ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 4/2010Textilhygiene in der Arztpraxis: Sauber ist nicht gleich sauber

SUPPLEMENT: PRAXiS

Textilhygiene in der Arztpraxis: Sauber ist nicht gleich sauber

Dtsch Arztebl 2010; 107(45): [15]

Heintz, Manuel

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Es empfiehlt sich, die Aufbereitung der Arbeits- und Schutzkleidung in eine gewerbliche, RABC-zertifizierte Wäscherei auszugliedern.

Arbeits- und Schutzkleidung sind wichtige Elemente in der ambulanten Praxis, die einerseits das Bild einer Praxis nach außen widerspiegeln und andererseits Schutzfunktion haben. Der Einsatz und die Aufbereitung von Arbeits- und Schutzkleidung sind aus Sicht der Infektionsprävention ein nicht zu vernachlässigendes Thema, denn Textilien können wesentlich zur Infektionsprophylaxe beitragen. Allerdings können Arbeits- und Schutzkleidung auch als Vektoren für Infektionserreger dienen und sollten somit im Hygienemanagementsystem thematisiert sein.

Foto: mauritius-images
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Zur sicheren Aufbereitung der Textilien gehört nicht nur ein validiertes desinfizierendes Waschverfahren, sondern auch eine Betrachtung der nachfolgenden Behandlungsschritte unter hygienischen Gesichtspunkten. Sowohl eine regelmäßige Prüfung der Desinfektionswirkung der Waschverfahren mit Bioindikatoren als auch Hygienekontrollen von Prozessschritten und Endprodukten werden vom Robert-Koch-Institut (RKI) als wesentlicher Bestandteil der medizinischen Qualitätssicherung und Eigenkontrolle angesehen.

Optimalerweise werden in der Gefährdungsbeurteilung der Arztpraxen einerseits das Risiko der Biokontamination der Arbeits- und Schutzkleidung und andererseits das Biokontaminationsrisiko, welches von der Kleidung ausgeht, betrachtet und entsprechende Maßnahmen zur Reduzierung der Risiken aufgestellt.

Das RABC-System beinhaltet diese oben erwähnten Anforderungen. RABC steht für „Risikoanalyse und Kontrollsystem Biokontamination“ und stellt ein Managementsystem dar, mit dem eine hohe mikrobiologische Qualität entsprechend dem beabsichtigten Gebrauch der Textilien erreicht werden kann. Dazu werden die Einzelschritte des Aufbereitungsprozesses hinsichtlich der Gefahr der Biokontamination betrachtet und Maßnahmen aufgestellt, die die Biokontamination auf ein akzeptables Maß reduzieren. Dies umfasst eine regelmäßige umfangreiche mikrobiologische Analyse inklusive Dokumentation. Das RABC-System ist als europäischer Standard für die Aufbereitung von Textilien in Wäschereien publiziert.

Es empfiehlt sich, die Aufbereitung der Textilien in eine gewerbliche, RABC-zertifizierte Wäscherei auszugliedern. Dies hat mehrere Vorteile:

  • Wäschereien mit entsprechenden Hygienenachweisen können adäquate Hygiene garantieren und damit eine sichere Textilhygiene in der Arztpraxis gewährleisten.
  • Qualitätssicherungsmaßnahmen werden in die Wäschereien ausgelagert.
  • Bei externer Wäscheaufbereitung werden Kapazitäten von Personal und Ressourcen freigesetzt für die wesentlichen Aufgaben in der Arztpraxis.

Bei der Auswahl der Wäscherei sollte sich der Arzt nicht nur das RABC-Zertifikat, sondern auch Berichte von mikrobiologischen Ergebnissen der Wäscherei in Kopie für sein Dokumentationssystem geben lassen. Wäschereien, die ein RABC-Qualitätsmanagementsystem eingeführt haben, können eine sichere Textilhygiene gewährleisten und sind damit idealer Partner für Einrichtungen des Gesundheitsdienstes.

Dr. Manuel Heintz

WFK-Forschungsinstitut für Reinigungstechnologie e.V. E-Mail: m.heintz@wfk.de

RABC-zertifizierte Wäschereien garantieren dem Praxisinhaber eine adäquate Hygiene. Foto: intex e.V.
RABC-zertifizierte Wäschereien garantieren dem Praxisinhaber eine adäquate Hygiene. Foto: intex e.V.

Arbeits- und Schutzkleidung: Arbeitskleidung ist gemäß TRBA 250 eine Kleidung, die anstelle oder in Ergänzung der Privatkleidung bei der Arbeit getragen wird. Sie hat keine spezifische Schutzfunktion gegen schädigende Einflüsse. Zur Arbeitskleidung zählt auch Berufskleidung. Sie ist eine berufsspezifische Arbeitskleidung, die als Standes- oder Dienstkleidung, zum Beispiel Uniform, getragen wird. Sie ist keine Kleidung mit spezieller Schutzfunktion.

Schutzkleidung ist gemäß TRBA 250 jede Kleidung, die dazu bestimmt ist, Beschäftigte vor schädigenden Einwirkungen bei der Arbeit oder deren Arbeits- oder Privatkleidung vor der Kontamination durch biologische Arbeitsstoffe zu schützen.

Desinfektionswaschverfahren: Verfahren nach RKI/VAH: RKI und VAH haben Listen mit Desinfektionsmitteln aufgestellt. Diese enthalten auch Desinfektionsmittel für die chemothermische Wäscheaufbereitung und die Verfahrensbedingungen, bei denen diese Desinfektionsmittel ausreichend wirksam sind. Diese Bedingungen sind zum Beispiel Desinfektionstemperatur, Einwirkzeit und das Verhältnis von Beladungs- und Wassermenge. Die Bedingungen können in speziellen gewerblichen Waschverfahren gewährleistet werden. Das RKI hat auch Vorgaben für die thermische Desinfektion von Wäsche ausgeführt. Danach muss die Wäsche für zehn Minuten bei 90 Grad Celsius oder für 15 Minuten bei 85 Grad Celsius behandelt werden.

Zur Validierung von Waschverfahren gehört die regelmäßige Kontrolle der Desinfektionswirkung mit geeigneten Biomonitoren sowie auch der chemischen und physikalischen Parameter, wie zum Beispiel Temperatur, Zeit und Aktivsauerstoff.

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