SUPPLEMENT: Reisemagazin

Port Ghalib: Parallelwelt am Roten Meer

Dtsch Arztebl 2010; 107(46): [27]

Motz, Roland

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Seit den Pharaonen hat es keine Baustelle von solchen Dimensionen mehr in Ägypten gegeben. Die pompöse Anlage mitten im Niemandsland soll betuchte Touristen anlocken.

Platz für 1 000 Schiffe: der Hafen der Kunststadt Port Ghalib. Foto: picture alliance
Platz für 1 000 Schiffe: der Hafen der Kunststadt Port Ghalib. Foto: picture alliance

Auf der Fahrt von Hurghada in den Süden versucht die Straße manchmal, der Wüste zu entfliehen, schlägt Bögen und nähert sich dem Wasser bis auf wenige Meter – vergeblich. Es gibt kein Entkommen. Karge Hügel, staubtrockene Ebenen, Steine und Sand. Links das Rote Meer, rechts die Wüste, ab und zu eine festungsähnliche Anlage, mal mehr und öfters noch, weniger schön.

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Dann mitten im Niemandsland eine Fata Morgana aus Tausenden von Palmen, die Dutzende von Straßen umsäumend sich scheinbar ziellos zum Meer hinschlängeln. Doch hinter einer großen Sanddüne wird eine ganze Stadt sichtbar: ein künstliches, pompöses Paralleluniversum im Wüstensand mit eigenem Souk und Uferpromenade, mehreren Hotels, einem riesigen Jachthafen, Incentivecenter, Wellnessoase, Shoppingmall – also eigentlich mit allem, was der Individualtourist weder mag noch braucht. Aber für diese Klientel ist Port Ghalib auch nicht gedacht. Betuchte Araber und Europäer, die bisher auf die künstliche Lagunenstadt El Gouna nördlich von Hurghada als exklusiven Urlaubsort hier am Roten Meer angewiesen waren, sind die Zielgruppe.

Seit den Pharaonen hat es keine Baustelle von solcher Dimension mehr in Ägypten gegeben. Hauptinvestor des 18 Kilometer langen Küstenstreifens rund um Port Ghalib ist die in Kuweit ansässige Kharafi Group, die bereits für andere Projekte mehrere Milliarden Dollar in den ägyptischen Sand gesetzt hat. Unter anderem gehört den finanzstarken Ölscheichs auch der von Port Ghalib in wenigen Minuten erreichbare Internationale Flughafen Marsa Alam – der erste und einzige private des Landes. Im Zentrum der gesamten Anlage liegt die zweitgrößte von Menschenhand geschaffene Süßwasserlagune der Welt. Zehn Millionen Liter Wasser fasst das 8 500 Quadratmeter große Riesenbecken, um das sich im Halbkreis dem Meer zugewandt drei 5-Sterne-Hotels im neomaurischen Stil schmiegen. Zwei große Bohrlöcher versorgen die Lagune mit frischem Meerwasser und lassen den Traum von der Oase im Wüstensand Wirklichkeit werden.

Das Personal in den Hotels und Restaurants gibt sich alle erdenkliche Mühe, uns zufriedenzustellen, das Essen ist hervorragend. Aber an einigen Stellen ist der Baustellencharakter noch spürbar. So ist es zu früh, um ein Urteil darüber abzugeben, ob sich hier tatsächlich, wie vom Hotelmanager gepriesen „Orient und Okzident mit Abenteuer, Spaß und Erholung“ vereinen werden und damit das Projekt für Touristen und Investoren zum gewünschten Erfolg wird. Der unmittelbar nach der Eröffnung erfolgte Rücktritt vom Vertrag durch die südafrikanische Luxushotelkette Sun International, die ursprünglich alle drei Hotelanlagen von Port Ghalib langfristig betreiben sollte, ist jedenfalls nicht gerade ein ermutigendes Zeichen. Dass ambitionierte Tourismusprojekte in Ägypten auch scheitern, kann man an den Hotelskeletten im Sinai betrachten. Sindbad, Sultan’s Palace und so weiter heißen die ernüchternden Investitionsruinen im Wüstensand der Halbinsel, wo die Touristen aus Terrorangst wegbleiben, um woanders ihr Glück zu suchen. Ein erfolgreiches Port Ghalib wäre wünschenswert. Immerhin schafft die künstliche Welt mit den geradezu pharaonischen Ausmaßen Tausende von Arbeitsplätzen. Aber wie fragil die politische Stabilität in Ägypten ist, zeigen nicht nur immer wiederkehrende Unruhen und Anschläge in Kairo, sondern auch die zahlreichen Polizeikontrollen an der Küstenstraße nach Hurghada. Der Weg zu dem eigentlich recht nahe gelegenen Tal der Könige in Luxor kann aus Sicherheitsgründen nur im Polizeikonvoi zurückgelegt werden und dauert daher eine halbe Ewigkeit.

Werden wirklich einmal 1 000 Schiffe im mondänen Jachthafen anlegen und so nach Ägypten ein- oder ausreisen, wenn sich schon jetzt kein Boot mehr alleine in den Golf hinaus traut und selbst Luxusjachten mit 30 Mann Besatzung Opfer von Entführungen werden? Mag die Welt an Land und auf dem Meer gefährlich sein, unter Wasser ist sie jedenfalls noch in Ordnung. Port Ghalib punktet mit einer intakten großartigen Unterwasserwelt, die weiter nördlich nicht mehr zu finden ist. Begleitet von der deutschen Tauchlehrerin gleiten wir zwischen Rochen, Schildkröten und zahllosen Fischen durch einen bunten, beweglichen Zauberwald, der uns an Land nicht mehr aus dem Schwärmen herauskommen lässt. Die Korallengärten sind keine halbe Stunde Bootsfahrt von der künstlichen Uferpromenade entfernt. Roland Motz

Informationen: Die großen Reiseveranstalter haben die Hotelanlagen von Port Ghalib im Angebot. Nähere Infos sind erhältlich im Internet unter: www.portghalib.com.

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