ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinSUPPLEMENT: Reisemagazin 2/2010Ein Streifzug durch das Elsass: À votre santé

SUPPLEMENT: Reisemagazin

Ein Streifzug durch das Elsass: À votre santé

Dtsch Arztebl 2010; 107(46): [30]

Buhr, Uta

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Schlemmen und degustieren entlang der Elsässischen Weinstraße

Postkartenidylle an der Elsässer Weinstraße: Hunawihr steht auf der Liste der schönsten Dörfer Frankreichs. Fotos: laif
Postkartenidylle an der Elsässer Weinstraße: Hunawihr steht auf der Liste der schönsten Dörfer Frankreichs. Fotos: laif

Es ist früher Morgen. Die ersten Sonnenstrahlen stehlen sich durch die Wolken und tauchen die Weinberge in gleißendes Licht. Pralle dunkelrote Trauben leuchten zwischen dem bereits angegilbten Laub. In der „Cave Coopérative“ in Turckheim ist seit dem ersten Hahnenschrei alles auf den Beinen. Jean, der Wortführer der 216 Mitglieder zählenden Genossenschaft, frohlockt: „Mit der Pinot-Noir-Ernte dürfen wir in diesem Jahr zufrieden sein.“

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Unsere kleine Gruppe ist für zwei Stunden als Erntehelfer eingesetzt. Auf dem benachbarten Weinberg wächst der berühmte Gewürztraminer. „Der braucht noch ein wenig bis zur Ernte“, erklärt Jean. „Aber wir probieren nachher ein Glas dieses wunderbaren Tröpfchens aus einem besonderen Jahrgang.“ Die Weinprobe findet gegen Mittag in einem jener romantischen, für das Elsass so typischen Innenhöfe statt. Gefallen finden wir auch an dem spritzigen Crémant, einem Schaumwein, der manchem Champagner in nichts nachsteht.

Turckheim ist ein Ort von großem Reiz. Ein über und über mit Blumen geschmücktes Fachwerkhaus reiht sich an das nächste. Ein Rundgang durch die alten Gassen, und schon sind wir wieder auf der Landstraße. Unsere Reise über die Elsässische Weinstraße führt uns heute in die Stadt Obernai, eine weitere Postkartenidylle. Hier ist Geocoaching angesagt in den Weinbergen der „Couronne d’Or.“ Die Schnitzeljagd verbindet Technologie und Natur auf unterhaltsame Weise. Mithilfe eines GPS-Geräts werden die Teilnehmer kreuz und quer durch den Ort und in die Weinberge geschickt auf der Suche nach einer in Popfarben gekennzeichneten Sehenswürdigkeit.

Die „Domaine Klur“ liegt am Rand von Katzental. Das Dorf ist ein Zentrum des französischen Ökotourismus. Das Ehepaar Klur, junge dynamische Winzer, hat sich seit der Jahrtausendwende ganz dem Anbau von Bioweinen verschrieben. „Sie sind bekömmlicher“, argumentiert Clément Klur. „Unser Terroir – Charakter und naturgegebene Faktoren des Bodens – eignet sich vorzüglich für die Kultur biodynamischer Gewächse.“ Touristen sind jederzeit im behaglich eingerichteten Gästehaus der Klurs willkommen. Sie dürfen auch bei der Weinlese helfen.

Was wäre eine Reise durch die Genussregion Elsass ohne den Besuch einer zünftigen „Winstub“, in der alles auf die blank gescheuerten Tische kommt, was Küche und Keller hergeben. Ob „Baeckeoffe“ (Eintopf aus mehreren Fleischsorten, Kartoffeln und Wein), Coq au Riesling (Hähnchen in Riesling) oder Schiffala (geschmorte Schweineschulter) – die rustikalen Gerichte munden köstlich. Ein Hochgenuss ist die von einem Gewürztraminer begleitete foie gras (Gänsestopfleber).

Ein weiteres Kapitel im weit gefächerten Angebot elsässischer Weine sind die „Vendanges tardives“, die Spätlesen. Sie werden aus den Rebsorten Gewürztraminer, Pinot Gris, Riesling oder Muscat im überreifen Zustand gekeltert. Die Ernte findet in der Regel mehrere Wochen nach dem offiziellen Beginn der Weinlese statt. „Neben der Rebsorte und ihrem aromatischen Charakter prägen die Konzentration und der Edelschimmel die Identität des Weines“, erklärt ein Winzer in Colmar.

Dort lässt auch ein Kochkurs im „Cardamome“ bei Meisterköchin Isabelle Sipp die Herzen höher schlagen. Angetan mit weißen Schürzen schneiden, quirlen, pürieren wir, was das Zeug hält. Nach dem Genuss des selbst bereiteten Menus aus gegrilltem Lachs, Salat und gebackenen Pfirsichen steht ein letzter Besuch bei einem Winzer in Pfaffenheim an. Pierre Frick, der uns in der Probierstube empfängt, ist ein Verfechter schwefelfreier Weine. „Zu viel Schwefel schadet“, sagt er und schenkt einen leicht moussierenden Pinot Blanc ein. Jede Drehung des Glases löst ein wenig Kohlensäure, verringert das Perlen und ändert Aroma und Geschmack. „À votre santé“, lächelt Monsieur Frick. Uta Buhr

Auskunft: Atout France – Französische Zentrale für Tourismus, Zeppelinallee 37, 60325 Frankfurt am Main,
Telefon: 0900 1570025, www.franceguide.com.

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