ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2010Bakteriologischer Befund
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Mit großem Interesse habe ich den kritischen Beitrag zur Diagnose des Harnwegsinfekts (HWI) anhand von Veröffentlichungen gelesen. Er zeigt sehr schön das Dilemma der HWI-Diagnostik auf. Selbst in Publikationen ist sie nicht optimal. Zu sehr wird nur auf Laborergebnisse (Keimzahlen, die als Goldstandard des HWI angesehen werden) oder auf Teststreifen geschaut. Das klinische Bild mit den Befunden an der Vulva, dem Urethralbereich und die mikroskopische Untersuchung des Urins kommen zu kurz. Ich kann verstehen, dass subjektive Befunde immer weniger zählen, weil die klinische Seite in der Ausbildung unbefriedigend ist und man sich, insbesondere in Studien, nicht darauf verlassen will. Leider führt das dazu, dass zu häufig bakteriologische Befunde behandelt werden und nicht Infektionen.

Hinter einer Dysurie kann mehr stecken als ein HWI, zum Beispiel eine Vulvitis, eine Dermatitis des Urethralausgangs, eine Hautschädigung durch übertriebene Reinigungen, eine Dermatose oder auch ein rezidivierender Herpes urethralis. Infektionen sind akute Ereignisse und es gehört eine Entzündungsreaktion dazu, das heißt eine Leukozytenvermehrung im Urin. Diese kann dort mit einem Nasspräparat bei 400-facher Vergrößerung sofort erkannt werden. Mehr als drei Leukozyten pro Gesichtsfeld sind hochverdächtig. Leider wird in den Publikationen für den Leukozytennachweis nur der Esterasetest genannt und für die Mikroskopie nur der Nachweis von Bakterien. Beide sind wenig aussagekräftig. Gerade bei Frauen, der Hauptgruppe der Patienten mit HWI, müssen auch die Vulva, die Keimflora in der Vagina und die Zahl der Leukozyten im Fluor berücksichtigt werden, da sie Urin kontaminieren.

Hautverbesserung im Analbereich, der Quelle der Darmbakterien, die einen HWI verursachen, ist von Bedeutung.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0824b

Prof. Dr. med. Eiko E. Petersen

Eichbergstraße 18
79117 Freiburg

E-Mail: eiko.petersen@web.de

1.
Schmiemann G, Kniehl E, Gebhardt K, Matejczyk M, Hummers-Pradier E: The diagnosis of urinary tract infection: A systematic review. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(21): 361–7 VOLLTEXT
1.Schmiemann G, Kniehl E, Gebhardt K, Matejczyk M, Hummers-Pradier E: The diagnosis of urinary tract infection: A systematic review. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(21): 361–7 VOLLTEXT

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