ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2010Kochsalz in der Nahrung – ein gesundheitspolitisches Problem
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Erfreulich deutlich wurde das Risiko für Hypertonie und andere kardiovaskuläre Erkrankungen sowie ein Blutdruckabfall bei Hypertonikern und Normotonikern durch Kochsalzreduktion.

Die Datenlage wurde kürzlich durch zwei Studien untermauert (1, 2). Einmal wurde mit Hilfe eines komplexen Modells die Auswirkung einer bevölkerungsweiten Kochsalzreduktion um 3 g/Tag simuliert (3). Danach lässt sich die Zahl der jährlich neuen koronaren Herzerkrankungen (KHK) in den USA um 60 000 bis 100 000, an Apoplex, Myokardinfarkt und anderen Todesursachen in ähnlicher Größenordnung reduzieren. Zum anderen wurden der Nutzen der Kochsalzreduktion durch Salzersatz oder Gewürze, aber auch die Prävention des typischen Blutdruckanstiegs im höheren Lebensalter belegt (2). Kurzfristig ließ sich nach vier Monaten einer kochsalzreduzierten Nahrung ein Blutdruckabfall bei Hypertonikern um 11,2/7,5 mmHg nachweisen, der durch eine Kalorienreduktion auf 16,1/9,9 mmHg gesteigert wurde (3).

Bisher nutzen nur wenige europäische Länder ihre Gesetzgebung, um die Krankheitslast durch Kochsalzreduktion zu senken (1). Bezeichnend für die Situation ist die kürzliche Pressemitteilung, nach der die deutschen Bäcker sich gegen die EU-Gremien durchsetzen konnten und den doppelt so hohen wie erlaubten Salzgehalt im Brot behalten dürfen, bei uns die Hauptquelle der täglichen Kochsalzaufnahme. Letztendlich sollte versucht werden, der Empfehlung unter 6,8 g/Tag bis zu einem Lebensalter von 40 Jahren und bei Älteren sowie bei Hypertonikern unter 3,7 g/Tag zu folgen. Trotz fundierter Datenlage kann sich gesundheitspolitischer Druck kaum gegen die Macht der Lobbyisten in Brüssel und Berlin durchsetzen. Das kann man auch an dem wahrscheinlichen Scheitern der geplanten Ampelkennzeichnung von Nahrungsmitteln erkennen, bei der kochsalzreiche Nahrungsmittel ein „rot“ erhalten würden.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0843a

Prof. Dr. med. Hans-Christian Heitkamp

Medizinische Universitätsklinik

Abt. Sportmedizin, Silcherstraße 5, 72076 Tübingen

E-Mail: hans-christian.heitkamp@med.uni-tuebingen.de

1.
Bibbins-Domingo K, Chertow GM, Coxson PG, et al.: Projected effect of dietary salt reductions on future cardiovascular disease. N Engl J Med 2010; 362: 590–9. MEDLINE
2.
Sacks FM, Campos H: Dietary therapy in hypertension. N Engl J Med 2010; 362: 2102–12. MEDLINE
3.
Blumenthal JA, Bayak MA, Hinderliter A, et al.: Effects of the DASH diet alone and in combination with exercise and weight loss on blood pressure and cardiovascular biomarkers in men and women with high blood pressure: the ENCORE study. Arch Intern Med 2010; 170: 126–35. MEDLINE
4.
Klaus D, Hoyer J, Middeke M: Salt restriction for the prevention of cardiovascular disease. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(26): 457–62. VOLLTEXT
1.Bibbins-Domingo K, Chertow GM, Coxson PG, et al.: Projected effect of dietary salt reductions on future cardiovascular disease. N Engl J Med 2010; 362: 590–9. MEDLINE
2.Sacks FM, Campos H: Dietary therapy in hypertension. N Engl J Med 2010; 362: 2102–12. MEDLINE
3.Blumenthal JA, Bayak MA, Hinderliter A, et al.: Effects of the DASH diet alone and in combination with exercise and weight loss on blood pressure and cardiovascular biomarkers in men and women with high blood pressure: the ENCORE study. Arch Intern Med 2010; 170: 126–35. MEDLINE
4.Klaus D, Hoyer J, Middeke M: Salt restriction for the prevention of cardiovascular disease. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(26): 457–62. VOLLTEXT

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