ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2010Börsebius: Staatlich legitimierte Bilanzfummler

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Börsebius: Staatlich legitimierte Bilanzfummler

Dtsch Arztebl 2010; 107(46): A-2304 / B-1992 / C-1956

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Donnerwetter! Hat sich der Staat möglicherweise doch nicht verkalkuliert? Auf dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise griffen Merkel & Co beherzt zu und teilverstaatlichten die Commerzbank. Der Steuerzahler war mit von der Partie, es bedurfte bekanntlich auch einiger Milliarden Euro (16,4) aus dem öffentlichen Säckel, um das damals systemrelevante Kreditinstitut vor dem Garaus zu bewahren. Das scheint ja nun alles in trockenen Tüchern zu sein. Immerhin sieht es danach aus, als würde die Commerzbank AG für das laufende Geschäftsjahr einen Milliardengewinn ausweisen können. Das operative Ergebnis für die ersten neun Monate summiert sich immerhin schon auf mehr als 1,17 Milliarden Euro. Also alles richtig gemacht?

Der Bund, so sieht es aus, hat die Rechnung jedoch ohne den Wirt gemacht. Dies ist in diesem Fall der Finanzvorstand der Commerzbank, Eric Strutz. Der zauberte just dieser Tage eine „signifikante Wertberichtigung“ auf den Buchwert der Tochter Eurohypo aus dem Hut. Das Ergebnis des bilanziellen Wechselspiels zwischen einem milliardenschweren Gewinn nach dem Standard IFRS und dem deutschen Handelsgesetzbuch HGB ist in aller Schlichtheit, dass der Bund nunmehr keine Zinszahlungen auf seine stillen Einlagen bei der Commerzbank zu erwarten hat. Gewinn hin, Gewinn her. Mit anderen Worten: 1,5 Milliarden sind futsch, und damit erhält die zweitgrößte deutsche Bank im Grunde eine erneute Finanzspritze in eben dieser Höhe.

Wenn ein Finanzchef in der komfortablen Lage ist, dem Staat bilanzgestaltungstechnisch eine lange Nase zu drehen, ist Gefahr im Verzug. Zumindest moralisch. Der Steuerzahler, bei der Bankenrettung vollbeteiligt, hat es nicht verdient, so über den Tisch gezogen zu werden. Wahrlich nicht.

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