ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2010Randnotiz: Versuchung ohne Reue

AKTUELL

Randnotiz: Versuchung ohne Reue

Dtsch Arztebl 2010; 107(46): A-2261 / B-1957 / C-1921

Zylka-Menhorn, Vera

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Eine 100-Gramm-Tafel Schokolade enthält 30 Gramm Fett und 500 Kalorien, sie gilt daher nicht als Nahrungsmittel für Gesundheitsbewusste. Oder sollte sie etwa doch? Es mehren sich die Studien, die – zwar mit geringen Probandenzahlen und nur für Varianten mit hohem Kakaoanteil – einen positiven Effekt auf zahlreiche Stoffwechselparameter gefunden haben. So hat der deutsche Arm der EPIC-Studie den Verzehr von Schokolade mit einer Reduktion des Schlaganfall- und Herzinfarktrisikos in Verbindung gebracht (European Heart Journal 2010; doi: 10.1093/eurheartj/ehq068).

Zuvor hatten Pharmakologen der Universität zu Köln zeigen können, dass der tägliche Verzehr von einem Stückchen Zartbitter den Blutdruck senkt (JAMA 2007; 298: 49–60). Schwedische Wissenschaftler haben nun das Geheimnis für diesen Effekt gelüftet: Sie wiesen nach, dass drei Stunden nach Verzehr die Aktivität des Angiotensin-converting-Enzyms (ACE) um 18 Prozent gehemmt worden war, was dem Wirkungsgrad der ACE-Hemmer entspricht (Journal of Cardiovascular Pharmacology doi: 10.1097/FJC.0b013e3181fe62e3).Auch Diabetiker müssen es nicht bereuen, wenn sie in geringen Maßen der zarten Versuchung erliegen. In einer klinischen Studie verbesserte der Verzehr von 45 Gramm dunkler Schokolade die Lipidparameter von Typ-2-Diabetikern: Das HDL-Cholesterin stieg, während das Verhältnis aus Gesamtcholesterin zum HDL-Cholesterin abfiel (Diabetic Medicine 2010; doi: 10.1111/j. 1464–5491.2010.03108.x).

Selbstverständlich lassen sich aus diesen unterschiedlichen Befunden keine Er­näh­rungs­emp­feh­lung­en ableiten, aber: Man muss wohl auch nicht jede kleine „Sünde“ direkt bereuen.

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema