ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2010Chronopharmakologie: Einnahme von Antihypertensiva am Abend senkt kardiovaskuläres Risiko

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronopharmakologie: Einnahme von Antihypertensiva am Abend senkt kardiovaskuläres Risiko

Dtsch Arztebl 2010; 107(46): A-2290 / B-1980 / C-1944

Heinzl, Susanne

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die blutdrucksenkende Wirkung verschiedener Antihypertensiva ist bei sogenannten Non-Dippern (nächtlicher Blutdruckabfall > 0 und < 10 % des Tagesmittelwerts bei ambulantem Blutdruckmonitoring) stärker, wenn sie Medikamente abends einnehmen als morgens. Spanische Wissenschaftler haben nun geprüft, ob sich durch die abendliche Einnahme von Antihypertensiva auch das kardiovaskuläre Risiko verringern lässt.

In der MAPEC-Studie (Monitorización Ambulatoria para Predicción de Eventos Cardiovasculares) wurde prospektiv mit 2 156 Hypertonikern untersucht, ob sich die Wirksamkeit einer blutdrucksenkenden Therapie unterschied, wenn alle Antihypertensiva morgens nach dem Aufstehen (n = 1 084) oder mindestens ein Antihypertensivum abends vor dem Zubettgehen (n = 1 072) eingenommen wurde. Bei den Patienten wurden zu Studienbeginn und dann in regelmäßigen Abständen der Blutdruck über 48 Stunden gemessen und ihre körperliche Aktivität erfasst. Über die Auswahl der Antihypertensiva entschied der behandelnde Arzt. Es wurde nicht zwischen Dippern (nächtliche Blutdrucksenkung > 10 und < 20 % des Tagesmittelwerts) und Non-Dippern unterschieden. Damit blieb unberücksichtigt, dass Ergebnissen früherer Studien zufolge verschiedene Gruppen von Antihypertensiva unterschiedliche Effekte auf die 24-h-Blutdruckpofile von Dippern und Non-Dippern bei morgendlicher oder abendlicher Applikation haben. Primärer Endpunkt war eine Kombination kardiovaskulärer Ereignisse, wie Tod jeder Ursache, Herzinfarkt, Angina pectoris, Revaskularisationsmaßnahmen, Herzinsuffizienz, peripherer Gefäßverschluss, Retinalarterienverschluss, Schlaganfall oder transitorische ischämische Attacke. Die Patienten wurden im Median 5,6 Jahre beobachtet. Das kardiovaskuläre Risiko für Patienten, die ihre Blutdrucksenker am Morgen einnahmen, war signifikant höher als bei Einnahme am Abend (Grafik). Als besonders bedeutsam wurde die Senkung des adjustierten Risikos für schwere kardiovaskuläre Ereignisse wie kardiovaskulären Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall durch die abendliche Einnahme eingestuft mit einer Hazard Ratio von 0,33 (0,19–0,55, p < 0,001).

Fazit: Zwar komme das Ergebnis nicht überraschend, meint Prof. Dr. med. Björn Lemmer (Mannheim), aber die Daten belegten erneut, dass mit einer einfachen, kostengünstigen Therapieänderung die Blutdruckeinstellung von Hypertonikern verbessert und ihr kardiovaskuläres Risiko weiter gesenkt werden könne. Kritisch sehe er allerdings, dass in der Studie nicht zwischen den Dippern und Non-Dippern differenziert wurde. In Deutschland würden bei Non-Dippern bzw. bei schwerer Hypertonie mit diesem Blutdruckprofil Medikamente zusätzlich abends gegeben. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Hermida RC et al.: Influence of circadian time of hypertension treatment on cardiovascular risk: results of the MAPEC study. Chronobiol Intern 2010; 27: 1629–51.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema