ArchivDeutsches Ärzteblatt41/1997Verschlüsselung – Weitere: Datenmüllberge

SPEKTRUM: Leserbriefe

Verschlüsselung – Weitere: Datenmüllberge

Ulmer, Jan

Zu dem Beitrag "Diagnosenverschlüsselung: Klassifikation und Datenübermittlung" von Prof. Dr. rer. nat. Rüdiger Klar in Heft 16/1997:
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LNSLNS Es ist verständlich, daß Menschen, die sich in erster Linie mit der Verwaltung der Arbeit anderer beschäftigen, versucht sind, sich selbst diese Arbeit möglichst durch Automatisierung durch den Computer wieder zu vereinfachen. Dies zu ermöglichen soll die Verschlüsselung der Vielfalt medizinisch relevanter Tatbestände ermöglichen. Der jetzt eingeschlagene Weg ist in zweierlei Hinsicht ein Irrweg. Entweder wird der medizinische Tatbestand in grobe Schubladen eingeteilt (verschlüsselt), dann gehen zahlreiche Informationen verloren. Das konnte ich als Gutachter bei der Erstellung von Zusammenhangsgutachten, bei denen auch Diagnosen zurückliegender Arbeits­unfähigkeits­bescheinigungen berücksichtigt werden, feststellen. Die klartextliche Auflistung von "Schulter-Arm-Syndrom re", "Sehnenscheidenentzündung re Arm", "Epicondylitis re" wurde abgelöst durch die lapidare Feststellung einer "Weichteilerkrankung der oberen Extremität", womit wesentliche Aussagen verlorengehen. Das Gegenteil ist die vollständig differenzierte Verschlüsselung, die dann aber auch keinen Vorteil gegenüber der bisherigen Praxis bedeutet. Im Gegenteil, durch die Übersetzung der Sprache in eine nichtssagende alphanumerische Kombination kommen noch Übertragungsverluste hinzu. Es ist auch geradezu anachronistisch, daß ich als Arzt im Zeitalter des Computers diese stupide Übertragungsarbeit leisten soll, wo es bereits Programme gibt, die die deutsche Sprache in die englische übersetzen. Es genügt doch völlig, wenn eine Liste synonymer Begriffe aufgestellt wird, wovon einer dann als verbindlicher Leitbegriff definiert wird. Dann verwende ich das mir vertraute Vokabular, der Computer schlägt mir den/die passenden Leitbegriff(e) vor, der dann ausgewählt/angewendet wird. Ob der Computer dann intern diesen Begriff nochmals verschlüsselt, braucht mich ja nicht zu kümmern. Und ob die Verwalter in der Krankenkasse oder anderswo dann lieber "Karpaltunnelsyndrom" oder "QLZ36355" lesen, kann mir auch egal bleiben. Es ist Aufgabe derer, die sich die Verwaltungsarbeit erleichtern wollen, mir die Werkzeuge dafür zur Verfügung zu stellen.
Mit der jetzt angestrebten ICD-Verschlüsselung werden auf jeden Fall nur weitere Datenmüllberge produziert.
Dr. med. Jan Ulmer, Apenrader Straße 2, 24939 Flensburg
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