Supplement: Reisemagazin

Bangkok 2010: Stadt der Engel

Dtsch Arztebl 2010; 107(46): [22]

Motz, Roland

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Wirtschaftskrise und politische Unruhen haben in der thailändischen Hauptstadt Spuren hinterlassen. Doch der Optimismus der Tourismusmanager ist ungebrochen.

Nicht schön, aber unglaublich spannend und lebendig:Bangkok findet allmählich zurück in den Alltag. Foto: mauritius images
Nicht schön, aber unglaublich spannend und lebendig:
Bangkok findet allmählich zurück in den Alltag. Foto: mauritius images

Der verkehrsumtoste Moloch mit seinen zwölf Millionen Menschen liegt tief unten. Nur gedämpft wie das Rauschen eines weit entfernten Wasserfalls dringt der Lärm der Stadt zu uns herauf. Ein heftiges Gewitter hat den Smog für ein paar Stunden hinweggefegt, die Luft ist nicht mehr schwül, das Klavier wird wieder ins Freie geschoben. Mit dem Cocktailglas in der Hand blicken wir über den Pianospieler der Skybar hinweg auf das endlose Lichtermeer und hören Jay Jhingran zu. „Die Demonstranten durften Lager am Lumpini Park bilden“, sagt der indoösterreichische Generalmanager des Lebua Hotels, auf dessen Dachterrasse wir uns befinden, „ein großer strategischer Fehler der Regierung.“ Sie habe Ausmaß und Dynamik der Protestbewegung völlig unterschätzt. Natürlich sei die Hotelbelegung während der Besetzungszeit stark zurückgegangen. Aber letztlich haben Thonburi, die Schwesterstadt auf der anderen Seite des Chao Phraya Flusses, und das Viertel um den State Tower von der Krise profitiert, weil es hier ruhig blieb. Innerhalb eines Vierteljahres erholt sich der Markt, das sind Bangkoks Erfahrungen aus den Krisen von 2006 und 2010. Zuerst kommen die Geschäftsleute, dann die über das Internet buchenden Reisenden, während sich die Veranstalter aus Versicherungsgründen erst einmal zurückhalten. „Inder und Russen waren sofort wieder da, die sind Unruhen gewöhnt“, sind sich unsere Gesprächspartner aus der Hotelbranche einig. Aber auch die deutschen Touristenzahlen sind stabil.

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Wer jedoch aus dem luxuriösen Paralleluniversum der angesagten Dachterrassen-Lounges hinabtaucht in das faszinierende Puzzle aus bunten Märkten, dampfenden Garküchen, glitzernden Shopping Malls, goldstrahlenden Buddhatempeln, verglasten Bürotürmen, festungsartigen Luxushotels und sich zu Fuß, mit dem Tuk Tuk oder gar mit den noch lebensgefährlicheren Motorradtaxis in das Gewusel stürzt, hört andere Stimmen. So klagen die Masseurinnen vor dem Wat Pho, dem Tempel des liegenden Buddha, in dem sich Thailands bekannteste Massageschule befindet, über mangelnde Beschäftigung. Die Dinnerkreuzfahrt mit der alten Reisbarke Loy Nava ist nur zur Hälfte belegt, auf dem Suan Lum Nachtmarkt am Lupini Park verlieren sich die wenigen Touristen, und auch Amueg, der uns mit seinem Longtailboot an unzähligen Barkassen und Lastkähnen vorbei durch die schlammigen Fluten des Chao Phraya in die Seitenkanäle manövriert, klagt über die Halbierung seiner Einkünfte. „Wir begehen kollektiven Selbstmord“, sagt unser deutschsprachiger Begleiter Khun Chaiwat, „ohne dabei sanuk, die vielgerühmte thailändische Lebensfreude zu verlieren.“

Immer tiefer dringen wir in die Welt der Khlongs ein, an deren Ufern windschiefe Teakholzhäuser auf Pfählen im Schatten üppiger Mango- und Guavenbäume vorbeiziehen. Lächelnde Marktfrauen steuern ihre mit Gemüse und Obst überladenen Boote durch grüne Hyazinthenteppiche, die die kleineren Seitenarme zu verstopfen drohen. Auf dem Rückweg zum großen Fluss sehen wir einen Elefanten direkt am Kanal. Khun Chaiwat, der uns schon beim Besuch eines Khmer Tempels mit der Beobachtung überrascht hat, Kambodscha und Österreich seien gleich – „früher groß, heute klein“ –, hat eine neue Gemeinsamkeit entdeckt. Auch Elefanten und Jugendliche seien gleich – „früher beschäftigt, heute arbeitslos“. Seit dem Verbot des Tropenholzeinschlags versuchen Elefantenführer immer wieder, ihre arbeitslosen Tiere nach Bangkok zu bringen. Das trägt nicht zur Verkehrsberuhigung bei, verschafft den Mahouts aber ein Einkommen, da die Thais im Elefanten einen Glücksbringer sehen und gerne bereit sind, 60 Baht dafür zu zahlen, dreimal unter dessen Bauch durchkrabbeln zu dürfen. Der Ausbau von Elefantencamps in Hauptstadtnähe, wo man nicht nur auf ihnen reiten, sondern sich auch von ihnen massieren lassen kann, hat das Problem entschärft. Für die Beseitigung der Jugendarbeitslosigkeit hat man indes noch keine Lösung gefunden.

Die Stadt der Engel ist keine schöne Stadt, eine unglaublich spannende und lebendige ist sie allemal. Wirtschaftskrise und politische Unruhen haben Spuren hinterlassen. Dennoch wird die touristische Infrastruktur unverdrossen ausgebaut. Seit einem Jahr ist der Westen Bangkoks mit dem Skytrain zu erreichen. Der gerade in Betrieb genommene Flughafenexpress bringt die Reisenden in nur 15 Minuten ins Zentrum, und im November wird das während der Mai-Unruhen teilweise zerstörte, größte Einkaufszentrum Südostasiens Central World wiedereröffnet. Wer beobachtet, mit welch unerträglicher Leichtigkeit die Besucher der Edelrestaurants auf den Dächern Bangkoks ihre gigantischen Rechnungen gegenzeichnen, wünscht sich, dass der Optimismus der Tourismusmanager Früchte trägt und hofft dabei, dass ein Teil der Einnahmen auch zu denen durchsickert, die mit ihrer herzlichen Freundlichkeit und ihrem unaufdringlichen Service Thailand zu so einem großartigen Reiseziel machen. Roland Motz

Informationen: Thailändisches Fremdenverkehrsamt,
Bethmannstraße 58, 60311 Frankfurt, Telefon: 069 1381390,
www.thailandtourismus.de, E-Mail: info@thailandtourismus.de.

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