ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2010Aussenseiterkunst: Klaus Mücke – Das Glück der frühen Kindheit

KUNST UND SEELE

Aussenseiterkunst: Klaus Mücke – Das Glück der frühen Kindheit

PP 9, Ausgabe November 2010, Seite 482

Telger, Klaus

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Klaus Mücke ist ein außergewöhnlich kreativer und vitaler Mensch. Obwohl er der Sprache kaum mächtig ist, erfreut er uns mit seiner klaren und farbigen Bildsprache: „Tante Lene“, „Onkel Benno“, „Herr und Frau Trommel“, Nonnen, die „Biene Maja“ sind einige seiner Hauptmotive, die farbig und großflächig das Bild dominieren. Um diese herum ordnet er verschiedene Motive an, wie zum Beispiel einen Luftballon, Lutscher, Fahne, Kreuz, Mitra, Waschbecken, Fotoapparat oder Regenschirm.

Alltagsgegenstände gruppieren sich in klarer und farbiger Bildsprache um die allgegenwärtige Nonne und „Onkel Benno“. Foto: Eberhard Hahne
Alltagsgegenstände gruppieren sich in klarer und farbiger Bildsprache um die allgegenwärtige Nonne und „Onkel Benno“. Foto: Eberhard Hahne

Mitunter verarbeitet er aktuelle Geschehnisse in seinen Bildern. So führte der Papstbesuch in Münster zu seriellen Aufmärschen bunt gewandeter Personen mit Mitra, Bischofsstab, Kreuzen, Kelchen und Glocken, welche den Betrachter aus großen Augen mit würdevoller Strenge anschauen. Meist aber wiederholen sich Motive aus der Kindheit, welche teils ausgeschnitten werden und zu Collagen zusammengeklebt oder als Mobile weiterverarbeitet werden. Einiges wird auch aus Ton geformt oder mit der Laubsäge ausgesägt. All diese Dinge spiegeln ein zeitloses, kindliches Erleben wider und sind für Mücke nicht nur Abbildungen, sondern real existierende Objekte, zu denen er eine lebendige Beziehung unterhält. Bei Ausstellungen und Vernissagen achtet er mit Argusaugen darauf, dass nichts beschädigt wird oder verloren geht. Schließlich sind es frühe Prägungen und Erfahrungen, welche in seinen Werken immer wieder neu ins Leben gerufen werden.

Anzeige

Diese existenzielle Bedeutung seiner Kunst zeigt sich auch darin, wie er malt: Das Mischen der Farbe für den richtigen Ton vollzieht er mit Sorgfalt und großer Entschlossenheit. Sodann malt er mit höchster Konzentration, Hingabe und Ernsthaftigkeit. Dabei entwickelt er eine belebende Ausstrahlung, welche über seinen Arbeitsplatz hinaus im gesamten Atelier zu spüren ist und alle Anwesenden inspiriert. Täglich findet er sich über Stunden zum Malen ein, muss gelegentlich an das Mittagessen erinnert werden, und wenn abends die Räumlichkeiten abgeschlossen werden, sollte man darauf achten, ihn nicht zu vergessen.

Dr. Klaus Telger,
Leitender Arzt des Alexianer-Krankenhauses Münster

Biografie Klaus Mücke

Klaus Mücke wurde 1943 in Kiel geboren und wuchs in einem Kinderheim auf. Seit 1970 lebt er im Wohnbereich des Alexianer-Krankenhauses.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema