ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2010Lokale Östrioltherapie
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Beratung bei Harninkontinenz „sollte jeder betroffenen Frau die Chance auf eine individuelle Behandlung eröffnen“. Dazu gehört bei „überaktiver Blase“ auch Östriol lokal vaginal (0,5 mg/Tag). Dieser Metabolit von Östradiol ohne Wirkung auf Endometrium bedarf keines Gestagenzusatzes wegen kurzer Bindungszeit am Östrogenrezeptor (ein bis vier Stunden) im Gegensatz zu Östradiol (sechs bis 24 Stunden). Mit dieser Differenz um den Faktor sechs sind bei lokaler Östrioltherapie kein Thromboembolie-Risiko zu erwarten und keine vermehrten Brustkrebsdiagnosen nach skandinavischen Studien.

Bei Drang-Inkontinenz, erstmals ab der Menopause infolge atrophischer Veränderungen durch Östrogenmangel, ist Östriol seit 30 Jahren erfolgreich. Beim imperativen Harndrang perimenopausal ist auch an Progesteron-Defizit zu denken. Wird substituiert (lokal vaginal ohne relevante Risiken), so wird die Überaktivität des Detrusors reduziert. Das gilt nicht bei länger zurückliegender Menopause.

Östriol hat proliferierende Effekte auf Vaginal-, Urethral- und Blasenepithelien über Beta-Rezeptoren. Östriol wird um den Faktor sieben weniger an den Alpha-Rezeptor gebunden als Östradiol (dominant im Endometrium und Brustdrüsengewebe), Östriol verbessert die Durchblutung im Urethralbereich samt Verschlussmechanismen über Beta-Rezeptoren in den Endothelien. Östriol lokal 0,5 mg/Tag für zwei bis drei Wochen wird auf dreitägige und später einwöchige Abstände reduziert. Das Therapieoptimum besteht nach drei Monaten.

Prospektiv-multizentrisch (1) zeigte sich bei 80% von 600 postmenopausalen Frauen mit Inkontinenzsymptomen nach sechs Wochen eine subjektive Besserung (auch bei Grad-3-Inkontinenz). Hohe Miktionsfrequenzen kamen halb so oft vor. Das bestätigten eine kleinere Studie (2) und eine placebokontrollierte Studie (3): lokales Östriol verbesserte signifikant eine Inkontinenz infolge Urogenitalatrophie bei sieben von zehn Frauen, subjektive Besserung erfuhr nur eine von sieben Frauen unter Placebo.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0841a

Prof. Dr. med. Matthias Wenderlein

Eythstraße 14

89075 Ulm

E-Mail: wenderlein@gmx.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Schmidbauer CP: Vaginale Östriolapplikation zur Behandlung der postmenopausalen Harninkontinenz. Urologe A 1992; 4: 42–8.
2.
Fantl JA: Postmenopausal urinary incontinence: comparison between non-estrogen and estrogen supplemented women Obstet. Gynecol 1989; 71: 823–8. MEDLINE
3.
Dessole S, et al.: Efficacy of low-dose intravaginal estriol on urogenital aging in postmenopausal women. Menopause 2004; 11(1): 49–56. MEDLINE
4.
Dannecker Ch, Friese K, Stief Ch, Bauer R: Urinary incontinence in women—part 1 of a series of articles on incontinence. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(24): 420–6. VOLLTEXT
1.Schmidbauer CP: Vaginale Östriolapplikation zur Behandlung der postmenopausalen Harninkontinenz. Urologe A 1992; 4: 42–8.
2.Fantl JA: Postmenopausal urinary incontinence: comparison between non-estrogen and estrogen supplemented women Obstet. Gynecol 1989; 71: 823–8. MEDLINE
3.Dessole S, et al.: Efficacy of low-dose intravaginal estriol on urogenital aging in postmenopausal women. Menopause 2004; 11(1): 49–56. MEDLINE
4.Dannecker Ch, Friese K, Stief Ch, Bauer R: Urinary incontinence in women—part 1 of a series of articles on incontinence. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(24): 420–6. VOLLTEXT

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