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Wir haben in unserer Arbeit versucht, die Notwendigkeit der Unterscheidung zwischen einem Harnwegsinfekt und einer asymptomatischen Bakteriurie zu verdeutlichen. Die Bezeichnung asymptomatischer Harnwegsinfekt sollte man vermeiden, um deutlich zwischen einer Erkrankung und einem nur in Einzelfällen behandlungsbedürftigen Zustand (zum Beispiel Eradikation einer asymptomatischen Bakteriurie bei Schwangeren) zu unterscheiden. Zur Hintergrundinformation möchten wir auf die aktuellen Leitlinien (1, 3) zur Diagnose und Therapie verweisen, in denen diese Nomenklatur konsentiert wurde. Diese Unterscheidung sollte dazu beitragen, dass eben nur Infektionen und nicht bakteriologische Befunde – wie von Fiegel und Höffler angemerkt – behandelt werden.

Zur stärkeren Berücksichtigung des Leukozytennachweises im Urin, auf den Dr. Roleff und Prof. Petersen hinwiesen, möchten wir ergänzen, dass insbesondere der fehlende mikroskopische Nachweis von Leukozyten mit einem negativ prädiktiven Wert von 95 Prozent geeignet ist, einen Infekt auszuschließen, die Sensitivität jedoch nach einer Metaanalyse nur zwischen 37 und 96 Prozent liegt und daher weniger geeignet ist, die Erkrankung zu entdecken (2). Vor diesem Hintergrund ist die von Dr. Roleff aufgestellte Forderung, dass eine mikroskopische Untersuchung in der Hausarztpraxis möglich sein sollte, zu hinterfragen. Der anamnestische Hinweis auf ein „Brennen beim Wasserlassen“ ist nicht pathognomonisch – eine solche Aussage findet sich in unserer Arbeit auch nicht. Die anamnestische Angabe typischer Beschwerden („Brennen beim Wasserlassen“) erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Harnwegsinfektes. Für die Diagnose eines Karzinoms ist diese anamnestische Angabe weitaus weniger hilfreich, wenngleich es in Einzelfällen durchaus vorkommen kann, dass ursächlich (oder gleichzeitig) ein Harnblasenkarzinom gefunden wurde. „Der Goldstandard der Diagnose einer Harnwegsinfektion ist bei entsprechender Anamnese und typischen Beschwerden die Urinuntersuchung einschließlich quantitativer Urinkultur und deren Beurteilung“. Auf diese Definition hat sich die Arbeitsgruppe der S3-Leitlinie Harnwegsinfekte der AWMF verständigt (http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/043–044-m.html). Die Methode der Uringewinnung ist – wie von Fiegel und Höffler kritisiert – nicht Bestandteil dieser Definition. Je nach Art der Uringewinnung gelten andere Keimzahlen als diagnostisch beweisend, hier gibt es mehrere Arbeiten, in denen die bakteriologischen Ergebnisse der Blasenpunktion mit anderen Formen der Uringewinnung verglichen wurden. Eine Blasenpunktion liefert zweifellos Untersuchungsmaterial höchster Qualität, ist aber aus vielerlei Gründen (Verletzungsrisiko, Kosten) nicht zur routinemäßigen Diagnostik bei Erwachsenen in der Primärversorgung geeignet – für Kinder im Säuglingsalter stellt sich die Situation möglicherweise anders dar. So untersucht auch die von Fiegel und Höffler vorgestellte Studie das (spezielle) Klientel einer nephrologischen Ambulanz und ist damit nur eingeschränkt auf die Situation in der Primärversorgung übertragbar.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0825

Dr. med. Eberhard Kniehl

Prof. Dr. med. Eva Hummers-Pradier

Dr. med. Guido Schmiemann MPH

Institut für Allgemeinmedizin

Medizinische Hochschule Hannover, 30625 Hannover

E-Mail: schmiemann.guido@mh-hannover.de

Interessenkonflikt

Die Autoren aller Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Schmiemann G, Gebhardt K, Matejczyk M, Hummers-Pradier E: Brennen beim Wasserlassen – Anwenderversion der S3-Leitlinie Harnwegsinfekte. Düsseldorf: Omicron publishing 2009.
2.
Whiting P, Westwood M, Bojke L, Palmer S, Richardson G, Cooper J, et al.: Clinical effectiveness and cost-effectiveness of tests for the diagnosis and investigation of urinary tract infection in children: a systematic review and economic model. Health technology assessment 2006;10(36): 1–154. VOLLTEXT
3.
Epidemiologie, Diagnostik, antimikrobielle Therapie und Management von erwachsenen Patienten mit Harnwegsinfektionen Nr. 043/044 (in press) http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/043–044-m.htm
4.
Schmiemann G, Kniehl E, Gebhardt K, Matejczyk M, Hummers-Pradier E: The diagnosis of urinary tract infection: A systematic review. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(21): 361–7 VOLLTEXT
1.Schmiemann G, Gebhardt K, Matejczyk M, Hummers-Pradier E: Brennen beim Wasserlassen – Anwenderversion der S3-Leitlinie Harnwegsinfekte. Düsseldorf: Omicron publishing 2009.
2.Whiting P, Westwood M, Bojke L, Palmer S, Richardson G, Cooper J, et al.: Clinical effectiveness and cost-effectiveness of tests for the diagnosis and investigation of urinary tract infection in children: a systematic review and economic model. Health technology assessment 2006;10(36): 1–154. VOLLTEXT
3.Epidemiologie, Diagnostik, antimikrobielle Therapie und Management von erwachsenen Patienten mit Harnwegsinfektionen Nr. 043/044 (in press) http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/043–044-m.htm
4.Schmiemann G, Kniehl E, Gebhardt K, Matejczyk M, Hummers-Pradier E: The diagnosis of urinary tract infection: A systematic review. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(21): 361–7 VOLLTEXT

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