ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2010Börsebius: Börsenglanz zum Jahresende

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Börsebius: Börsenglanz zum Jahresende

Dtsch Arztebl 2010; 107(45): A-2254 / B-1950 / C-1914

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Alle Jahre wieder stehen Anleger vor einer schwerwiegenden Entscheidung: Investiere ich mein Geld gerade jetzt in Aktien oder nicht? Kommt die vielgerühmte Jahresendrallye, winken fette Zusatzgewinne, bleibt sie aus, sieht es im Depot nicht gut aus, was sich in der besinnlichen Zeit zwischen den Jahren böse aufs Gemüt legen kann.

Die Fakten: Deutschen Unternehmen geht es so gut wie lange nicht mehr. Die Gewinne vor allem exportorientierter Firmen sprudeln, die Auftragseingänge lassen den Einbruch der Weltwirtschaft vergessen, von dem ängstlich gepredigten Doubledip (erneuter Einbruch der Konjunktur nach einem Zwischenhoch) ist weit und breit nichts zu sehen. Der DAX hat seit Jahresbeginn eine fulminante Hausse hingelegt, die manchen zwar bereits zu weit gelaufen ist, andere Experten sagen indes dem deutschen Aktienindex weitere Avancen voraus. Fundamental sind die derzeitigen Kurse also immer noch gut unterfüttert, und nicht nur das. Bezogen auf die Gewinnaussichten deutscher Bluechips wären ohne weiteres höhere KGVs (Kurs-Gewinn-Verhältnisse) gerechtfertigt.

Einen wirklichen Treibsatz für weiter steigende Kurse verdanken wir vor allem der amerikanischen Notenbank. Kurz vor Redaktionsschluss hat die Federal Reserve bekanntgegeben, sie werde die Märkte mit weiteren 600 Milliarden US-Dollar fluten. Über Sinn und Unsinn dieser echt unheimlichen Maßnahme lässt sich trefflich streiten, aber eines scheint mir sicher, dass nämlich ein gewichtiger Teil dieser Infusion eben nicht in Produktionsprozesse fließen wird, sondern in die Spekulation auf steigende Aktienkurse, ganz nach dem Motto, schneller lässt sich nirgends Geld verdienen.

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Kurzum: Die Aussichten für einen goldenen Restnovember und freundliche Dezembertage, vor allem zu Beginn des Monats, sind an den Börsen so gut wie lange nicht mehr. Das gilt trotz der Tatsache, dass sich der deutsche Aktienindex DAX bereits in luftigen Höhen aufhält. Gleichwohl sind Störfeuer nicht auszuschließen, gilt doch die alte Börsenweisheit, dass an den Finanzmärkten nichts so sicher ist wie die Unsicherheit.

Sollte also die Jahresendrallye wider Erwarten ausbleiben, ist der Anleger trotzdem dann auf der einigermaßen sicheren Seite, wenn er die „richtigen“ Aktien kauft. Aber wer kennt schon die Stars der Zukunft ganz genau? Dennoch, es gibt eine Reihe von Aktien, denen ich auf mittlere und lange Sicht einiges zutraue, einfach deswegen, weil sie vergleichsweise preiswert sind, ordentliche Dividendenrenditen aufweisen und zu den großen Playern zählen. Hierzu zähle ich vor allem Munich Re, die Allianz, die Deutsche Telekom, die großen Energieversorger, aber auch die gute alte Deutsche Post. Die Bescherung, so sie jetzt nicht gleich kommt, kommt halt einfach später. So viel Zeit muss sein.

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