ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2010Blasenpunktion erforderlich
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Die Autoren schreiben: „Der Goldstandard zur Diagnose eines Harnwegsinfekts ist ein Erregernachweis bei klinischen Beschwerden. Der Erregernachweis erfolgt mittels Urinkultur aus Mittelstrahlurin (MSU), mit der man die Art und Menge des Erregers feststellt“. Dem muss widersprochen werden.

Die Harnröhre der Frau enthält fast immer Keime, die des Mannes oft. Folglich kann nur die Blasenpunktion Urin liefern, der ein sicheres Ergebnis bringt. Im Jahre 1972 untersuchten wir 1 013 konsekutive Patienten (192 m, 812 w) einer nephrologischen Ambulanz, bei denen ein Harnwegsinfekt vermutet wurde oder ausgeschlossen werden sollte (1). Zuerst wurde die Blase punktiert, danach wurde ein Mittelstrahlurin (MSU) gewonnen. Wir fanden bei 192 Patienten eine Keimzahl > 100 000/mL. Davon hatten 30 Prozent ein steriles Blasenpunktat (BP), bekämen also, nähme man diese Grenze, unnötig Antibiotika. Betrug die Keimzahl 10 000 bis 100 000, waren 61 Prozent der BP steril, bei < 10 000 immerhin 87 Prozent. War der MSU steril (319 Patienten), war auch stets die BP steril. Streng genommen bietet nur der sterile MSU eine sichere Aussage. In allen anderen Fällen behandelt man mehr oder weniger viele Gesunde oder lässt mehr oder weniger viele Kranke unbehandelt. Somit kann der MSU nicht der „Goldstandard“ sein.

Die Blasenpunktion ist heute bei der Verfügbarkeit des Ultraschalls leicht und sicher durchzuführen. Sie wird als weniger schmerzhaft bezeichnet als eine Venenpunktion. Unangenehm für den Patienten ist, dass er vor der Punktion einen gewissen Blasendruck aushalten muss. Bei dem großen Aufwand, den der Bakteriologe zu leisten hat und den weitreichenden Konsequenzen, die diese Befunde haben, sollte der Kliniker ein brauchbares Material liefern.

Unseres Wissens wurden unsere Befunde bisher weder bestätigt noch falsifiziert.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0824c

Dr. med. Peter Fiegel

Am Keltenlager 6, 55126 Mainz

Prof. Dr. med. Dieter Höffler

Rappmühlstraße 10, 54331 Weiterstadt, E-Mail: dhoeffler@t-online.de

1.
Fiegel P, Höffler D, Ringelmann R: Die Bedeutung der Blasenpunktion in der nephrologischen Diagnostik. Die Medizinische Welt 1972; 23: 1705–6.
2.
Schmiemann G, Kniehl E, Gebhardt K, Matejczyk M, Hummers-Pradier E: The diagnosis of urinary tract infection: A systematic review. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(21): 361–7 VOLLTEXT
1.Fiegel P, Höffler D, Ringelmann R: Die Bedeutung der Blasenpunktion in der nephrologischen Diagnostik. Die Medizinische Welt 1972; 23: 1705–6.
2.Schmiemann G, Kniehl E, Gebhardt K, Matejczyk M, Hummers-Pradier E: The diagnosis of urinary tract infection: A systematic review. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(21): 361–7 VOLLTEXT

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