ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2010Fibroblasten in hämatopoetische Zellen umgewandelt

AKTUELL: Akut

Fibroblasten in hämatopoetische Zellen umgewandelt

Dtsch Arztebl 2010; 107(46): A-2262 / B-1958 / C-1922

Meyer, Rüdiger

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Die Behandlung hämatologischer Erkrankungen könnte sich in absehbarer Zeit erheblich verändern. Denn es ist gelungen, Fibroblasten der Haut in Vorläuferzellen des blutbildenden Gewebes zu verwandeln (Nature 2010; doi: 10.1038/nature09591). Versuchstiere entwickelten ein menschliches Blutbild, ohne an Teratomen zu erkranken. Klinische Studien könnten bereits 2012 beginnen.

In den letzten Monaten war es zwei anderen Forschergruppen gelungen, die Fibroblasten in Neurone (Nature 2010; 463: 1035–41) oder Myokardzellen (Cell 201; 142; 375–86) zu verwandeln, ohne dabei den Umweg über die sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) zu gehen, der sich als umständlich und in der Ausbeute als ineffektiv erwiesen hatte. Außerdem war die Notwendigkeit, bis zu vier Gene in die Zelle einzubringen, mit einem erhöhten Risiko auf die Induktion von Tumoren einhergegangen.

Die Gruppe um Mick Bhatia von der McMaster-Universität in Hamilton im kanadischen Teilstaat Ontario musste zwar ebenfalls mittels Genfähre ein Fremdgen, das bereits vom Stammzellpionier Yamanaka verwendete OCT4, in die Fibroblasten einbringen. Der Umweg über die iPS war jedoch nicht notwendig. Unter Zugabe bestimmter Wachstumsfaktoren verwandelten sich die Fibroblasten direkt in hämatopoetische Zellen.

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Diese exprimierten nicht nur das für diese Zellen charakteristische CD45-Antigen, sie waren auch in der Lage, sich in die Vorläuferzellen von Granulozyten, Monozyten, Mega-
karyozyten und Zellen der Erythropoese zu verwandeln und damit in alle Zelltypen des blutbildenden Knochenmarkgewebes.

Die so induzierten Erythrozyten bildeten adulte Versionen des Hämoglobins, die zum Sauerstofftransport befähigt waren. Die Experimente seien sowohl mit den Fibroblasten jüngerer als auch älterer Menschen gelungen, berichten die Forscher, die bereits hämatopoetische Stammzelltransplantationen bei Mäusen durchgeführt haben: Nach acht Wochen sollen die menschlichen Zellen ein Fünftel des blutbildenden Gewebes der Maus ersetzt haben.

Sollte dies gelingen, könnten sich für die Hämatologie völlig neue Perspektiven eröffnen. Sie reichen von der In-vitro-Produktion von Blutkonserven bis hin zu einer Ausweitung der hämatopoetischen Stammzellbehandlungen, für die nicht mehr mühevoll nach geeigneten Spendern gesucht werden müsste, da die körpereigenen Fibroblasten eine vollkommene HLA-Identität versprechen. rme

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