ArchivDeutsches Ärzteblatt40/1997100 Jahre: Maggi-Würze Die kleine braune Flasche

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100 Jahre: Maggi-Würze Die kleine braune Flasche

Dtsch Arztebl 1997; 94(40): [48]

Schinzel, Horst

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LNSLNS Gourmets verabscheuen sie, aber dennoch steht sie auf fast jedem Gasthaustisch - die kleine braune Flasche mit dem gelb-roten Etikett. In diesem Jahr begeht die Firma, die dieses Produkt vertreibt, ihr hundertjähriges Bestehen. Erfunden hatte Michael Johannes Julius Maggi diesen Würzstoff wie auch die charakteristische Flasche schon ein Jahrzehnt zuvor.
Der Tüftler und Kaufmann Maggi wurde am 9. Oktober 1846 in Frauenfeld im Kanton Zürich als fünftes Kind des Mühlenbesitzers Michael Maggi und dessen Frau Sophie geboren. 1872 übernahm er den väterlichen Betrieb in Kempttal und erwarb in der Folge Mühlen in Zürich und Schaffhausen. Er lernte den Sozialreformer, Arzt und Fabrikinspektor Dr. med. Fridolin Schuler kennen, den das Elend breiter Arbeiterschichten und vor allem die hohe Kindersterblichkeit bewegte. Gemeinsam erkannten sie, daß beides vor allem auf Mangelernährung zurückzuführen sei. Julius Maggi glaubte, daß sich mit eiweißreichen Hülsenfrüchten zu erschwinglichen Preisen Abhilfe schaffen ließe. Das war der Ausgangspunkt für die Erfindung kochfertiger Suppen aus Erbsen- und Bohnenmehl. 1886 konnte Maggi die ersten Produkte zum Patent anmelden. Freilich - sonderlich schmackhaft waren diese Tütenprodukte nicht. Das war der Ursprung der Idee, eine Würze zu schaffen, die auch die fadeste Suppe halbwegs genießbar machen würde. Bald kamen dann noch Bouillon-Kapseln und Saucen hinzu. Alle Produkte des Julius Maggi wurden vorerst im heimischen Kempttal produziert und auf dem Schweizer Markt erprobt.
Im Sommer 1887 mietete Julius Maggi in der Nähe des Bahnhofs von Singen am Hohentwiel ein kleines Haus, in dem ein Verwalter und sieben Arbeiterinnen die im heimischen Kempttal hergestellte Suppenwürze in verkaufsfertige Einheiten portionierten. Weitere Niederlassungen in Paris, Mailand, Prag, Posen und Amsterdam folgten. Verkaufslager in Berlin, Wien, London und New York sorgten für den weltweiten Absatz - ein Absatz, der so erfolgreich war, daß die Maggi GmbH 1897 als eigenständiges Unternehmen gegründet wurde. Aus dem kleinen Haus in der Singener Bahnhofstraße wurde bald ein ausgedehntes Fabrikgelände.
Der rastlose Julius Maggi starb bereits mit 66 Jahren 1912. Seine Firma blieb über zwei Weltkriege hinweg im Familienbesitz. 1947 übernahm die Nestlé AG das Unternehmen, das heute rund 3 000 Mitarbeiter beschäftigt. Horst Schinzel
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