteblatt40/1997Ovarial-, Mamma-, Bronchialkarzinom: Neue Daten zur Paclitaxel-Therapie

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Ovarial-, Mamma-, Bronchialkarzinom: Neue Daten zur Paclitaxel-Therapie

Bischoff, Martin

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LNSLNS Das fortgeschrittene Ovarialkarzinom war das erste Tumorleiden, bei dem Paclitaxel mit Erfolg eingesetzt wurde. Primäre Response, Gesamtüberleben und progressionsfreie Überlebenszeit waren in der wegweisenden GOG-111-Studie unter der Kombination Pac-litaxel/Cisplatin signifikant besser gewesen als unter der Standardkombination Cisplatin/Cyclophosphamid. Noch immer ist man auf der Suche nach der optimalen Dosierung und Infusionszeit von Paclitaxel (Taxol®, Bristol-Myers Sqibb). In der europäisch-kanadischen Inter-Group-Studie (M. J. Piccart) wurde Paclitaxel bei 680 Patientinnen nach optimaler und suboptimaler Tumorresektion - anders als in der GOG-111-Studie - als dreistündige Infusion in einer Dosis von 175 mg/m2 eingesetzt.
"Die kurze Infusionszeit wäre mit einer höheren Neurotoxizität verbunden", berichtete William P. McGuire (Atlanta) bei einem Symposium in München. Die endgültigen Ergebnisse liegen noch nicht vor. Doch schon jetzt deutet sich an, daß auf die Kombination mit Paclitaxel mehr Patientinnen ansprechen und daß sie länger progressionsfrei überleben.
First-lineMedikation
In der noch laufenden Studie der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie wird Paclitaxel (185 mg/m2) in einer Drei-Stunden-Infusion entweder mit Carboplatin (AUC 6, entspricht im Mittel etwa 400 mg/m2) oder mit Cisplatin (75 mg/m2) kombiniert. Die geplanten sechs Zyklen konnten bisher fast ohne Kompromisse gegeben werden.
Im Carboplatin-Arm traten häufiger hämatologische toxische Effekte auf, im Cisplatin-Arm nichthämatologische. Vorläufige Response- und Progressionsdaten entsprechen etwa den Ergebnissen im Paclitaxel-Arm der GOG-111-Studie. In der Chemotherapie des metastasierten Mammakarzinoms hat sich Paclitaxel inzwischen neben Anthracyclinen als First-Line-Medikament etabliert. In einer Studie von Bish-op et al. erwies sich eine Monotherapie mit Paclitaxel (200 mg/m2 als Drei-StundenInfusion über acht Zyklen) mit einer Remissionsrate von rund 30 Prozent und einer progressionsfreien Überlebenszeit von rund sechs Monaten als gleichermaßen effektiv wie die Kombination CMFP (Cyclophosphamid, Methotrexat, 5-Fluorouracil, Prednisolon).
Die hämatologische Toxizität war unter CMFP, die nichthämatologische unter Paclitaxel ausgeprägter. In der EORTC-Crossover-Studie verglich man eine First-Line-Monotherapie mit Paclitaxel (200 mg/m2 als DreiStunden-Infusion) beziehungsweise Doxorubicin (75 mg/m2). Trat in den ersten drei Zyklen eine Progression ein, wechselte die Patientin in den jeweils anderen Behandlungsarm. Vorläufige Daten von 315 Patientinnen deuten auf Vorteile zugunsten der Doxorubicin-Gruppe - sowohl in der Remissionsrate als auch im progressionsfreien Intervall. In der Doxorubicin-Gruppe beobachtete man jedoch eine deutlich höhere hämatologische, gastrointe-stinale und kardiologische Toxizität. In einer weiteren Phase-III-Studie (G. W. Sledge) erhielten 739 Patientinnen mit metastasiertem oder rezidivierendem Mammakarzinom als First-Line-Therapie randomisiert entweder Paclitaxel (175 mg/m2 als 24Stunden-Infusion) oder Doxorubicin (60 mg/m2) oder eine Kombination aus beiden Substanzen (150/50 mg/m2). Auch hier war bei Progression ein Crossover in die jeweils andere Monotherapie vorgesehen. Mit einer Remissionsrate von knapp 50 Prozent und einem progressionsfreien Intervall von etwa sechs Monaten war die Kombination den beiden Monotherapien statistisch signifikant überlegen. Die Gesamt-überlebenszeit unterschied sich nicht signifikant.
Reduktion der
Tumormasse
Eine weitere Indikation, bei der die Substanz Pac- litaxel verspricht, die Prognose deutlich zu verbessern, ist das fortgeschrittene nichtkleinzellige Bronchialkarzinom. Eine großangelegte multizentrische EORTC-Studie (Giaccone et al.) zeigt, daß mit einer Kombination aus Paclitaxel und Cisplatin bei besserer Verträglichkeit und Lebensqualität höhere Remissionsraten erzielt werden als mit der Standardkombination Teniposid und Cisplatin. Eine Reduktion der Tumormasse um mindestens 50 Prozent sah man bei 40 Prozent versus 28 Prozent der Patienten. Die Fünfjahres-Überlebensrate von Patienten mit nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom liegt seit Jahren bei rund zwölf Prozent. Drei Jahre überlebten bei konventioneller Chemo- plus Strahlentherapie maximal 20 Prozent der Patienten. Eine dramatisch bessere Dreijahres-Überlebensrate von 54 Prozent erreichten C. Bellani et al. (Pittsburgh) in einer kleinen Studie mit einer frühen Kombinationstherapie aus Paclitaxel (45 mg/m2 als DreiStunden-Infusion), Carboplatin (100 mg/m2) und Thorax-Bestrahlung. Martin Bischoff
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