ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2010Leichenschau: Keine Verhandlungssache
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In meiner 17-jährigen Tätigkeit als Notarzt und kassenärztlicher Notfalldienst war ich mit vielen ungeklärten und unnatürlichen Todesfällen konfrontiert. Mein Erstaunen wurde von Jahr zu Jahr größer, weil ich in 17 Jahren keine einzige staatsanwaltlich angeordnete innere Leichenschau erreichen konnte. Stattdessen erhalte ich seit 17 Jahren dasselbe vergilbte hektografierte Formblatt vom Staatsanwalt, in dem mir mitgeteilt wird, eine Leichenöffnung habe nicht stattgefunden und die Todesursache sei ungeklärt geblieben.

Hingegen erlebte ich wiederholte Rückfragen von Kriminalbeamten, die darum baten, doch bitte häufiger eine natürliche Todesursache zu bescheinigen. Als ob dies bei vorhandenen, klar benennbaren Entscheidungsgründen eine Verhandlungssache wäre. Dieses wegschauende Verhalten der Staatsanwaltschaften lässt sich durch die Neuregelung der ärztlichen Leichenschau nicht verbessern.

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Dr. med. Stefan Diez, 75365 Calw

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