ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2010Ischämische Infarkte nach Subarachnoidalblutung: Magnesium i.v. reduziert die Rate CT-befundeter Infarkte

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Ischämische Infarkte nach Subarachnoidalblutung: Magnesium i.v. reduziert die Rate CT-befundeter Infarkte

Dtsch Arztebl 2010; 107(45): A-2234 / B-1932 / C-1900

Gulden, Josef

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Die Mortalität nach Subarachnoidalblutungen (SAB) aus einem Aneurysma liegt nach wie vor bei bis zu 50 Prozent. Hauptursache für die stationäre Morbidität und Mortalität sind späte ischämische Infarkte aufgrund zerebraler Vasospasmen, die sich etwa mit Calciumantagonisten vermeiden lassen. Reduzierte Serumkonzentrationen von Magnesium (Mg), das calciumantagonistisch und vasodilatorisch wirkt und die Verformbarkeit der Erythrozyten erhöht, sind bei mehr als einem Drittel aller Patienten mit SAB prädiktiv für das Auftreten später zerebraler Ischämien.

In einer prospektiven Studie auf der neurochirurgischen Intensivstation der Universität Würzburg (1) erhielten deshalb 110 Patienten mit SAB randomisiert entweder Placebo oder intravenöses Mg-Sulfat (ein Bolus von 16 mmol, gefolgt von kontinuierlicher Infusion mit zunächst 8 mmol/h). Durch Messung der Serumkonzentration alle acht Stunden wurde die Infusionsrate auf eine Serum-Zielkonzentration von 2,0 bis 2,5 mmol/l eingestellt. Die Infusion wurde über zehn Tage oder so lange fortgeführt, bis sich die mittels transkranieller Doppler-Sonographie und digitaler Subtraktionsangiographie nachgewiesenen Vasospasmuszeichen aufgelöst hatten.

Die Rate von per CT bestimmten späten ischämischen Infarkten war in der Mg-Gruppe signifikant reduziert (von 51 auf 22 %, p = 0,002), ebenso die Häufigkeit von Vasospasmen (36 von 54 vs. 45 von 53 Patienten, p = 0,028). Patienten mit Vasospasmuszeichen wiesen in der Mg-Gruppe signifikant seltener späte Infarkte auf (28 % vs. 58 %, p = 0,0069, Odds Ratio 0,28, 95%-Konfidenzintervall 0,11–0,72). Ein gutes klinisches Ergebnis nach sechs Monaten (Scores von 4 oder 5 auf der Glasgow Outcome Scale) erreichten 34 von 54 Mg- und 27 von 53 Kontrollpatienten (p = 0,209). Ein spätes neurologisches Defizit aufgrund der Ischämie wurde bei weniger Patienten in der Mg-Gruppe gefunden (9/54 versus 15/53 Patienten), jedoch war der Unterschied nicht signifikant (p = 0,149).

Fazit: Hochdosiertes intravenöses Magnesium nach einer SAB kann offenbar Vasospasmen und zerebrale ischämische Ereignisse vermeiden. Signifikante Effekte, so Prof. Helmuth Steinmetz (Frankfurt), gebe es nur bei den apparativen Befunden, nicht bei klinischen Parametern. Seiner Ansicht nach nach reichen die Resultate dieser interessanten, aber monozentrischen und für die Fragestellung eher kleinen Studie für eine generelle Behandlungsempfehlung nicht aus, auch nicht für eine EMEA-Zulassung. Auch in der IMASH-Studie (n = 326) fand man keine positiven klinischen Effekte von Magnesium i.v. nach Subarachnoidalblutung (2). Nun müsse man die MASH-II-Studie mit circa 1 200 Patienten abwarten.

Josef Gulden

  1. Westermaier T et al.: Prophylactic intravenous magnesium sulfate for treatment of aneurysmal subarachnoid hemorrhage: A randomized, placebo-controlled, clinical study. Crit Care Med 2010; 38: 1284–90.
  2. Wong GK et al.: Intravenous magnesium sulphate for aneurysmal subarachnoid hemorrhage (IMASH): A randomized, double-blinded, placebo-controlled, multicenter phase III trial. Stroke 2010; 41: 921–6.

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