ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2010Chronisches Handekzem: Alitretinoin für therapierefraktäre Formen

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Chronisches Handekzem: Alitretinoin für therapierefraktäre Formen

Dtsch Arztebl 2010; 107(46): A-2301

Bischoff, Martin

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Handekzeme stellen keine homogene Krankheitsentität dar. Chronische Fälle erfordern lang dauernde Krankschreibungen. Foto: Archiv
Handekzeme stellen keine homogene Krankheitsentität dar. Chronische Fälle erfordern lang dauernde Krankschreibungen. Foto: Archiv

Das orale Vitamin-A-Derivat ist eine Option bei Verlaufsformen, wenn die lokale Therapie mit stark wirksamen Kortikoiden nicht mehr anspricht.

Das schwere chronische Handekzem (CHE) lässt sich mit den bisher verfügbaren topischen Kortikosteroiden oft nur unbefriedigend in den Griff bekommen. Als Quantensprung in der Behandlung dermatologischer Erkrankungen bezeichnete Prof. Dr. med. Thomas Ruzicka (München) die Einführung der Vitamin-A-Derivate, zu denen auch Alitretinoin (Toctino®) gehört. Alitretinoin wurde 2008 in Deutschland spezifisch für die Behandlung des schweren chronischen Handekzems, das nicht auf potente topische Kortikosteroide anspricht, zugelassen. Ruzicka zufolge wirkt Alitretinoin zugleich antiinflammatorisch und epidermal. Als besonders vorteilhaft bezeichnete er die Tatsache, dass die Haut unter der Behandlung nicht austrocknet.

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Zehn Jahre lang Symptome

Die mit mehr als 1 000 Teilnehmern weltweit größte Studie beim chronischen Handekzem nennt sich BACH(Benefit of Alitretinoin in Chronic Hand Eczema)-Studie. Die beteiligten CHE-Patienten litten seit mehr als zehn Jahren an ihrer Erkrankung und waren refraktär gegen potente topische Glukokortikosteroide. In drei Gruppen im Verhältnis 2 : 2 : 1 (Alitretinoin Weichkapsel 10 mg beziehungsweise 30 mg, Placebo) wurden sie je nach Abheilung zwölf bis 24 Wochen lang einmal täglich behandelt und über 24 Wochen im Follow-up nachbeobachtet.

Unter der höheren Dosierung erreichte innerhalb der Behandlungsphase jeder zweite Patient das Kriterium fast vollständige oder vollständige Abheilung, unter 10 mg gelang dies jedem dritten, wie Ruzicka berichtete. Beide Ergebnisse übertrafen Placebo signifikant. Die Symptome des CHE (gemäß dem Modified Tissue Lesion Symptom Score) besserten sich im Laufe der 24 Wochen stetig und hatten sich unter der 30-mg-Gabe schließlich um 75 Prozent verringert. Während der sechsmonatigen Nachbeobachtung der BACH-Studie kam es bei 35 Prozent der erfolgreich behandelten Patienten zu einem Rezidiv. Ruzicka wies aber darauf hin, dass damit eben auch 65 Prozent der Patienten von einem erneuten Handekzem verschont blieben. Diejenigen, die ein Rezidiv entwickelt hatten, wurden in einer Wiederbehandlungsstudie erneut über zwölf bis 24 Wochen mit Alitretinoin behandelt, und zwar in derselben Dosierung wie in der vorangegangenen Phase. Mit 30 mg Alitretinoin heilten die Hände bei 80 Prozent der Patienten wiederum fast vollständig oder vollständig ab, mit 10 mg täglich bei 48 Prozent.

Strikte Kontrazeption

Die Nebenwirkungen waren typisch für Retinoide: Kopfschmerzen und kurzzeitige Anstiege von Cholesterin- und Triglyzeridwerten wurden am häufigsten beobachtet. Sie waren dosisabhängig und reversibel. Selten klagten die Teilnehmer über trockene Lippen oder trockene Haut. Wichtig sind, wie bei allen Vitamin-A-Säure-Derivaten, eine strikte Kontrazeption und Schwangerschaftstests vor und während der Therapie.

Prof. Dr. med. Thomas Diepgen (Heidelberg) betonte die enorme sozialmedizinische Bedeutung des CHE mit teilweise lang andauernder Arbeitsunfähigkeit und therapierefraktären Verläufen. Um mehr über Ursachen, Therapie und Prognose zu erfahren, wurde in Deutschland das weltweit einzigartige Register CARPE gestartet. Erste Daten lassen eine deutliche Unterversorgung erkennen. Nur wenige Patienten erhalten eine leitliniengerechte systemische Therapie, aber nahezu alle topische Kortikosteroide.

Martin Bischoff

Fachpressekonferenz „Toctino® – erfolgreich im Langzeitmanagement und bewährt im Praxisalltag“ im Rahmen der 22. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie in München, Veranstalter: Basilea-Pharmaceutica

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