ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2010Medizinstudium: Ungerecht
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Ich zitiere:

1) „Etwa ein Viertel aller Akademikerinnen bleibt in Deutschland kinderlos.“

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2) „Etwa 16 Prozent der Ärztinnen zwischen 35 bis 40 Jahren sind nicht berufstätig (Männer: weniger als fünf Prozent). Etwa 30 Prozent beenden ihre Facharztweiterbildung nicht (Männer: 14 Prozent).“

Warum ist das so? Ich, Jahrgang 1942, gehöre zu der zweiten Gruppe. Ich habe vier Kinder großgezogen, acht Jahre habe ich auf Karriere und Rentenbeiträge in vollem Umfang verzichtet, war alleinerziehend, zwölf Jahre voll berufstätig, zwölf Jahre Teilzeit berufstätig; als ich es geschafft hatte, meine Kinder durch die Schul- und Ausbildungszeit zu bringen, wurde ich berufsunfähig krank.

Eine Mutter, die nicht in der gesetzlichen, sondern in einer berufsständischen Rentenversicherung versichert ist, hatte bis vor kurzem keinen Anspruch auf eine Erziehungsrente. Seit zwei Jahren gewährt der Staat diesen Müttern gnädigst ebenfalls eine Erziehungsrente, vorausgesetzt, sie leisten Nachzahlungen, die der Wartezeit von 60 Kalendermonaten in der gesetzlichen Versicherung entsprechen, wobei die Kinder angerechnet werden.

Als ich an die Bundesregierung schrieb, dass dies meiner Meinung nach dem Gleichheitsgrundsatz widersprechen würde und dass wir unsere Wartezeit in der Ärzteversorgung bereits erfüllt hätten, erhielt ich als Antwort, dass dies den in der gesetzlichen Versicherung Versicherten nicht zu vermitteln sei.

Das Erziehungsgeld, das die gesetzlich versicherten Mütter erhalten, wird aber nicht aus den Rentenbeiträgen der gesetzlich Versicherten, sondern aus Steuergeldern finanziert, die auch die Kinder der Ärztinnen, Anwältinnen usw. aufbringen, die in berufsständischen Versorgungswerken versichert sind und keine Erziehungsrente erhalten, ohne kräftig draufzuzahlen. Wir haben die gleiche Erziehungsarbeit geleistet wie die Mütter in der gesetzlichen Versicherung, haben Steuerzahler großgezogen und ausgebildet, von deren Steuerbeiträgen aber nur die gesetzlich versicherten Mütter profitieren. Wo bleibt da die Gerechtigkeit? . . .

Ursula Marsch-Mattenklott, 38124 Braunschweig

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