ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2010Ärztemangel: KBV und Landkreise wollen kooperieren

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Ärztemangel: KBV und Landkreise wollen kooperieren

Dtsch Arztebl 2010; 107(45): A-2216

Maus, Josef

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Neue Formen der Zusammenarbeit sollen die medizinische Versorgung in der Fläche sichern.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Deutsche Landkreistag (DLT) wollen bei der Sicherstellung der flächendeckenden medizinischen Versorgung zusammenarbeiten. Beide Organisationen treibt die Sorge um, dass der sich abzeichnende Ärztemangel vor allem auf dem Land mittelfristig zu Engpässen führt, wenn nicht beizeiten gegengesteuert wird. „Wir wollen künftig gemeinsam innovative Versorgungsangebote konzipieren und umsetzen“, erläuterte KBV-Vorstand Dr. med. Carl-Heinz Müller die Rahmenvereinbarung der neuen Vertragspartner.

Der Deutsche Landkreistag ist der kommunale Spitzenverband der Landkreise auf Bundesebene. Ihm gehören mittelbar 301 Landkreise an, in deren Einzugsgebiet circa 400 kommunale Krankenhäuser angesiedelt sind. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung setzt sich als Spitzenverband der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen auf Bundesebene für die Belange von ungefähr 150 000 niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten ein.

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Konkret streben KBV und DLT an, regionale Plattformen für die ambulante und stationäre Grund- und Regelversorgung zu schaffen, die auf eine enge Kooperation und Verzahnung der Sektoren und medizinischen Leistungsträger setzen. Dabei sollen neue Formen der Zusammenarbeit gefunden werden, die verstärkt medizinische Allianzen und Netzwerke im Blick haben.

Für die Landkreise ist eine wohnortnahe Versorgung der Patienten durch niedergelassene Ärzte nicht nur aus gesundheitspolitischer Sicht von hoher Bedeutung. Genügend Ärzte vor Ort sind auch ein entscheidender Standortvorteil für die jeweilige Region. Unter anderem deshalb wollen die Partner der Rahmenvereinbarung die Versorgungsforschung stärken. Sie verbinden damit die Hoffnung, Konzepte entwickeln zu können, mit deren Hilfe Ärzte von einer beruflichen Perspektive auch und gerade im strukturschwachen ländlichen Raum überzeugt werden können.

Ärztliche Kooperation ist hierfür eine wichtige Voraussetzung – und das betrifft in erster Linie die bessere Verzahnung von stationärer und ambulanter Versorgung. So ist dar-an gedacht, gemeinsame Strukturen auf lokaler Ebene aufzubauen, zu denen beispielsweise eine 24-Stunden-Notfallversorgung zählt. Gemeinsame Fallkonferenzen von Klinikärzten und niedergelassenen Kollegen sollen die Überleitung der Patienten von der stationären in die ambulante Versorgung verbessern, beispielsweise bei den Arzneiverordnungen.

Lenkungsausschuss soll Projekte organisieren

Die Rahmenvereinbarung zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem Deutschen Landkreistag sieht neben einer gezielten Nutzung moderner Kommunikationstechniken ebenfalls vor, telemedizinische Anwendungen für eine wohnortnahe Versorgung zu erproben. Um die Entwicklung und Umsetzung der innovativen Projekte soll sich ein gemeinsamer Lenkungsausschuss kümmern. Dessen Aufgabe soll es auch sein, weitere Kooperationspartner zur Sicherung einer flächendeckenden Versorgung zu gewinnen.

Josef Maus

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