ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2010Adress- und Anzeigenbetrug: Augen auf bei Einträgen in Ärzteverzeichnisse

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Adress- und Anzeigenbetrug: Augen auf bei Einträgen in Ärzteverzeichnisse

Dtsch Arztebl 2010; 107(45): [75]

Krüger-Brand, Heike E.

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Abzocke ist im Internet weit verbreitet, und Ärzte sind eine beliebte Zielgruppe für bestimmte Formen der Wirtschaftskriminalität.

Betrügereien und kriminelle Geschäftemacherei gibt es zuhauf auch im Internet: Immer wieder versuchen beispielsweise Adressbuch- und Anzeigenunternehmen mit unlauteren Methoden, Unterschriften für überteuerte oder nutzlose Verträge zu erschleichen. Beim Adressbuchschwindel werden dabei häufig Formulare verschickt, die so unübersichtlich und bewusst irreführend gestaltet sind, dass der Empfänger versteckte Hinweise auf die Kostenpflichtigkeit der Angebote übersieht und den Vertrag unterschreibt. Die Gegenleistung – der Eintrag in ein Adressenregister – ist völlig wertlos, weil niemand diese Adressregister kennt oder aufsucht, der Preis für den Vertrag, der meist eine mehrjährige Laufzeit hat, ist hingegen extrem überhöht. Zahlt der „Kunde“ nicht, wird er umgehend unter Druck gesetzt.

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Vermeintlicher Datenabgleich

Ähnlich funktioniert auch der Anzeigenbetrug: Hier werden beispielsweise Formulare nach einem im Geschäftsverkehr üblichen Muster verschickt (Korrekturanfrage, Datenabgleich), die tatsächlich eine Auftragserschleichung darstellen. Bei der Kontaktaufnahme per Telefon oder Fax wird häufig vorgegeben, dass lediglich ein bereits laufender Auftrag (oder ein kostenfreier Auftrag) bestätigt, verlängert oder gekündigt werden muss, etwa die Webseite des Kunden oder eine Suchmaschinenoptimierung betreffend. Dies wird kombiniert mit einer anschließend geforderten eiligen Bestätigung per Fax oder mit einem gesonderten Telefonanruf, der aufgezeichnet wird und bei dem schnell etwas anders dargestellt wird als im Gespräch zuvor. Dies wird dann als Beweis einer Auftragserteilung verwendet. Es kommt auch vor, dass ein kostenfreies Angebot per Fax zugeschickt wird, das im Kleingedruckten eine Auftragsbestätigung mit einer Widerspruchsfrist enthält. Wird nicht widersprochen, gilt der Auftrag.

Ärztinnen und Ärzte sind eine beliebte Zielgruppe für diese Form der Wirtschaftskriminalität. So haben etwa die Ärztekammer Nordrhein und die Bundes­ärzte­kammer Ende 2009 vor Angeboten eines Telefonbuchverlages mit Sitz in Kösching gewarnt. Dieser hatte Ärzten einen „kostenlosen Grundeintrag nach Verordnung der Bundes­ärzte­kammer“ in das Online-Verzeichnis www.aerzte-kliniken-medberufe-regional.de angeboten.

Dagegen ist die Bundes­ärzte­kammer vorgegangen und hat den Verlag aufgefordert, die Angaben zu korrigieren. Das Anschreiben des Telefonbuchverlags beinhaltete im Kleingedruckten die Information, dass mit Unterschrift nicht der Grundeintrag bestätigt, sondern für zwei Jahre ein „Premiumeintrag“ gekauft wird, der jährlich 830 Euro kostet.

Irreführende Internetadresse

Nicht immer ist auf den ersten Blick zu erkennen, ob es sich um ein seriöses Angebot handelt. Denn häufig lehnen sich unseriöse Anbieter in der Aufmachung an etablierte Marken an – etwa durch die Kombination bekannter Internetadressen mit der Endung .net oder Zusätze wie „-online“, „-Deutsche-“. Darauf verweist Dr. Peter Müller, Vorstand der Stiftung Gesundheit. Er rät daher, die Angebote genau zu prüfen: „Ist es ein Trittbrettfahrer, der sich mit einer .net-Domain an bewährte Anbieter anlehnt? Dann Finger weg. Ärzte sollten prüfen, welche Leistung tatsächlich dahintersteckt. Nutzen bringen nur die Verzeichnisse, die erkennbar von großen Partnern vielfach genutzt werden.“

Informationen zu diesen Betrügereien sowie Maßnahmen zum Schutz und zur Gegenwehr sind im Internet zu finden, beispielsweise auf der Website des Deutschen Schutzverbands gegen Wirtschaftskriminalität (www.dsw-schutzverband.de) oder unter www.adressbuchbetrug-info.net, www.verbraucherabzocke.info. Eine Checkliste für die Auswahl eines seriösen Ärzteverzeichnisses findet man unter www.stiftung-gesundheit.de/presseservice/PI_PPreis-Vermischtes/pi-2009-06-08.htm.

Heike E. Krüger-Brand

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