ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2010Nicht akzeptable Schmerzen
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Den Autoren ist zu dieser hervorragenden Arbeit (1), die pünktlich zum Start des von der International Association for the Study of Pain (IASP) ausgerufenen „Global Year Against Acute Pain“ erscheint, nur zu gratulieren. Auch wenn der Zielparameter des „nicht akzeptablen“ Schmerzes sicher noch zusätzlicher Validierung in weiteren Patientenkollektiven bedarf, zeigt die Studie doch, welch eklatante Mängel in der analgetischen Versorgung in deutschen Kliniken bestehen. Die Tatsache, dass nach Routineeingriffen wie Cholezystektomien, Thyreoidektomien oder Herniotomien mehr als die Hälfte der Patienten für sie nicht akzeptable Schmerzen ertragen muss, ist angesichts der heute verfügbaren Analgetika und bestehenden Leitlinien zu ihrem Einsatz nicht hinnehmbar.

Wie von den Autoren konstatiert, spiegelt die Studie große Defizite im Bereich der Kenntnis und Umsetzung analgetischer Algorithmen sowie insbesondere im Bereich klinischer Organisationsstrukturen wider. Ein probates Mittel, eine effektive Schmerztherapie ans Patientenbett zu bringen, sind Klinische Pfade. Diese Behandlungsinstrumente definieren standardisierte diagnostische und therapeutische Behandlungsschritte für spezifische Krankheitsbilder oder Eingriffe (2). In einer Studie verglichen wir nierentransplantierte Patienten, die nach einem Klinischen Pfad behandelt wurden, der eine definierte Schmerztherapie nach WHO-Stufenschema für jeden Patienten vorsah, mit einer historischen Kontrollgruppe, die ohne standardisiertes analgetisches Schema behandelt wurde. Als Ausdruck einer besseren analgetischen Einstellung zeigte sich, dass Pfadpatienten signifikant seltener zusätzliche Schmerzmittel anfordern mussten (3).

Ausgehend von diesen Ergebnissen möchten wir zum Einsatz Klinischer Pfade sowohl im perioperativen als auch im konservativen Setting ermutigen. Unseres Erachtens können sie, eine probate Erstellung, Implementierung und kontinuierliche Anwendung vorausgesetzt, dazu beitragen, die von Maier et al. dargestellte erschreckend unzureichende analgetische Versorgung nachhaltig zu verbessern.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0844

Dr. med. Ulrich Ronellenfitsch
Universitätsmedizin Mannheim
Chirurgische Klinik
Theodor-Kutzer-Ufer 1–3
68167 Mannheim
E-Mail: ulrich.ronellenfitsch@umm.de

Prof. Dr. med. Matthias Schwarzbach

Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Thoraxchirurgie

Klinikum Frankfurt Höchst GmbH

Gotenstraße 6–8

65929 Frankfurt a. M.

E-Mail: matthias.schwarzbach@KlinikumFrankfurt.de

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

Die Autoren des Beitrags haben auf ein Schlusswort verzichtet.

1.
Maier Ch, Nestler N, Richter H, et al.: The quality of pain management in German hospitals. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(36): 607–14. VOLLTEXT
2.
Schwarzbach M, Ronellenfitsch U: Klinikpfade in der Chirurgie: Ein Instrument für den Routinebetrieb? Dtsch Arztebl 2008; 105(47): A2512. VOLLTEXT
3.
Schwarzbach M, Bönninghoff R, Harrer K, et al.: Effects of a clinical pathway on quality of care in kidney transplantation: a non-randomized clinical trial. Langenbecks Arch Surg 2010; 395(1): 11–7. MEDLINE
1.Maier Ch, Nestler N, Richter H, et al.: The quality of pain management in German hospitals. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(36): 607–14. VOLLTEXT
2. Schwarzbach M, Ronellenfitsch U: Klinikpfade in der Chirurgie: Ein Instrument für den Routinebetrieb? Dtsch Arztebl 2008; 105(47): A2512. VOLLTEXT
3.Schwarzbach M, Bönninghoff R, Harrer K, et al.: Effects of a clinical pathway on quality of care in kidney transplantation: a non-randomized clinical trial. Langenbecks Arch Surg 2010; 395(1): 11–7. MEDLINE

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