ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2010Diabetes mellitus Typ II: Sterberisiko ist nach schwerer Hypoglykämie mehr als verdoppelt

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diabetes mellitus Typ II: Sterberisiko ist nach schwerer Hypoglykämie mehr als verdoppelt

Dtsch Arztebl 2010; 107(45): A-2234 / B-1932 / C-1900

Heinzl, Susanne

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Eine intensive Blutzuckerkontrolle kann nach aktueller Datenlage bei Typ-II-Diabetikern die makrovaskulären Ereignisse nicht verhindern, ist aber mit einem höheren Risiko für Hypoglykämien und höherer Sterblichkeit assoziiert. In einer Ad-hoc-Analyse der ADVANCE-Studie (Action in Diabetes and Vascular Disease: Preterax and Diamicron Modified Release Controlled Evaluation) wurde nun der Zusammenhang zwischen Hypoglykämie und Komplikationen analysiert.

In der randomisierten Studie wurde der erhöhte Blutzuckerspiegel bei 5 571 Patienten mit intensivierter Therapie und bei 5 569 Patienten mit einer Standardtherapie behandelt. Im Beobachtungszeitraum von 5 Jahren erlitten 2,1 % (n = 231) der Patienten mindestens eine Hypoglykämie: 2,7 % (n = 150) der Gruppe mit intensivierter Therapie und 1,5 % (n = 81) im Standardtherapiearm. Schwere Hypoglykämien erhöhten das Risiko für schwerwiegende makrovaskuläre Ereignisse (adjustierte Hazard Ratio [HR] 2,88), schwerwiegende mikrovaskuläre Ereignisse (HR 1,81); kardiovaskulär bedingten Tod (HR 2,68) und Tod jeder Ursache (HR 2,69) jeweils signifikant (p < 0,001). Auch das Risiko für Atemwegs-, Gastrointestinal- und Hauterkrankungen war bei Hypoglykämie signifikant höher (p < 0,01). Noch lange nach der Hypoglykämie bestand ein erhöhtes Risiko für mikro- und makrovaskuläre Komplikationen (Grafik). Im Median dauerte es von der Hypoglykämie-Episode bis zum ersten makro- oder mikrovaskulären Ereignis 1,56 bzw. 0,99 Jahre.

Fazit: Die Post-hoc-Analyse der von der Firma Servier und dem National Health and Medical Research Council von Australien unterstützten Studie bestätigte einen Zusammenhang zwischen schwerer Hypoglyämie und kardiovaskulären Komplikationen, dieser ist jedoch nicht notwendigerweise kausal. Wahrscheinlicher ist es, dass die schwere Hypoglykämie ein Marker für einen schlechteren Gesundheitszustand eines Patienten ist, der damit ein höheres Risiko für weitere Erkrankungen hat. Dies wird nach Aussage von Prof. Dr. med. Baptist Gallwitz, Tübingen, zusätzlich durch Befunde der ACCORD-Studie unterstützt, in der die Sterblichkeit der Patienten in der intensiv behandelten Gruppe am höchsten war, welche die schlechtesten HbA1c-Ausgangswerte hatten. Auch in der VADT-Studie war das Auftreten von Hypoglykämien der stärkste Prädiktor für kardiovaskulären Tod. Diese Assoziation war ausgeprägter als die zwischen jeweils Alter, HbA1c-Wert, früheren kardiovaskulären Ereignissen und HDL-Cholesterinspiegel. Deshalb sei es wichtig, bei komplex kranken Patienten mit lange bestehendem Typ-II-Diabetes Hypoglykämien zu vermeiden und dies als Therapieziel zu definieren. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Zoungas S et al.: Severe hypoglycemia and risks of vascular events and death. NEJM 2010; 363: 1410–8.

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