ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2010Kardiologie: Viel Wissenswertes über Synkopen

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Kardiologie: Viel Wissenswertes über Synkopen

Dtsch Arztebl 2010; 107(46): A-2294 / B-1984 / C-1948

Burgstett, Oliver

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Auf knapp 300 Seiten findet der Leser viel Wissenswertes über Synkopen im gleichnamigen Lotsen; er bekommt viel Lernstoff in 13 Kapiteln vermittelt. Beginnend mit Einleitung und Datenlage geht es weiter über die jeweiligen Untersuchungsmethoden und – im Großteil des Buches – über Synkopen bei speziellen, vornehmlich kardiologischen Krankheitsbildern. Es wird unter anderem ausführlich auf orthostatische Hypotonie, Bradykardie, Tachykardie, strukturelle Herzerkrankungen und Herzklappenfehler eingegangen; ohne vaskuläre und neurologische Ursachen unter den Tisch zu kehren. Das Buch beginnt so banal und profan wie grundlegend wichtig mit der Definition, ohne die schwerwiegende Missverständnisse programmiert sind: „Kurzdauernde Bewusstlosigkeit infolge einer globalen zerebralen Minderdurchblutung, charakterisiert durch einen plötzlichen Beginn, eine kurze Dauer sowie eine spontane komplette Erholung.“

Die Anwenderfreundlichkeit sollte durch möglichst wenig schwer verständlichem Text, aber dafür mit zahlreichen Abbildungen, Diagrammen und repetitiven Zusammenfassungen gesteigert werden; dieses Ziel wurde zwar grundsätzlich erreicht, wenngleich einige genannte Studien und deren in Grafiken gepackte Ergebnisse dem Leser viel abverlangen. Andererseits sparte man nicht an zahlreichen Fotografien und EKG-Aufzeichnungen, letztere sogar mitunter mit Pfeilmarkierungen versehen, so dass man sicher schwer verständliche Sachverhalte dem Interessierten bequem vermittelt. Die wissenschaftliche Grundlage wird anhand aktueller Studienergebnisse dargestellt und deren Fazit als leitlinienkonformes Handeln in farbig eingerahmten Kästchen abgeleitet; hierbei dienen Patientenbeispiele als Illustrationen. Die Ergebnisse des europäischen Kardiologenkongresses in Barcelona im September 2009 wurden ebenfalls integriert, so wird nun auch beispielsweise über die Wertigkeit des implantierbaren „Eventrekorders“ bei Herzrhythmusstörungen aufgeklärt, jedoch genauso auf das Bewährte wie ausführliche Anamnese, Langzeit-EKG und Kipptisch hingewiesen.

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Volkmann sagt aus, dass Synkopen per Definition auf eine globale zerebrale Minderdurchblutung zurückzuführen sind, weswegen TIAs auch nur ganz selten Synkopen verursachen; dieses begründet, weshalb zwar zwei Kardiologen (Ebert und Volkmann) und mit Zeleňák ein interventioneller Radiologe in der Autoren-/Herausgebermannschaft zu finden sind, aber eben kein Neurologe. Zeleňák schreibt über vaskuläre Gesichtspunkte in der Synkopenabklärung, inklusive Diagnostik und Therapie, betont aber auch, dass vaskuläre Synkopenursachen eher selten sind.

Wenn das Buch sich an Allgemeinmediziner und Notärzte wendet, wird manch ein Kollege primär von „Fach-Chinesisch“ sprechen, mit dem die Autoren gegen „Böhmische Dörfer“ vorgehen. Kardiologen dürfte der Inhalt vertrauter sein, wenngleich dieses wichtige Thema nicht nur Letztgenannten Fachkenntnisse abverlangen sollte. Oliver Burgstett

Hans-Holger Ebert, Hans Volkmann, Kamil Zelenˇák: Der Synkopenlotse. Thieme, Stuttgart, New York 2009, 286 Seiten, kartoniert, Spiralbindung, 29,95 Euro

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