SUPPLEMENT: Reisemagazin

Kalifornien: Skier statt Surfboard

Dtsch Arztebl 2010; 107(46): [8]

Krieger, Bernhard

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Der Staat an der amerikanischen Westküste hat neben Hollywoodstars und Strandschönheiten eines der faszinierendsten Skigebiete der Welt vorzuweisen: Heavenly am Lake Tahoe.

Zwischen Wüste und Bergen – „Kein anderes Skigebiet auf der Welt bietet solche Kontraste“.
Zwischen Wüste und Bergen – „Kein anderes Skigebiet auf der Welt bietet solche Kontraste“.

Brian schaut mit weit aufgerissenen Augen hinunter ins Tal: „Ist das nicht unglaublich?“ Er war schon Dutzende Male hier oben auf dem höchsten Punkt des Skigebiets von Heavenly, aber das Panorama überwältigt ihn immer wieder. Im Osten zerfließt die Wüste von Nevada im Dunst, im Nordwesten schimmert der von weißen Gipfeln eingefasste Tahoe-See in Grün- und Blautönen. „Kein anderes Skigebiet auf der Welt bietet solche Kontraste“, meint Brian. Ein Skigebiet zwischen Wüste und Bergen und das ganze nur ein paar Hundert Meilen vom Pazifik entfernt. Gestern noch war Brian vor San Francisco Wellenreiten. In aller Herrgottsfrühe hat er sich dann ins Auto gesetzt und ist knapp vier Stunden zum Lake Tahoe in den Schnee gefahren – für amerikanische Verhältnisse ein Katzensprung.

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Auch wir waren gestern noch in San Francisco. Mit einem elfstündigen Flug in den Knochen sollte niemand gleich auf die Bretter steigen. Zwei Tage in San Francisco haben gereicht für eine Bootstour zur Golden Gate Bridge und zur legendären Gefängnisinsel Alcatraz, einen Abstecher mit den Cable Cars zur berühmten Fishermans Wharf und für eine kulinarische Weltreise in den Markthallen des Ferries Building. Nach einem kurzen Flug nach Reno und der zweistündigen Fahrt nach Heavenly stehen wir nun gemeinsam mit Brian am Einstieg der „Milkyway-Bowl“. Lässig kurvt der Kalifornier durch den Pulverschnee, als reite er eine Pazifikwelle ab. Obwohl wir so nah am Ozean sind, ist der Schnee erstaunlich trocken und damit leicht zu fahren. Der sanft geschwungene Hang ist ein purer Genuss – die rasante Geländeabfahrt danach in der dicht bewaldeten „Killebrew“- Schlucht dagegen eine echte Herausforderung.

Mit seinen 29 Liften und 95 Abfahrten ist Heavenly ein Skigebiet voller Gegensätze: Bucklige Steilhänge wie „The Face“ wechseln ab mit kilometerlangen Genussabfahrten, auf die im Jahresdurchschnitt immerhin rund sieben Meter Schnee rieseln. Das feine Bergrestaurant in der „Lakeview Lodge“ lockt die Gourmets, der stets umlagerte Burger-Grill vor der „East Peak Lodge“ die „Locals“. In dieser windgeschützten Mulde trifft sich Heavenlys exzentrische Freerider-Szene: Braun gebrannte Typen diskutieren mit lässig am Ellenbogen baumelnden Helmen über ihre neuesten Tiefschneeski. Eine Snowboarderin schält sich aus der Jacke und sonnt sich in ihrem mit Rüsche und Spitze verzierten Komperdell-Top, das eher an ein Korsett als an einen Rückenprotektor erinnert. Skiklamotten müssen im gar nicht prüden „Flower-Power-Staat“ eben nicht nur funktional, sondern auch sexy sein. Aus den Lautsprechern der „East Peak Lodge“ schallt eine Mischung aus Rock’n-Roll- und Country-Musik. Aber die Lautstärke bleibt genauso moderat wie der Alkoholkonsum. Hier oben grölt kein „Anton aus Tirol“. Auch beim Après-Ski im „Fire & Ice“ an der Talstation der Gondelbar geht es gesittet zu. Wer wilde Hüttengaudi sucht, ist in Heavenly fehlt am Platz.

Alpine Romantik sucht man auf der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada vergeblich, dafür spürt man die Nähe zu Las Vegas. Fotos: Brigita Krieger
Alpine Romantik sucht man auf der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada vergeblich, dafür spürt man die Nähe zu Las Vegas. Fotos: Brigita Krieger

Alpine Romantik sucht man auch in dem auf der Staatengrenze zwischen Kalifornien und Nevada liegenden Ort South Lake Tahoe am Fuß des 3 068 Meter hohen Heavenly-Bergs vergeblich: Die kalifornische Seite versprüht den spröden Charme eines Provinznests. Auf der Nevada-Seite dagegen blinken, rattern und klirren in sechs riesigen Spielcasinos mehr als 3 000 Spielautomaten rund um die Uhr. 400 Spieltische locken die Zocker. Statt ihr Glück am Roulettetisch zu versuchen, sollten Ski-urlauber ihr Geld lieber für einen Abstecher zu den kleineren Skiorten am nördlichen Lake Tahoe sparen. Squaw Valley lockt die Könner. Der Ort der Olympischen Winterspiele 1960 wirkt im Vergleich zum schillernden Heavenly zwar ein wenig angestaubt, dafür bietet er aber grandiose Geländeabfahrten. Genussskifahrer sind am besten in Northstar aufgehoben. Wenn es am Lake Tahoe mal wieder richtig heftig schneit, ist das jüngste der Tahoe-Skigebiete mit seinem familienfreundlichen Skidorf auch Brians Geheimtipp: „Hier gehen viele Pisten durch die Wälder. Das erleichtert die Sicht, wenn es schneit“, meint Brian. Sein Lieblingsrevier aber bleibt Heavenly: „Das ist größer und abwechslungsreicher als alle anderen.“ Bernhard Krieger

Informationen:

Lage und Anreise: 90 Kilometer südlich von Reno und 320 Kilometer nordöstlich von San Francisco am südlichen Lake Tahoe in Kalifornien. Lufthansa und United Airlines fliegen via San Francisco nach Reno. Mietwagen bucht man am besten von Deutschland aus bei Holiday Autos, www.holidayautos.de.

Anbieter: Argus Reisen, Alte Dorfstraße 44 a , 37120 Bovenden/Eddigehausen, Telefon: 05594 930930, www.argusreisen.de.

Unterkunft: Perfekt für einen Zwischenstopp: The Orchard Garden Hotel, 466 Bush Street, San Francisco, California 94108, Telefon: 01 415 3999807, www.theorchardgardenhotel.com.

Auskünfte: Vail Resorts, Telefon: 0221 9235692;
E-Mail: info@vailresorts.de, www.snowusa.com.

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