ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2010Superfizielle Venenthrombosen: Fondaparinux verhindert thromboembolische Komplikationen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Superfizielle Venenthrombosen: Fondaparinux verhindert thromboembolische Komplikationen

Dtsch Arztebl 2010; 107(45): A-2235 / B-1933 / C-1901

Heinzl, Susanne

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Patienten mit Thrombose in einer oberflächlichen Vene (mindestens 5 cm lang) haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung thromboembolischer Komplikationen wie tiefer Venenthrombosen oder Lungenembolien. Zur Therapie superfizieller Thrombosen werden unter anderem nichtsteroidale Antiphlogistika, Antikoagulanzien oder eine Operation empfohlen. Nun wurde in der CALISTO-Studie (Comparison of Arixtra in lower limb superficial vein thrombosis with placebo) die Wirksamkeit des spezifischen Faktor-Xa-Inhibitors Fondaparinux untersucht (1).

In die von der Firma Glaxo-smithkline unterstützte internationale doppelblinde Multicenterstudie wurden 3 002 Patienten mit akuter symptomatischer Thrombophlebitis der unteren Extremitäten aufgenommen, die keine tiefe Venenthrombose oder Lungenembolie hatten. Randomisiert wurden sie über 45 Tage mit Fondaparinux (2,5 mg s.c./Tag) oder Placebo behandelt. Fondaparinux war im primären und in den sekundären Wirksamkeitsendpunkten Placebo signifikant überlegen (Tabelle). Die Effekte von Fondaparinux waren in allen Subgruppen unabhängig von Varizen und der Lokalisation der Thrombophlebitis nachweisbar, und zwar bis Tag 77. Bei je einem Patienten jeder Gruppe gab es eine schwere Blutung, tödliche Hämorrhagien traten nicht auf. Klinisch relevante, jedoch weniger schwere sowie leichte Blutungen waren mit 0,3 % in der Verum- und 0,5 % in der Placebogruppe vergleichbar häufig.

Die Studie sei sehr sorgfältig durchgeführt, heißt es im Editorial. Aufgrund der Ein- und Ausschlusskriterien sollte eine Behandlung mit Fondaparinux über 45 Tage für Patienten mit schweren Symptomen, Thrombose der proximalen Saphenavene oder rezidivierender Erkrankung in Erwägung gezogen werden. Substanzen wie Fondaparinux, niedermolekulare Heparine, möglicherweise aber auch oral gegebene direkte Inhibitoren von Faktor Xa und Thrombininhibitoren hätten ein günstigeres Risiko-Nutzen-Verhältnis als unfraktioniertes Heparin und Warfarin, so dass Indikationserweiterungen denkbar seien, heißt es im Editorial.

Fazit: Fondaparinux kann das Risiko für thromboembolische Komplikationen bei Patienten mit oberflächlichen Venenthrombosen senken. Die Zulassung von Fondaparinux wurde vor kurzem von der Europäischen Kommission um die entsprechende Indikation erweitert.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Decousus H et al.: Fondaparinux for the treatment of superficial-vein thrombosis in the legs. NEJM 2010; 363: 1222–32.
  2. Goldman L et al.: Superficial phlebitis and phase 3.5 trials. NEJM 2010; 363: 1278–80.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema