ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2010Körpergröße beachten
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In ihrer großen Kohortenstudie belegen die Autoren eindrücklich, dass abdominale Adipositas, hier mit dem Taillenumfang erfasst, das Diabetesrisiko weit über den BMI hinaus vorhersagt. Daraus schließen sie, dass zur Erfassung des Diabetesrisikos immer der Taillenumfang mit festen Grenzwerten mit einbezogen werden soll. Ich stimme uneingeschränkt zu, dass ein Maß der abdominalen Adipositas zur Risikoprädiktion unabdingbar ist, halte aber den Taillenumfang aus folgendem Grund für problematisch:

Man stelle sich einen 1,50 m großen Mann vor. Dieser muss weit mehr abdominales Fett ansammeln als ein 2 m großer Mann, um den gleichen Grenzwert von 102 cm für den Taillenumfang zu erreichen. Somit unterschätzt ein fester Grenzwert bei kleinen Menschen das mit dem abdominalen Fett assoziierte Risiko und überschätzt dieses bei großen Menschen (1).

Dies lässt sich umgehen, indem man ein Maß verwendet, das die Körpergröße miteinbezieht, wie zum Beispiel den Quotienten aus Taillenumfang und Körpergröße („waist to height ratio“, [WHtR]). Neure Studien zeigen auch, dass der WHtR das kardiovaskuläre Risiko gering aber signifikant besser als andere Maße der abdominalen Adipositas voraussagt (2, 3).

Feller et al. haben bei der Verwendung des Taillenumfangs körpergrößenbedingte Verzerrungen vermieden, in dem sie in ihren Analysen nach der Körpergröße adjustiert haben. Daher überrascht es nicht, dass die Ergebnisse gleich bleiben, wenn statt des Taillenumfangs der WHtR verwendet wird. Eine solche Adjustierung findet aber in der täglichen Praxis nicht statt, es sei denn, man verwendet den WHtR.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0826a

PD Dr. med. Harald J. Schneider

Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin

Universitätsklinikum Greifswald

der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Ferdinand-Sauerbruch-Straße, 17475 Greifswald

1.
Schneider HJ, Wittchen HU, Wallaschofski H: Correspondence: Obesity and risk of death. N Engl J Med. 2009; 360: 1043. MEDLINE
2.
Gelber RP, Gaziano JM, Orav EJ, Manson JE, Buring JE, Kurth T: Measures of obesity and cardiovascular risk among men and women. J Am Coll Cardiol 2008; 52: 605–15. MEDLINE
3.
Schneider HJ, Friedrich N, Klotsche J, et al.: The predictive value of different measures of obesity for incident cardiovascular events and mortality. J Clin Endocrinol Metab. 2010; 95: 1777–85. MEDLINE
4.
Feller S, Boeing H, Pischon T: Body Mass Index, Waist circumference, and the risk of type 2 diabetes mellitus—Implications for routine clinical practice. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(26): 470–6. VOLLTEXT
1.Schneider HJ, Wittchen HU, Wallaschofski H: Correspondence: Obesity and risk of death. N Engl J Med. 2009; 360: 1043. MEDLINE
2.Gelber RP, Gaziano JM, Orav EJ, Manson JE, Buring JE, Kurth T: Measures of obesity and cardiovascular risk among men and women. J Am Coll Cardiol 2008; 52: 605–15. MEDLINE
3.Schneider HJ, Friedrich N, Klotsche J, et al.: The predictive value of different measures of obesity for incident cardiovascular events and mortality. J Clin Endocrinol Metab. 2010; 95: 1777–85. MEDLINE
4.Feller S, Boeing H, Pischon T: Body Mass Index, Waist circumference, and the risk of type 2 diabetes mellitus—Implications for routine clinical practice. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(26): 470–6. VOLLTEXT

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